Gedanken zu GoT 8×06 „The Iron Throne“ … My watch has ended

 

Gute Enden zu schreiben ist schwer, verdammt schwer. Das Netz ist voll von Auflistungen der gröbsten Verbrechen, die man diversen Fandoms bereits angetan hat. Viele davon werden, da bin ich mir sicher, bald auch „The Iron Throne“ als Stellvertreter der gesamten achten Season auf einem der obersten Plätze platzieren. Unser „Empfohlen“ Bereich des eigenen YouTube Kontos quillt über vor Analysen und knallharten Rants mit nur einem Thema – der Absturz von Game of Thrones. Und hier ist dann der Punkt, an dem ich mir an den Kopf fassen muss. Wer bitte verschwendet 5 (in Worten: FÜNF) Stunden seines Tages darauf, ein einzelnes Video pro Folge (!) anzusehen, in dem nur geschrien wird?! Die Zahl der Aufrufe sagt mir: Eine ganze Menge Leute tut das. Mein persönliches Highlight ist aber eine sich mittlerweile einer Millionen Unterschriften nähernde Petition zum Neudrehen der gesamten achten Staffel. Klar, das wird HBO und das gesamte Team hinter der Serie sofort umstimmen. Es ist ja nicht so, als hätten sämtliche Schauspieler nicht bereits Verträge für andere Produktionen unterschrieben. Zur Not besetzen wir ein paar Rollen einfach neu, wird schon keinem auffallen.

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Gruselig: Jorah, Drogon & Daenerys 2.0 (© ZDF)

Und doch … ich kann die Aufregung auch ein wenig nachvollziehen. Auch ich bin mal gegen ein Ende zu (digitalem) Felde gezogen, nur um zu realisieren, dass sich an Negativem hochzuziehen nur schlechte Laune macht. Falls es wen interessiert: Mir ging es seinerzeit um das Ende von Mass Effect 3 und ich kann mit dem nachgereichten „Extended Cut“ durchaus leben. Widmen wir uns aber nun endlich „The Iron Throne“, der letzten Folge DES Serienereignisses der letzten zehn Jahre.

 

 

 

The Mad Queen is here

 

In der letzten Woche war es soweit und der Klang von „The Bells“ hat Daenerys Targaryen zu dem gemacht, was angeblich schon lange angelegt war. Daenerys Stormborn, Mother of Dragons, Breaker of Chains, Queen of the Andals and Banger of Nephews war schlussendlich nicht mehr als die Tochter ihres Vaters und hat gnadenlos und vor allem gezielt die Zivilbevölkerung einer gesamten Stadt abgeschlachtet. Kinderleichen pflastern ihren Weg, als sie im Ascheregen (oder sollte das doch Schnee sein?) ihren Truppen ausführlich erklärt, wie sie nun die gesamte Welt auf ähnliche Weise ‚befreien‘ möchte. Kleiner Tipp: Wenn man selbst die Motive eines Thanos eher nachvollziehen kann, dann läuft irgendwas gewaltig falsch. Nein, diesen Charakter hat man in Season 8 komplett versaut und wieder einmal ist vor allem das gehetzte Erzähltempo schuld. An sich ist es super interessant, wie ein junges Mädchen zu schnell an zu viel Macht gelangt, sich im Laufe der Jahre daran berauscht und einen Gottkomplex entwickelt. Leider hat man sich dazu entschieden, bei Dany von jetzt auf gleich den „evil switch“ umzulegen, damit auch der letzte Dorftrottel schnallt, dass sie nun die Böse ist, billige Dritte Reich Symbolik bei ihrer Rede inklusive. Mehr werde ich dazu nicht mehr sagen, das habe ich in den letzten Wochen bereits zur Genüge getan. Nur dass Ser Jorah und Ser Barristan Selmy mir leidtun, weil sie sich für eine Psychopathin geopfert haben. Mein Coverboy Robert lag also immer richtig und hätte damals noch ein paar Attentäter mehr schicken sollen.

 

 

 

Der Höhepunkt der gesamten Serie … enttäuscht

 

Abgesehen von der Rede fand ich den gesamten Aufbau zu der Klimax gelungen. Tyrions meme 3Fassungslosigkeit beim Anblick seiner in Trümmern liegenden zweiten Heimat, der Zusammenbruch beim Anblick seiner unter erstaunlich wenig Steinen liegenden Geschwister, das Wegwerfen des Abzeichens und schließlich sein Männergespräch mit Jon bringen die Ausweglosigkeit der Situation sehr gut rüber. Doch nach dem zugegebenermaßen sehr coolen Auftauchen von Drogon – die Optik war bei GoT ohnehin immer über jeden Zweifel erhaben – bricht die Folge für mich leider fast vollkommen in sich zusammen. Vorher haben mich nur die üblichen Unachtsamkeiten der Schreiber wie bspw. der teleportierende Grey Worm in der Anfangsszene gestört, der Tod der Mad Queen lässt aber leider nicht nur diesen Zyniker hier ziemlich kalt. Wie gesagt, ihre Charakterentwicklung finde ich auf dem Papier spannend und wird sicher auch in den Büchern so passieren. Gegen die immer weiter abbauenden Skripts der letzten zwei Staffeln können aber selbst gestandene Schauspieler nichts mehr ausrichten. Man muss sich mal eins vor Augen führen; hier stehen sich vielleicht DIE Hauptfiguren der Serie gegenüber und eine findet durch die andere den Tod, aber viele beinharte Fans nehmen es mit kaum mehr als einem Achselzucken hin. Und die Schuld liegt nur bei Benioff und Weiss, die logische Entwicklungen dem Erzähltempo und epischen Szenen geopfert haben. Apropos …

Was war das für eine Nummer mit Drogon? Warum schmilzt er explizit den Thron und röstet nicht direkt noch Jon? Ja, ich kenne die Erklärungen der Schönreder, Drogon habe verstanden, dass es am Ende dieser hässliche Stuhl war, der seine Mutter in den Wahnsinn getrieben hat. Also hat die Echse ein Verständnis von Politik, kann sich aber nicht zusammenreimen, wer Mama das Metallding in die Brust gerammt hat? Oder, noch schlimmer, er tut Jon wegen seines Targaryen Blutes nichts? Selbst wenn der Typ vor ihm feuerfest sein sollte … ein Happs hätte die Sache auch erledigt. Wenn ihr euch die Szene irgendwie zurechtbiegen könnt, freut es mich. Mir war das alles leider (wieder mal) zu dumm. Kleiner Hinweis: Es zeugt nie von gutem Writing, wenn man sich während des Schauens schon eigene Erklärungen zusammensuchen muss und so vollkommen aus dem Erzählfluss gerissen wird. Aber es sah episch aus, das reicht ja. Außerdem voll symbolträchtig, und so.

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Schaut euch dieses Dinklage Interview an! (Blink twice if your life is in danger, Peter!)

 

 

All hail King Bran, long may he roll

 

Dass Jon direkt eingesackt wird: Geschenkt. Wahrscheinlich hat er den Unsullied sogar selbst erzählt, was er angestellt hat, dieser verdammte treudoofe Stark. Auch das in letzten Folgen gerne eingesetzte Stilmittel des Zeitsprungs finde ich vollkommen in Ordnung, da ich erwartet habe, dass 8×06 eher ein großer Epilog wird. Emotional war ich leider zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestiegen, weswegen mich die Wahl von König Google ziemlich kalt gelassen hat. Wie wenig das zu dieser Figur passt … egal, Schwamm drüber. Vielmehr könnte man sich ja nun die Frage stellen, ob der Three Eyed Raven im Bran-Kostüm bewusst all diese Menschen hat sterben lassen, um selber auf den Thron zu kommen. Was sollte übrigens diese Szene mit dem Small Council, die wie aus einer schlechten Sitcom wirkte? Da hat nur noch die Lachkonserve gefehlt. Bron zum Master of Coin zu machen ist auch ziemlich mutig, dem gerissenen Hund würde ich nicht einmal mein Sparschwein anvertrauen. Trotzdem Respekt, eigentlich ist er der wahre Gewinner des Game of Thrones. Was Jerome Flynn sich vor allem selbst auf die Fahne schreiben kann; in den Büchern ist die Figur seit Tyrions Gefangennahme für den Mord an Joffrey nicht mehr aufgetaucht.

Mit den letzten Szenen hat mich die Serie aber wieder ein wenig versöhnt. Sansa als Herrscherin ihres eigenen Königreichs finde ich gut (Warum haben stolze Königreiche wie die Iron Islands oder Dorne eigentlich nicht dasselbe verlangt?), Arya als Entdeckerin sei ihr gegönnt und selbst Jons Rückkehr an die Wall hat mir nach anfänglicher Skepsis zugesagt. Nach dem Tod des Night King hat die Night’s Watch ja eigentlich keinen Sinn mehr, aber ich sehe es nun mehr als Vorwand, um Jon zu den Leuten zu bringen, die ihn als Mensch akzeptieren. Zurückkehren kann er ja auch immer, denn Sansa wird ihn sicher mit offenen Armen willkommen heißen. Vor allem, seit Daenerys‘ Truppen sich wieder verzogen haben … egal, nicht zu viel drüber nachdenken.

Und endlich hast du erkannt, wer immer zu dir gehalten hat, du doofe Nuss. Ghost verdient alle Streicheleinheiten dieser Welt!

 

 

Fazit

 

meme2Ich schaue so gut wie keine Serien! Der Zeitaufwand ist es mir meistens nicht wert und ein schlechtes Ende lässt immer einen faden Beigeschmack zurück. Denn leider bin ich kein „Der Weg ist das Ziel!“ Mensch, was natürlich mein persönliches Problem ist. Ich habe den Abschluss nun einige Tage sacken lassen und bin immer noch seltsam gefühlskalt gegenüber einer Geschichte, in die ich unzählige Stunden investiert habe. Standpunkte wurden erörtert, Diskussionen geführt und Theorien gewälzt – all das, um am Ende an einem ohne die Vorlage von GRR Martin kopflos agierenden Schreiberteam zu scheitern. Und dennoch: Ich kann mich dem allgemeinen Tenor des tobenden Internetmobs nicht vollends anschließen. Zu viele Momente, zu viele schauspielerische Glanzleistungen, zu viele epische Schlachten und großartige Lieder aus dem OST werden mir auf ewig im Kopf bleiben. Meine letzte Begeisterung mag gestorben sein, als Arya dem Night King die Klinge in den Leib rammte; wegwischen kann und will ich die letzten Jahre aber nicht. Dafür danke ich allen Beteiligten, sogar Benioff und Weiss. Wenn auch sonst nicht viel, so haben sie doch die perfekte Werbung für die letzten beiden Bücher abgeliefert. George, jetzt bist du dran!

 

 

Ich möchte daher auf einer positiven Note enden und blicke mit der Leidenschaft früherer Jahre auf das Ende: Nehmt das, Löwen, Drachen und all das andere Getier! Sieg im Game of Thrones für Haus Stark und zwar auf ganzer Linie! Eddard wäre stolz auf euch.

 

 

WINTER IS COMING

 

 

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