Filmkritik: IT Chapter 2/ ES Kapitel 2

Es beginnt von neuem! In Derry geschehen nach 27 Jahren Ruhe wieder mysteriöse Morde, was für Mike Hanlon nur eines bedeuten kann: Jenes mysteriöse Wesen in der Gestalt des Clowns Pennywise wurde von ihm und seinen Freunden damals nicht endgültig vernichtet! Der Klub der Verlierer muss wieder zusammengerufen werden, um den alten Schwur zu erfüllen. Doch sind sie als Erwachsene überhaupt noch dazu in der Lage?

 

 

Spoilerfrei!

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Eine der besten Szenen und leider eine der wenigen mit subtilem Horror

Nach dem großen Erfolg des ersten Teils vor zwei Jahren war es eigentlich klar, dass die Geschichte fortgesetzt werden würde. Ich als großer Fan von Vorlage, Autor und auch des ersten Teils habe – so viel möchte ich vorwegnehmen – genau den Film bekommen, den ich erwartet habe. „IT Chapter 2“ ist eine Fortsetzung mit Stärken und Schwächen, die vielleicht nicht zur Königsklasse der King-Verfilmungen zählen wird, aber zumindest oben mitspielt.

Was ich zuerst loben möchte, ist das Casting. Man hat für jeden der Kinderdarsteller ein passendes erwachsenes Gegenstück gefunden, selbst für den nur kurz auftauchenden Henry Bowers. Es stellt sich zwar nie so ganz die alte Dynamik ein, die zwischen den jugendlichen Darstellern herrschte, aber das passt ja wiederum gut zur Geschichte. Es freut mich, dass Mike in diesem Film etwas mehr zu tun bekommt, nachdem seine Rolle als Historiker der Gruppe im ersten Teil ja Ben zugeschrieben wurde. Die schauspielerische Leistung mag ich noch nicht abschließend zu beurteilen, da ich den Film nur auf Deutsch gesehen habe, aber bei Namen wie Jessica Chastain und James McAvoy braucht man sich in der Hinsicht keine Sorgen zu machen. Bill Skarsgård darf in diesem Teil als Pennywise übrigens wesentlich bedrohlicher sein, als noch im Vorgänger.

Die lange Laufzeit hat mich nicht gestört, die Zeit verging wie im Fluge. Störender fand ich da eher einige humoristische Einlagen, die teilweise schwache CGI und den fehlenden Fluß in der Geschichte. Da wirkte der Vorgänger einfach „runder“, weil er auf nicht zwei verschiedenen Zeitebenen spielte. Darüber hinaus gibt es noch einige Dinge, auf die ich im Spoiler-Part eingehen möchte. Wer also nur bis hierhin liest, dem lege ich einen Kinobesuch ans Herz. Wer aber mit Killerclowns, Kings Art Geschichten zu erzählen und langen Filmen nichts anfangen kann, wird auch mit „It Chapter 2“ nicht glücklich werden.

 

 

 

Spoilerzone für Film und Buch!

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Ich habe euch gewarnt!

Jeder, der NICHT mit einem veränderten Finale gerechnet hat, muss sehr blauäugig sein. Es war klar, dass wir keine kosmische Schildkröte zu sehen bekommen, die einst das Universum ausspuckte und der ewige Widersacher von ES ist. Ich muss aber leider sagen, dass mich der Endkampf enttäuscht hat. Von der finalen Form von Pennywise hätte ich mir mehr erwartet, als einen großen Clown mit Spinnenbeinen, die in Pluderhosen stecken. Schade, da wurde Potential zu Horror mit Lovecraft-Format verschenkt. Außerdem fand ich es bedauerlich, dass man die Rolle von Bills Frau Audra so reduziert hat. Wie er sie am Ende aus dem Bann der Totenlichter rettet und so auch von seiner Jugendliebe Beverly „ablässt“, empfand ich als einen schönen Bogen für seinen Charakter. Im Film hätte man sich die ganze Sache mit Silver eigentlich sparen können, auch wenn uns dann ein netter Cameo entgangen wäre. Und wenn man schon den Rotstift ansetzt, hätte man auch einer der vier (!) Gags über Bills Unvermögen, Enden zu schreiben, streichen können. Ja, haha, King hat da auch seine Probleme mit, ich hab’s verstanden.

Und wo wir gerade beim Streichen sind: Was für einen Sinn hatte der erwachsene Henry Bowers eigentlich? Im Buch kann er ja wenigsten Mike schwer verwunden, so dass er im Endkampf fehlt, aber im Film kann er gerad mal Eddie die Wange durchstechen (was der erstaunlich gelassen hinnimmt). Eddie Kasperak ist ohnehin ein Charakter, den ich im Film einfach nicht verstehe. Soll der so rüberkommen, als würde er alles nicht so ernst nehmen? Bei Ritchie passen seine humoristischen Eskapaden zum Charakter, aber „Eds“ steht sinnbildlich für die „Marvel-Richtung“, die den Film manchmal plagt. Soll heißen: Viele dramatischen Szenen werden schnell von einem mehr oder weniger guten Gag unterbrochen. Fürchtet man sich davor, dass die Zuschauer eine Geschichte um ein kindermordendes Wesen in Gestalt eines Killerclowns zu ernst nehmen? Und mag mir jemand bitte die Stelle mit dem kurzen Auszug aus dem Song „Angel of the Morning“ erklären? Vielleicht ist Regisseur Andrés Muschietti ja großer Deadpool Fan.

Aber andere Änderungen gefallen mir durchaus. Denn das hier ist ein Film und wenn ich die Originalgeschichte will, dann lese ich sie einfach. Mikes Charakteränderung mag zuerst verwundern, passt aber an sich sehr gut. Wer würde nicht verzweifeln, wenn er sein Leben lang mit diesem Wissen in einer Bruchbude leben muss, während die besten Freunde alles vergessen und erfolgreich werden? Die größte Änderung dürfte aber das Ende (nach dem Sieg über Pennywise) selbst sein, was ich hier nur wage andeuten werde. Wie man Stanley Uris dargestellt hat, hat mich den ganzen Film über verwundert. Seine Handlungen als Junge und seine letzten Worte als Erwachsener wollten so gar nicht zu seinem Selbstmord (den er im Buch aus blanker Panik begeht) passen, aber da haben mich die Macher schön an der Nase herumgeführt. Eine unerwartete, aber schöne Wendung. Auch das Streichen der melancholischen Note des Buchabschlusses finde ich in Ordnung.

 

Spoilerzone Ende

 

 

 

Fazit: „It Chapter 2“ mag nicht der erhoffte ganz große Wurf geworden sein und für einen Horrorfilm fehlen mir die wirklich verstörenden Szenen (viele Jumpscares einzubauen zählt für mich nicht!). Es ist mehr eine Coming of Age-Story mit sehr dunklen Fantasy- und Horrorelementen. Aber ich liebe die kleine Welt von Derry und dahin hat mich dieser Film wieder mitgenommen. Das ist es, was am Ende des Tages für mich zählt.

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(All pictures © New Line Cinema)

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