Retro-Filmkritik: Das Jahr 2000

Das Jahr 2000: Mittlerweile schon zwanzig Jahre her, aber bis zu seinem tatsächlichen Anbruch mit einem fast magischen Glanz behaftet. Die Jüngeren unter euch werden es nicht wissen, aber die Zahl 2000 zog sich einst wie ein roter Faden durch die Popkultur. Wollte man sein Werk futuristischer klingen lassen, hing man schnell diese Ziffern an den Titel. In Sci-Fi Werken der 60er und 70er schien man davon überzeugt zu sein, dass wir nur wenige Dekaden später mit fliegenden Autos oder gar Teleportern reisen würden. Lustigerweise hat man an Dinge wie das Internet niemals gedacht, achtet mal drauf. Und wie war es schließlich, dieses ominöse und magische Jahr? Nun, eigentlich so wie jedes andere. Wenn man von dem Hype um „Millennium“ oder „Silvester 1999“ und natürlich der Y2K-Hysterie absieht, versteht sich. Trotzdem bot sich das Jahr 2000 als zweiter Teil meiner Retro-Filmkritik an, deren nächster Teil übrigens in eine Zeit vor meiner Geburt führen wird. Den ersten Teil über mein Geburtsjahr findet ihr hier.

Die Regeln sind gleichgeblieben: Ich führe nur Filme auf, die ich gesehen (und nicht vergessen) habe. Die Reihenfolge ist brutal subjektiv und steht keinesfalls für die filmhistorische Bedeutung. Am Wichtigsten ist aber, dass sich niemand über Platzierungen aufregt und bestenfalls einfach nur ein paar Anregungen für die nächsten Filmabende mitnimmt.

 

37. Dracula 2000: Erschreckend langweiliger und blutarmer (get it?) Horrorstreifen. Sorry Gerald Butler, ich mag dich, aber dein Dracula ist fast so schlecht wie der aus „Van Helsing“. 36. Blair Witch 2: Habe ich früher als einer der schlechtesten Filme bezeichnet, die ich je gesehen habe. Und auch heute finde ich den noch richtig furchtbar. Warum hat der eigentlich den Untertitel Book of Shadows, wenn das im gesamten Film nicht vorkommt? 35. Loser – Auch Verlierer haben Glück: Habe ich nur geguckt, weil auf dem Filmabend ein Mädchen dabei war, in das ich mich damals verguckt hatte. (Überraschung: Bei der Schwärmerei ist es geblieben.) Im Gegensatz zum aus dem Film entnommenen Song „Teenage Dirtbag“ wurde dieser seichte Teenie-Film kein Hit. Für d and ddie Irreführung, im Film würden Iron Maiden vorkommen, auch vollkommen zurecht. 34. The Cell: Soll total psychologisch und tiefgründig sein, ist aber eigentlich nur ein verschwurbelter Thriller mit netten Bildern. 33. Scary Movie: Ich bin Ende 2000 18 Jahre alt geworden, war also voll in der Zielgruppe des Films, aber ich fand den schon damals grauenhaft. Außerdem hat er diese unsägliche Welle an billigen „… Movie“ -Parodien ausgelöst, was nochmal gesonderte Verachtung verdient. 32. Dungeons & Dragons: Von der Firma, die ein Jahr später „The Lord of the Rings“ veröffentlichen sollte, kam 2000 ein in allen Belangen misslungener Fantasyfilm. Warum ich ihn dennoch irgendwie empfehle? Im O-Ton und mit einigen Kaltgetränken im Kopf ist das Machwerk ein großer Spaß! Gerade Jeremy Irons hat offenbar schnell erkannt, dass das Ganze großer Schwachsinn ist und spielt so übertrieben, als hätte er sich eine Portion Ecstasy in seinen Morgenkaffee gebröselt. 31. They nest: Gefälliger B-Tierhorror mit Ekelbonus für Kakerlaken-Phobiker. 30. Anatomie: Für den deutschen Versuch, amerikanische Horrorthriller zu kopieren, eigentlich ziemlich gelungen. So wirklich begeistern konnte der mich damals aber nicht, aber er gewann immerhin eine kleine Fangemeinde.

29. Mission: Impossible II: Eigentlich hätte dieser überstilisierte Streifen von John Woo die Reihe versenken sollen, bevor sie richtig ins Rollen kam. Den ersten Teil fand ich okay, weswegen mich dieser schlechte Film nicht so aufregte. Erst in Retrospektive würde es mir wirklich leidtun, wenn das Franchise hier geendet hätte. Dem war zum Glück nicht so und Teil 4-6 sind für mich heute die wahren „Mission: Impossible“ Filme, die sich mit jedem Teil steigern. 28. Scream 3: Der erste Teil ist ein wichtiger Bestandteil der 90er Popkultur und belebte den Mainstream-Horror neu, der Nachfolger machte im Prinzip nichts neu, aber schwamm noch gut im Fahrwasser mit. Als 2000 der dritte Teil in die Kinos kam, waren wir des Teeniehorrors aber so langsam überdrüssig. Die eher dürftige Qualität des vorläufigen Abschlusses der Saga um Ghostface tat ihr Übriges. 27. Highlander Endgame: Ich habe die TV-Serie sehr gerne geschaut und Adrian Paul mit Christopher Lambert in einem Film auftreten zu lassen, klang wie eine großartige Idee. Ein schwaches Drehbuch, ein furchtbarer Antagonist (der blaulippige Typ aus dem Film highlander endgamevon Platz 33), fehlender Respekt vor dem eigenen Kanon und ein sichtlich gealterter Lambert brachen dem Film aber ein wenig das Genick. Dank einiger emotionaler Momente und gelungener Szenen ist „Endgame“ seinem Nachfolger aber noch um Lichtjahre voraus. „Highlander: The Source“ tanzt unter der Limbostange des Versagens nämlich noch locker her. 26. Little Nicky: Eigentlich ist der richtig kacke, ich weiß. Aber die Erinnerungen an einige sehr lustige Filmabende haben diesem Adam Sandler Film einen kleinen Platz in meinem Herzen beschert. 25. Hollow Man: Einer von Paul Verhoevens schlechtesten Filmen, aber für einen matschigen Sonntag taugt der dank seines Trash-Faktors vermutlich immer noch. Kevin Bacon ist natürlich der Showstealer. 24. Unbreakable: Nach dem großen „The Sixth Sense“ Hype das nächste Werk von Regisseur Shyamalan, kurz bevor er zu seiner eigenen Parodie wurde. Bildet mit seinen späten Nachfolgern „Split“ und „Glass“ eine okaye Trilogie. 23. Was Frauen wollen: Mel Gibson als Macho, der plötzlich die Gedanken von Frauen hören kann. Fand ich damals ziemlich witzig, aber ich habe keine Ahnung, wie gut der gealtert ist. 22. Space Cowboys: Clint Eastwood, Donald Sutherland, Tommy Lee Jones und James Garner als alte Haudegen, die nochmal ins All aufbrechen. Teilweise liebenswert, teilweise sehr zäh würde ich für „Space Cowboys“ heute nur Fans von Eastwoods Regiearbeit empfehlen. Neueinsteigern rate ich aber vorab zu „Unforgiven“ (1992) oder „Gran Torino“ (2007). 21. Final Destination: Der Start einer erstaunlich langlebigen Reihe, aber das haben Horrorfilme ja manchmal an sich. Die Prämisse ist originell und funktioniert auch heute noch, wenn man nicht zu sehr darüber nachdenkt. Ich persönlich mochte den zweiten Teil sogar noch etwas lieber.

kinopoisk.ru

20. Godzilla vs Megaguirus: Gewohnte Monster-Action für Fans. In der dritten und sog. „Millennium-Staffel“ aber vermutlich der schwächste Ableger. 19. The Crossing: TV-Film über George Washington und die historische Schlacht von Trenton. Von einigen langatmigen Stellen abgesehen, ein sehr gelungener Historienfilm, dessen Look von einigen bekannten Gemälden inspiriert ist. 18. Ich, beide und sie: Alberne Komödie nach dem damals bewährten Strickmuster. Da ich „Dumm und Dümmer“ bis heute nie und „Verrückt nach Mary“ nur einmal in großer Runde gesehen habe, hat der Streifen bei mir vermutlich besser gewirkt, als er sollte. 17. Schatten der Wahrheit: Kann man nicht viel zu sagen. Guter Thriller mit starker Besetzung (Harrison Ford, Michelle Pfeifer) von Regisseur Robert Zemeckis. 16. Toy Story 2: Ich war nie ein großer Toy Story-Fan, erkenne aber die Qualitäten durchaus an. Der zweite Teil ist nicht ganz so gelungen wie der dritte, macht aber immer noch Spaß. 15. Der Patriot: Mel Gibons Versuch, „Braveheart“ in den amerikanischen Bürgerkrieg zu übertragen. Immer mit dabei: Eine Wagenladung Pathos, männliches Geschrei und seine seltsame Abneigung gegen die Briten. Von der Sache mit den Engländern abgesehen stehe ich auf sowas, deswegen mochte ich auch diesen Film. Trotzdem gilt dasselbe wie bei Gibsons Verkörperung von William Wallace: Nach historischen Genauigkeiten sucht man hier besser mit der Lupe. 14. X-Men: Vor zwanzishadowg Jahren war ein Comicfilm, der nicht komplett furchtbar war, schon ein Grund zum Feiern. Der erste Teil des „X-Men“ Franchises von Fox hat heute ordentlich Staub angesetzt, gefällt mir aus nostalgischen Gründen aber immer noch. Der Film markiert außerdem das Hollywood Debüt eines gewissen Hugh Jackman. 13. Keine halben Sachen: Kriminalkomödie mit einem damals noch motivierten Bruce Willis, der als Auftragsmörder das Leben in einem Vorort durcheinanderbringt. Den Plot erratet ihr jetzt schon, aber sehenswert ist „Keine halben Sachen“ dennoch. 12. Shadow of the Vampire: Ich gestehe, „Shadow of the Vampire“ bei der ersten Sichtung nicht verstanden und daher langweilig gefunden zu haben. Erst Jahre später, als ich mich auch für die Klassiker längst vergangener Jahrzehnte zu interessieren begann, fiel mir dieser britische Film wieder ein und ich lernte die liebevolle Hommage an „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922) als eben das zu schätzen. 11. Gone in 60 seconds: Ein lautes, knalliges Remake des sehr sehenswerten Originals von 1974 (hierzulande trashig als „Die Blechpiraten“ betitelt). Noch tief durchzogen vom knalligen Charme der 90er, der sicher nicht jedem gefällt, mir aber ein nostalgisches Grinsen beschert.

10. Pitch Black: Vor Groot war Vin Diesel ein grimmiger Ex-Sträfling namens Riddick. Abgesehen vom großartigen Spiel „Escape from Butcher Bay“ ist dieser Sci-Fi-Horrorfilm bis heute sein bester Auftritt. 9. Der Sturm: Der Mensch gegen die unbezwingbare See – perfect stormmit dem Setting kriegt man mich eigentlich fast immer. Einer von den vergessenen Wolfgang Petersen Filmen, aber immer noch sehr sehenswert. 8. Snatch: Guy Ritchies zweiter Film hat viel von seinem Regiedebüt „Bube, Dame, König, grAS“ und ist auch fast genauso gut. Diese Klasse sollte der Brite sehr lange nicht mehr erreichen. Erst 2019 hat er mit „The Gentlemen“ für meine Begriffe wieder richtig abgeliefert. 7. Requiem for a Dream: Es gibt Filme, die mich wirklich fertigmachen, obwohl oder gerade weil sie so großartig sind. „Clockwork Orange“ ist so einer, das Original „Texas Chainsaw Massacre“ ein weiterer. Darren Aronofskys perfekt inszenierter Höllentrip über den Niedergang von vier Drogensüchtigen zählt ebenfalls dazu. Was aber nichts an seiner Klasse ändert. 6. The 6th Day: Da kommt meine Liebe für Schwarzenegger wieder durch. Dieser Sci-Fi Actioner wirkt wie eine leichtherzige Version von „Total Recall“, ist aber keinesfalls einer von Arnies Klassikern. Von seinen letzten Filmen vor der Zeit als „Gouvernator“ ist der hier aber sicher sein bester.

Top 5

flüsse5. Die purpurnen Flüsse: „Leon, der Profi“ zum Trotz – für mich ist das hier Jean Renos bester Film. Beeindruckende Bilder, eine zum Schneiden dichte Atmosphäre und die starke Chemie zwischen den Hauptdarstellern veranlassen mich zu dieser gewagten Aussage. Der Nachfolger konnte dieses Niveau leider zu keiner Sekunde halten, wobei ich den nicht so sehr hasse wie viele andere es scheinbar tun.

 

 

americanpsycho4. American Psycho: Mit diesem Film habe ich Christian Bale „entdeckt“, obwohl ich in schon in Kindertagen gesehen habe. Damals habe ich nämlich oft den schwedischen Kinderfilm „Mio, mein Mio“ gesehen, wo er mitspielt. Christopher Lee übrigens auch, aber genug des sinnlosen Trivialwissens. In „American Psycho“ taucht Bale voll in seine Rolle ab, was später zu seinem Markenzeichen werden sollte. Und so ganz nebenbei hat er auch noch für ein Bild gesorgt, was meine Gemütslage so oft perfekt widergibt. Schaut euch mal an, wie Patrick Bateman reagiert, wenn ich ihn auf Impfgegner, Nazis oder Flat-Earther anspreche …

bale axe

 

 

 

teuflisch

3. Teuflisch: Brendan Frasier als liebenswerter Verlierer, der vom Teufel (unfassbar sexy: Elizabeth Hurley) sieben Wünsche im Tausch gegen seine Seele gewährt bekommt. Dass der alte Ziegenfuß dabei nicht ganz fair spielt, sollte jedem klar sein. Eure Traumfrau wünscht sich beispielsweise einen sensiblen Mann? Kriegen wir hin. Blöd nur, dass man fortan bei jedem romantischen Sonnenuntergang einen Heulkrampf bekommt.

 

 

cast away2. Cast Away: Tom Hanks kann natürlich auch Method Acting. Für den Anfang legte er sich Übergewicht zu, nur um sich danach acht Monate für den Rest des Films runterzuhungern (Regisseur Robert Zemeckis dreht in dieser Zeit übrigens Platz 17 dieser Liste). Der Volleyball Wilson ist in die Popkultur eingegangen und wer Hanks in einer Quasi- One Man Show sehen will, kommt um „Cast Away“ nicht herum. Für mich einer von seinen besten Filmen und davon hat er nicht gerade wenige.

 

 

gladiator1. Gladiator: Platz 1 stand für mich schon von Beginn an fest. Ridley Scotts Wiederbelebung des Sandalenfilms ist bis heute einer meiner Lieblingsfilme, weil er genau die richtige Menge von Pathos hat, die ich bei meinen Historienfilmen liebe. Die Schlacht gegen die Germanen und der erste große Kampf im Kolosseum sind legendär und Russel Crowe die perfekte Besetzung für Maximus. Fans von „Joker“ dürfen sich auf einen Joaquin Phoenix freuen, der als Commodus auf seine Weise nicht minder gruselig ist. Muss der Realismus öfter der Unterhaltung weichen? Sicher, aber da ich Spielfilme ohnehin niemals als Geschichtsdokumentationen verstehe, sehe ich da auch kein Problem drin.

 

quote

 

©New Line Cinema (Dungeons & Dragons); ©Dimension Films (Highlander: Endgame); ©Toho (Godzilla vs Megaguirus); ©BBC (Shadow of the Vampire); ©Warner Bros (The Perfect Storm); ©Légende Films (Les rivières pourpres); ©Lions Gate (American Psycho); ©20th Century Fox (Bedazzled, Cast Away); ©Dreamworks/ Universal (Gladiator)

Ein Gedanke zu “Retro-Filmkritik: Das Jahr 2000

  1. So schlecht fand ich The Cell gar nicht 🙂
    Freut mich, Godzilla zu lesen.
    The 6th Day war doch spaßig… und die purpurnen Flüsse waren einfach nur geil. Pitch Black war auch cool, wobei ich Gladiator ganz nett fand aber nicht wirklich etwas ist, was ich zu Hause stehen haben müsste.

    Gefällt 1 Person

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