Filmkritik: Kinorückblick 2019

Frohe Weihnachten! Es ist wieder an der Zeit für meinen alljährlichen Kinorückblick. Darauf freue ich mich jedes Mal sehr und auch dieses Jahr habe ich wieder einiges an Arbeit in den nachfolgenden Text gesteckt. Doch vorher gibt es wie immer einen kleinen „Disclaimer“.

Es ist nur eine Liste im Internet, bitte keine Tobsuchtsanfälle, wenn ein Film in euren Augen falsch platziert ist. Das Ranking entsteht bei mir ohnehin nur aus dem Bauch heraus und nicht aufgrund etwaiger filmhistorischer Bedeutung. Mein Ziel ist es eigentlich nur, euch ein paar Tipps zu geben, was ihr auf eure Watchlist packen könntet. Leider sind auch 2019 wieder einige Filme auf meinem ‚Pile of Shame‘ gelandet und tauchen daher in dieser Liste nicht auf. Besonders leid tut es mir um „Parasite“, „Rocketman“, „Marriage Story“ und „Le Mans 66“ – allesamt Filme mit großartigen Bewertungen, die ich aber noch nachholen muss. Vielleicht gibt es in den folgenden Monaten mal eine kleine Nachlese. Aber auch so hat mir das Kinojahr 2019 gut gefallen!

Das Titelbild zeigt übrigens die wunderschöne Lichtburg in Essen.

 

serenity25) Serenity

Der deutsche Titel „Im Netz der Versuchung“ schreckte mich ab, auch wenn ich beide Hautptdarsteller durchaus mag. Geschaut habe ich diesen Haufen Mist nur, weil die Jungs und Mädels der Rocket Beans sich so köstlich über diesen Film amüsiert haben. Kurz gesagt: Neben „Hellboy“ der zweite unterhaltsame Autounfall des Kinojahres. Selten einen dümmeren Plottwist gesehen, den ihr euch hoffentlich nicht bei Wikipedia anschaut. Ich hab diese verfilmte Lobotomie durchgehalten, dann schafft ihr das auch!

 

 

terminator24) Terminator: Dark Fate

Die beste Fortsetzung seit Teil 2! Hat das was zu bedeuten? Nein! „Dark Fate“ ist nun der fünfte von sechs Filmen mit demselben Plot. So langsam könnte man sich doch mal fragen, ob „Terminator“ unbedingt ein Franchise sein muss?! Ja, es ist schön, Linda Hamilton nochmal richtig Arsch treten zu sehen und „Grace“ ist ein wesentlich interessanterer Charakter geworden, als man im Vorfeld erwarten konnte. Der Rest? Ich spoiler jetzt, ist mir egal. Eine bessere Möglichkeit, Arnie in den Film zu bringen ist euch nicht eingefallen?! Ein T-800 tötet John Connor, hat dann kein Ziel mehr und versteht den Wert menschlichen Lebens, was in einem Selbstopfer gipfelt, um den erneut blassen Antagonisten zu erledigen? Vorher darf er nochmal Sarah Connor in die Augen blicken und „For John!“ sagen … wollt ihr mich verarschen? Lasst die Reihe bitte endlich ruhen! Ach ja, eine Familie hat der geläuterte Terminator auch gehabt. Furchtbar!

 

 

spiderman23) Spider-Man: Far from Home

Was war das denn? Ich wiederhole es immer wieder, dass Spidey mein liebster Superheld ist. Aber ich kann aus heutiger Sicht keinen Film auf eine Stufe mit „Batman: Mask of the Phantasm“, „Logan“, „Inifinity War“ oder meinetwegen auch „Joker“ heben, selbst wenn sie mir meistens doch irgendwie Spaß machen. Auch „Far From Home“ hat ein paar positive Aspekte wie die Alpraumsequenz in der Mitte (tolle, kreative Visuals), Jake Gyllenhaal, Tom Holland und den grandiosen Cameo am Ende. Ich mag auch die neue MJ, gerade weil sie nicht Mary Jane Watson, sondern eine eigene Figur ist. Mit dem Rest von Peters Umfeld komme ich dafür aber gar nicht klar. Ned ist nicht mehr als der dicke Kumpel (ich behaupte mal: der wird nie in Verdacht stehen, der Hobgoblin zu sein), May wird wie üblich auf ihr Äußeres reduziert (dass ich sowas mal über Tante May sage!) und Flash ist einfach nur anstrengend. Den absoluten Vogel hat man aber mit dem Lehrergespann abgeschossen, welches Peters Schulklasse auf ihrem Ausflug nach Europa begleitet. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ihre Dialoge sollten wohl Comedy darstellen. Furchtbar und ein Sinnbild für einen der schwächsten MCU Filme, der als Anschluss an die Ereignisse von „Avengers: Endgame“ ebenso ein Totalausfall ist.

 

 

hellboy22) Hellboy

Vorsicht, ich bewerte den Film ausschließlich anhand des großen Spaßes, den ich bei der ersten Sichtung hatte. Großen Dank dafür an meine Mitschauer und den Hopfenhersteller meines Vertrauens – anders wäre dieses Machwerk sicher nicht zu ertragen gewesen. Denn hier läuft so ziemlich alles falsch, was falsch hätte laufen können. Hellboy ist ein bockiger Jammerlappen, der sich ständig mit seinem Vater streitet, dessen Tod uns dann aber doch ganz doll traurig machen soll. Es werden uns mindestens fünf Storylines aus den Comics in einem konfusen Plot und mit einem komplett misslungenen Pacing vorgesetzt. (Schaut euch mal die eigentlich sehr tragische Geschichte des „Schweinemannes“ an, der hier zum Comic Relief verkommt). Visuell ist der Film stellenweise sogar echt kreativ, gerade das Finale hat leichte Lovecraft Vibes. Zartbesaitete sollten dann aber spätestens wegschalten, denn der Gewaltgrad ist geradezu verstörend für einen Film des Mainstreams. Rettet den Streifen aber auch nicht mehr, der sich mit dem Casting von Milla Jovovich bereits im Vorfeld den Todestoß verpasste. Was die gute Frau betreibt, ist nichts anderes als Arbeitsverweigerung. Freunde des schlechten Geschmacks dürfen aber gerne mal ein Auge riskieren, wir hatten zumindest unseren Spaß.

 

 

darphoenix21) X-Men: Dark Phoenix

Ich hatte immer eine Schwäche für die X-Men Filme! Selbst den schwachen Vertretern konnte ich zumindest in einzelnen Szenen noch etwas abgewinnen und das ist bei „Dark Phoenix“ ebenfalls wieder der Fall. Erwartungsgemäß stehlen Fassbender (Magneto) und McAvoy (Charles Xavier) wieder jede Show, die es zu stehlen gibt – ich liebe die Szene im Zug, wo Magneto mal so richtig aufdrehen darf. Trotzdem ist „Dark Phoenix“ im überfluteten Superhelden-Genre nicht herausragend genug, um wirklich Beachtung verdient zu haben. Schade drum, aber eine Reihe (inklusive Wolverine Spin-offs) auf insgesamt zehn Filme zu bringen, muss man auch erst mal schaffen.

 

 

captainmarvel20) Captain Marvel

Im Vorfeld wurde wieder ähnlicher Wirbel gemacht, wie es vor einigen Jahren bei den Ghostbusters passiert ist. Es schien mehr um die angebliche feministische Botschaft des Films und Äußerungen von Hauptdarstellerin Brie Larson im Vorfeld eines völlig anderen Streifens zu gehen, als um die Qualität von „Captain Marvel“ an sich. Und die ist … ganz in Ordnung. Es ist eben ein Marvel Film mit allen Stärken und Schwächen. Die Comicvorlagen kenne ich nicht, aber als Figur finde ich Captain Marvel nicht besonders spannend. Sie ist stoisch und ähnlich übermächtig wie Superman von der Konkurrenz. Und was „Frauenpower“ angeht: Ja, es ist schon sehr auffällig, in einer großen Szene „Just a girl“ von No Doubt zu spielen, das wie viele der 90er Referenzen mit dem Holzhammer ins Skript geprügelt wurde. Und ich finde beispielsweise Scarlet Witch in Comic und Film wesentlich interessanter, aber ist das ein Problem? Nein, der Film ist wie gesagt in Ordnung. Und wenn irgendwo ein junges Mädchen vor Freude aufspringt, weil „ihre“ Captain Marvel gerade ein paar böse Aliens verdrischt, dann ist das doch super. Der Stan Lee Auftritt mit der „Mallrats“ Referenz war übrigens herrlich meta.

 

 

lastblood19) Rambo: Last Blood

Hat die Welt noch einen Auftritt von John Rambo gebraucht? Nein, vermutlich nicht, fand die Geschichte des Veteranen im vierten Teil doch bereits das perfekte Ende. Stallone selbst sah es offensichtlich anders und setzte nun die bereits seit Jahren gerüchtete „Rambo vs. Mexikanisches Drogenkartell“ Geschichte um. Mädchenhändler sind sie auch noch, damit der Zuschauer auch ein klar definiertes Feindbild hat. Das ist simpel, vielleicht sogar bedenklich, funktioniert bei mir aber fast immer (für die Dauer eines Films!). Ja, ich stehe einfach auf Rachefilme und als solcher erfüllt „Last Blood“ seinen Job recht ordentlich. Leider zieht sich der gerade mal knapp 100 Minuten lange Film an einigen Stellen und das explosive (und blutige) Finale ist recht schnell wieder vorbei. Ein etwas holpriger Rückzug in die Rente für John Rambo, der uns als Fans eher mitleidig zurücklässt.

 

 

it18) IT Chapter Two

Siehe hier.

 

 

 

 

 

 

angelhasfallen17) Angel Has Fallen

Der erste Teil war wie eine Folge „24“ als Film, der Nachfolger im Prinzip auch. Für mich war nach Teil 1 (den ich mag) schon die Luft raus, deshalb hatte ich beim dritten Teil keine Erwartungen. Aber man höre und staune, für einen unterhaltsamen Nachmittag taugt „Angel has fallen“ durchaus, wenn man das Genre mag. Nur die Computereffekte waren, lieb gesagt, stellenweise wirklich eine Frechheit. Wie kann man im Jahr 2019 so billig aussehendes CGI-Feuer anbieten?

 

 

 

creedII16) Creed II

In den USA bereits 2018 erschienen, rutscht dieser Film durch den deutschen Start im Januar in meine Liste für 2019. Und wie ich es schon beim ersten Teil schrieb, verweise ich auch hier darauf, dass die „Creed“ Filme an sich überflüssig sind. Rocky Balboas Geschichte war mit dem sechsten Film auserzählt und zu einem schönen Ende gekommen. Trotzdem mochte ich „Creed“ und ich mag auch den Nachfolger. Ivan Drago, der in „Rocky IV“ Adonis Creeds Vater Apollo im Ring zu Tode prügelte, kehrt zurück und hat seinen Sohn dabei, der natürlich ebenfalls eine Kampfmaschine ist. Worauf das hinausläuft, dürfte beim achten Teil einer Filmreihe niemanden mehr ernsthaft überraschen. Es ist ein wenig die Luft raus, aber die Trainingsszenen und die Kämpfe funktionieren immer noch. Fans sollten also nicht enttäuscht werden, Neulinge aber zu den Klassikern greifen.

 

 

starwarsix15) Star Wars: Episode IX – The Rise Of Skywalker

Da sind wir nun, beim derzeit am heißesten diskutierten Thema im Bereich Film; es ist mal wieder ein neuer Star Wars Teil in die Kinos gekommen. Und zwar nicht nur irgendeiner, sondern der Abschluss der „Skywalker-Saga“! Ein Begriff, den man übrigens erst in der Marketing Kampagne zu „The Rise of Skywalker“ erschaffen hat. Hier geht es nicht darum, einer Vision einen würdigen Abschluss zu verpassen, sondern darum, eine inhaltlich vollkommen widersprüchliche Trilogie zu retten. Wie man das anstellen will? Indem man Episode IX keinerlei Momente zum Atmen lässt und den Zuschauer stattdessen mit Bildern bombadiert, den Vorgänger ins Lächerliche zieht (auch wenn der das teilweise schon ganz gut alleine geschafft hat) und auf einer Checkliste sämtliche Gelegenheiten zum Fanservice abhakt. Je länger der Kinobesuch zurückliegt, desto mehr fallen mir die Macken von IX auf. Das hat übrigens nichts mit „haten“ zu tun, sondern mit Kritik. Und keine Angst, ich komme auch noch zu positiven Punkten. Dennoch gilt ab hier eine Spoilerwarnung: Warum verrät man Palpatines Rückkehr gleich in der zweiten Zeile (!) des Textcrawls? Fällt den Schreibern im neunten und letzten Teil einer Saga wirklich nichts Besseres ein als eine Jagd nach mehreren McGuffins? Wären zwei, drei Mittelfinger weniger in Richtung Rian Johnson nicht besser, weil weniger aufgesetzt gewesen? Warum baut man hochdramatische Momente um Chewie oder C-3PO ein, nur um sie wenig später wieder komplett zu negieren? Und hat man da wirklich Dialoge aus Avengers: Endgame geklaut? Das Positive: Auf emotionaler Ebene hat mich der Film dennoch einige Male gepackt. Die Stimmen der Jedi waren ein schöner Moment, sogar Ahsoka Tano war kurz dabei. Die Ankunft der Flotte war ein Gänsehautmoment, ebenso der Kampf auf dem Wrack des Todessterns. Die neue Dreiertruppe aus Rey, Poe und Finn ist mir durchaus ans Herz gewachsen, auch wenn letzterer mal wieder überflüssig war und nur laut die Namen seiner Freunde rufen darf. Und so erzwungen ich die Rückkehr des Imperators fand, Ian McDiarmid ist wie immer eine Freude in der Rolle. Besonderes Lob möchte ich nochmal an Daisy Ridley und vor allem Adam Driver aussprechen. Rey ist für mich keine „Mary Sue“ und Kylo Ren der vermutlich vielschichtigste Charakter im (Film-)Franchise. Wie Driver mit einem stummen Blick bei DEM Cameo mehr aussagt, als andere Schauspielern in minutenlangen Monologen … großartig! Alles in allem ein unrunder Abschluss einer unrunden Trilogie, die ich zwar nicht so hasse wie es andere online tun, aber mich emotional dann doch zu selten abgeholt hat. Für Episode IX reicht es daher im Jahresrückblick nur zu einem soliden Platz im Mittelfeld.

 

 

onceupomatime14) Once Upon A Time In Hollywood

Ein Film, bei dem ich die Ablehnung echt nicht verstehen kann. Klar, Tarantino hat schon bessere Filme gedreht, aber er ist mit soviel Liebe bei der Sache und holt aus seinen Darstellern so gute Leistungen heraus, dass ich dem Altmeister abermals nur applaudieren kann.

 

 

 

 

endgame13) Avengers: Endgame

Den direkten Vorgänger habe ich als einzigen MCU Film in meine Top 100 gepackt. Leider konnte „Endgame“ dieses hohe Niveau nicht halten, weil er nach einem guten Beginn in einen zähen Mittelteil übergeht und den vielschichtigen Thanos aus „Infinity War“ schnell über Bord wirft und durch seine jüngere Version ersetzt, die wie so viele andere MCU Bösewichte auch einfach nur alles zerstören/ erobern/ beherrschen etc. will. Als Hulk Fan habe ich auch so sehr auf den „World Breaker Hulk“ gehofft, der sich an Thanos für die Niederlage rächt, aber leider werden wir diese Version des grünen Giganten wohl niemals auf der Leinwand zu sehen bekommen. Was aber spätestens ab dem Zeitpunkt, wenn er den neuen Infinity Gauntlet benutzt aufgefahren wird, ist Superhelden Blockbusterkino der obersten Güteklasse. Die Szene mit den Portalen ist sogar ein richtiger Gänsehaut Moment und das Ertönen des berühmten Schlachtrufes sowieso. Alles in allem wäre „Avengers: Endgame“ ein sehr guter Zeitpunkt gewesen, um dem MCU eine wohlverdiente Pause zu gönnen. Aber Disney lässt seine Gelddruckmaschine natürlich nicht ruhen … Es nervt mich übrigens kolossal, dass die Superhelden ständig ihre Masken abnehmen müssen. Klar, man will den Schauspielern auch ein wenig Raum geben, aber mir zerstört es die Immersion, wenn Star-Lord oder Spider-Man sich für die Schlacht bereit machen und vorher einmal kurz Maske bzw. Helm absetzen. Dann können sie auch gleich in die Kamera zwinkern.

 

 

lighthouse12) The Lighthouse

Lange habe ich mich auf das Zweitwerk von Robert Eggers gefreut und wurde nicht enttäuscht. Der Regisseur des exzellenten „The Witch“ legt auch in seiner Geschichte um zwei Leuchtturmwärter den Fokus auf ruhigen, psychologischen Horror, auf den man sich einlassen muss. Konsequenterweise hat er diesen Film auch gleich in schwarz-weiß gedreht, was der Atmosphäre sehr gut tut. Mehr möchte ich nicht verraten, aber ein Lob an Robert Pattinson aussprechen. Mach so weiter und du wirst den lästigen Twilight-Stallgeruch bald loswerden.

 

 

borders11) Border

Konträr zu den Vorstellungen einiger meiner Freunde, sehe ich mich wirklich nicht als Filmexperten. Ich durchforste keine Filmlisten und schreibe mir keine unumstößlichen Klassiker in die Vita, nur weil man die gut finden „muss“. So kann es auch vorkommen, dass ich kleine Perlen übersehe. Bei „Border“, einer schwedisch/dänischen Produktion, ist mir das zum Glück nicht passiert. Irgendwie hat man Fantasy, Mystery, Liebesgeschichte und Krimi in einer wunderbaren Geschichte vereint und noch einen gehörigen Schuss nordischer Folklore hineingepackt. Erfrischend anders und für unsere Sehgewohnheiten ungewohnt – Tellerränder sind zum darüber hinausschauen da!

 

 

midsommar10) Midsommar

Ari Astar, Regisseur des fantastischen „Hereditary“, liefert erneut einen polarisierenden Film ab. Auch an „Midsommar“ werden sich die Geister scheiden, ich finde ihn großartig. Der erste von zwei Filmen in diesem Jahr mit Florence Pugh in der Hauptrolle, der mir richtig gut gefallen hat. Ich bin sehr gespannt, was wir in den nächsten Jahren noch von ihr hören werden.

 

 

 

 

irishman9) The Irishman

Martin Scoresese, liebe Kinder, ist nicht nur der grummelige alte Mann, der 2019 gemein über eure Marvel-Filme geredet hat, er ist auch für einige der besten Filme aller Zeiten verantwortlich. Und wie um das zu beweisen, kehrte er mit „The Irishman“ noch einmal in „sein“ Genre des Mafiafilms zurück. Unterstützt von etlichen seiner alten Drehgefährten (De Niro, Pacino, Keitel, Pesci …) hat er vor ein paar Wochen ein 209 Minuten langes Monster von Film veröffentlicht. Längen gibt es so gut wie keine, dafür steht auch viel zu viel Talent vor und hinter der Kamera. Die im Vorfeld viel diskutierte digitale Verjüngung der Darsteller ist leider recht offensichtlich, was sich auch in der Körpersprache äußert. Ein De Niro in seinen 70er bewegt sich eben nicht mehr wie ein junger Mann, selbst wenn der Computer ihn zu einem macht. Aber wen kümmert das, wenn wir diese Altmeister zum vermutlich letzten Mal in dieser Konstellation erleben dürfen? „The Irishman“ erinnert mich das letztjährige „Firepower“ Album von Judas Priest – die alten Haudegen wollen es nochmal wissen, konzentrieren sich auf ihre Stärken und hauen nochmal so richtig einen raus. Nicht auf Augenhöhe mit den Klassikern, aber ein unerwartet starkes Lebenszeichen.

 

 

stanollie8) Stan & Ollie

Im Jahr 1953 ist vom einstigen Ruhm der legendären Komiker Laurel & Hardy nicht mehr viel übrig. Spannungen zwischen den beiden, eine schlecht laufende Tour und Ollies schlechter Gesundheitszustand stellen die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe. John C. Reilly (Hardy) und Steve Coogan (Laurel) können nicht ganz den Charme der Vorbilder einfangen, sind aber so nah dran, dass es vermutlich nicht besser geht. „Stan & Ollie“ ist ein wunderbares Denkmal an das in meinen Augen beste Duo der Filmgeschichte (Spencer & Hill sind ganz dicht dahinter). Kleiner Tipp: Holt euch die Blu-Ray, die als Bonus unter anderem den mit einem Oscar prämierten Kurzfilm „Der zermürbende Klaviertransport“ („The Music Box“) enthält. Immer wieder zum Schreien komisch!

 

 

godzilla7) Godzilla – King of the Monsters

Er ist laut, er ist „style over substance“, er hat Logiklöcher von der Größe des Marianengrabens und die Story ist so dünn, dass sie auf einen Bierdeckel passt. Ist mir scheißegal, ich hab mich wieder wie der kleine Junge gefühlt, der damals ganze Sonntagnachmittage vor dem Fernseher gehockt und Godzilla zugeschaut hat. „Godzilla: King of the Monsters“ trampelt seinen Vorgänger, diese Travestie von 1998 und die „Pacific Rim“ Nachmacher mit Leichtigkeit in den Staub! Er ist das, was ich schon von Roland Emmerich Ende der 90er erwartet habe: Die perfekte Kombination japanischer Kaiju-Action mit dem Gigantismus des amerikanischen Blockbusterkinos. Wenn ER langsam aus dem Meer steigt und wir endlich DAS Theme hören … Gänsehaut! In dieser Liste steht „Godzilla: King of the Monsters“ über künstlerisch anspruchsvolleren Werken und das mit Vorsatz!

 

 

ad016) Ad Astra

„Es ist nicht ganz der Sci-Fi Oberkracher geworden, den ich mir gewünscht habe. (…) Aber „Ad Astra“ ist dennoch ein Film, der mich voll abgeholt hat.“ (Selbstzitat)

 

 

 

 

 

dragon5) How To Train Your Dragon: The Hidden World

Vorab: Ich kenne die TV-Serie nicht, aber ich liebe die Filme. Der dritte Film führt die Geschichte um die Drachenreiter ebenso gelungen zu Ende, wie sie 2010 angefangen hat. In „Der geheimen Welt“ spielt die Thematik des Erwachsenwerdens eine zentrale Rolle und dass es in Ordnung ist, wenn Sachen auch einmal enden. Ich kann mir nur vorstellen, wie es auf jemanden wirkt, der 2010 noch ein Kind war, aber auch als alter Sack Baujahr ’82 hatte ich beim Ende einen kleinen Kloß im Hals. Den Animationsfilmen von Dreamworks geht aus meiner Sicht oft die emotionale Tiefe ab, die „Drachenzähmen leicht gemacht“ Trilogie steht aber auf einer Stufe mit Pixars besten Werken.

 

 

fighting4) Fighting With My Family

Eigentlich hätte es ein Desaster werden müssen – Teil 1! Denn bei allem Respekt für Saraya-Jade Bavis (der Einfachheit im Folgenden nun nur noch bei ihrem Wrestlingnamen Paige genannt); sie hätte ich in Sachen „Verfilmung der Karriere eines Wrestlers“ sicher nichts als Erstes genannt. Die gesamte Produktion wirkte niemals hochwertig, auch wenn The Rock persönlich sich hinter das Projekt klemmte und im Film auch selbst spielt. Deswegen hätte ich „Fighting with my Family“ auch nie eine Chance gegeben, wenn ich nicht u.a. Daniel Schröckert von den Rocket Beans und meine Lieblingsiren von OSW Review solch lobende Worte gefunden hätten. Sicher, pingelige Wrestlingfans finden etliche Fehler (die junge Paige kann zeitlich gesehen als Teenie weder ein Austin vs. Rock Match gesehen, noch mit dem zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht eingeführten Divas Title vor dem Spiegel posiert haben), aber als Film macht „Fighting with my family“ eine Menge richtig. Warum man den ganzen Film über die Licht- und Schattenseiten des Wrestling Business beleuchtet, den finalen Kampf gegen AJ Lee (Lob an Zelina Vega, die sie echt gut verkörpert) aber wie einen echten Wettkampf in Szene setzt, amüsiert mich eher als dass es mich stört. Doch auch wenn man mit Wrestling nichts am Hut hat, sollte man diesem bis in die Nebenrollen perfekt besetzen Biopic (u.a. Nick Frost und Lena Headey) eine Chance geben. Ich habe Paige immer gemocht und finde es sehr bedauerlich, dass sie mittlerweile ihre Karriere beenden und einige harte Zeiten durchleben musste. Glücklicherweise scheint es ihr mittlerweile aber wieder gut zu gehen. Eine kurze Zusammenfassung mit einigen Originalaufnahmen, die für „Fighting with my family“ rekreiert wurden, findet ihr hier, das dazugehörige ausführliche und sehr unterhaltsame Review des gesamten Filmes hier.

 

 

john wick 33) John Wick: Chapter 3 – Parabellum

Der beste Actionfilm des Jahres. Für alles weitere verweise ich auf meine Filmkritik.

 

 

 

 

 

 

joker2) Joker

Eigentlich hätte es ein Desaster werden müssen – Teil 2! Nach dem äußerst holprigen Start ins DCU hätten wohl die wenigsten auch nur einen Pfifferling darauf gesetzt, dass eine Originstory des Jokers auch nur im entferntesten gut werden würde. Als jemand, der zudem auch die „Hangover“ Filme sterbenslangweilig findet, erfüllte mich die Wahl des Regisseur Todd Phillips auch nicht gerade mit Zuversicht. Mein einziger Lichtblick war Joaquin Phoenix in der Hauptrolle und natürlich ist er es auch, der diesen Film trägt. Die wirklich guten Schauspieler erkennt man daran, dass man vergisst, dass man gerade einem zusieht. Phoenix ist so einer; war er schon immer! Ist „Joker“ aber den ganzen Aufriss in den Medien über seine angebliche Gefährlichkeit wert gewesen? Nein, natürlich nicht. Mal ganz ehrlich, als ob es vorher nicht auch schon kommerziell erfolgreiche und kontroverse Filme gegeben hätte … Und dennoch ist das Abendland nicht untergegangen! Warum „Joker“ bei mir nicht auf der 1 landet, so wie er es sicher in vielen anderen Jahresrückblicken tun wird? Weil mir die erste Hälfte manchmal etwas (!) zu zäh ist, mich der gesamte Aufbau immer wieder frappierend an Martins Scoreseses Filme „Taxi Driver“ und „The King of Comedy“ erinnert und sich die Verweise auf das Batman Universum paradoxerweise irgendwie gezwungen anfühlen. Was „Joker“ aber spätestens ab der Mitte und dem immer schneller voranschreitenden Abstieg Arthur Flecks in den Wahnsinn auffährt, benötigt keine weitere Beschreibung. Ich bin auf jeden Fall froh, dass dieser Film so einen großen Erfolg hatte.

 

 

1) Doctor Sleep

doctorsleep

Eigentlich hätte es ein Desaster werden müssen – Teil 3! Es war allgemein bekannt, dass Stephen King nicht mochte, was Stanley Kubrick einst aus „The Shining“ gemacht hat. Und ich wiederhole mich gerne: Ich kann seine Sichtweise verstehen. Rein aus filmhistorischer Sicht hat Kubrick aber ein unumstößliches Meisterwerk erschaffen, dessen Atmosphäre bis heute einzigartig ist. King veröffentlichte 2013, über 35 Jahre später, mit „Doctor Sleep“ eine Fortsetzung seiner Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat und einen meiner absoluten Lieblingsmomente aus seinem Schaffen enthielt. Aber eine Verfilmung? Wie sollte das funktionieren? Nicht nur unterscheiden sich die Enden von Buch und Film fundamental (das Overlook brennt nieder bzw. bleibt stehen), sondern auch der Ursprung des Wahnsinns von Jack Torrance. Der Film „Doctor Sleep“ musste also nicht nur beide Vorlagen irgendwie vereinen, sondern auch gegen den übermächtigen Schatten eines Stanley Kubricks ankämpfen. Hat er das geschafft? Nur zum Teil. Denn wer sich eine stilistische Fortsetzung erhofft hat, wird bitter enttäuscht werden. Man hat zwar diverse Sets aus dem Klassiker von 1980 perfekt nachgebaut und einige Kamerafahrten und Szenen ebenso 1:1 nachgedreht, im Kern ist „Doctor Sleep“ aber eine Stephen King Geschichte. Und das ist genau das, was ich wollte. In beiden Romanen lässt King tief in seine Seele blicken; in seine Probleme als Vater, als Ehemann und vor allem mit dem Alkohol. Buch-Jack ist im Kern ein guter Mann und kann dem Overlook im entscheidenden Moment doch widerstehen, Film-Jack blitzt bereits in seiner ersten Szene der Wahnsinn aus den Augen. Es besteht kein Zweifel, dass dieser Mensch einen dunklen Kern hat. „Doctor Sleep“ (der Film) nimmt sich die in Kubricks Werk fehlenden Elemente der Vorlage und baut sie quasi posthum mit ein. Das zerstört weder den Klassiker von einst noch macht es das Drehbuch von diesem Film zu konfus. Wer aber kein Fan von Stephen King ist, wird vermutlich nicht so begeistert sein wie ich und könnte sich an den „Energievampiren“ stören. Mir soll es egal sein und daher erfreue ich mich lieber an dem gewohnt starken Ewan McGregor als Danny Torrance und vor allem an der großartigen Rebecca Ferguson als Rose The Hat. Respekt übrigens dafür, dass man die verstörendste Szene des Romans 1:1 eingebaut hat. Nur das Fehlen des von mir oben erwähnten Moments stößt mir sauer auf, aber vielleicht schafft der angekündigte Director’s Cut da Abhilfe. Für mich die beste King Verfilmung seit „The Mist“ (2007). Und danke für die Referenz: „Ka ist ein Rad!“

 

 

(© to the respective companies: Blue Budgie Films, 20th Century Fox, Summit Entertainment, Columbia Pictures, Marvel Studios, A24, Proton Cinema, Lionsgate, Lucasfilm, Dreamworks, Tribeca Productions, MGM, BRON Studios, New Regency Pictures)

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