Gedanken zu GoT 8×04 „The Last of the Starks“

Ja ja, hihi, da stand ein Becher von Starbucks auf dem Tisch. So, damit hätten wir das auch erledigt und können uns inhaltlichen Dingen widmen.

 

 

Ein Fest

Nach einer schönen Trauerszene mit anschließender Verbrennung der Gefallenen feiern die Überlebenden der erstaunlich kurzen „long night“ verdientermaßen ihren Deus Ex Machina Sieg. Kommt von Bran noch irgendetwas in Bezug auf den Night King oder darüber, was zum Henker er eigentlich die halbe Schlacht in den Raben gemacht hat? Selbstverständlich nicht. Ich hoffe übrigens generell, dass wir aus der Richtung nichts mehr hören. Ja, es wäre meiner Meinung nach Pflicht gewesen, der Figur des Night King mehr Tiefe zu geben. Aber auf ein ausgelutschtes Ende, wo, nachdem alles vorbei ist, die Kamera weit gen Norden fährt und wir irgendwo ein eisblaues Paar Augen aufgehen sehen, habe ich erst recht keine Lust.

Das Fest an sich fand ich an sich einerseits schön, weil ich den grumpy Hound einfach immer gerne sehe und Jon endlich mal seinen „geprügelter Hund“ Gesichtsausdruck für eine Weile ablegen durfte. Ebenso fand ich die sich andeutenden Spannungen zwischen Daenerys und Sansa gut, wenn auch sehr plump durch freudloses Starren umgesetzt. Andererseits ging mir dieser Fanservice stellenweise (wieder) arg auf die Nerven. Aber zumindest ist endlich diese Brienne/ Giantsbane Sache vorbei, die der Große dann ja auch nett überspielt hat. Zu Brienne/Jaime komme ich noch, und offensichtlich sind sich die Macher der ganzen Podrick Memes bewusst. Achtet mal auf den Hintergrund, als er sich einfach noch eine zweite Dame mit in seine Gemächer nimmt. Was diese Szene aber davon abhält, wirklich großartig zu sein, ist der deutliche Abfall in der Qualität der Dialoge. Die Schauspieler sind allesamt großartig – ja, selbst meiner speziellen Freundin Emilia Clarke attestiere ich eine deutliche Steigerung –, aber auch die können nicht alles retten.

 

 

Time, what is time

 

Wie viel Text hatte Varys in dieser Season eigentlich? Vier Sätze? Fünf? Auf jeden Fall für einen meiner Lieblingscharaktere deutlich zu wenig. Es freut mich sehr, dass er wieder in das Spiel um den Thron eingreift und mit ein paar validen Punkten Tyrion nicht nur ein wenig ins Wanken bringt, sondern auch dieser Figur endlich mal wieder etwas zu tun gibt. Da verzeihe ich auch FAST den x-ten cock-joke. Die wachsenden Zweifel an Daenerys waren auf jeden Fall mein Highlight der Folge, weil hier interessante Weichen für die Zukunft gestellt werden. Es wäre nur viel, VIEL (sorry, ich arbeite diese Woche viel mit Capslock) interessanter und vor allem wie in alten GoT-Tagen gewesen, wenn sich diese Storyentwicklung über einen längeren Zeitraum aufgebaut hätte. Ich bin mir sicher, dass die übliche Anzahl an Folgen eine Menge Probleme von dieser und auch der letzten Staffel mit Leichtigkeit gelöst hätte. Sollte ich sie jemals treffen, werde ich Sansa übrigens definitiv keine persönlichen Geheimnisse erzählen.

Mehr Zeit, das alte Problem. Man spürt ihren Mangel überall. Wie beispielsweise in der Geschichte zwischen Jaime und Brienne! Was bitte war denn das? Ja, sie hat schon lange etwas für ihn empfunden, aber so richtig die Funken habe ich da nie fliegen sehen, mehr einen tiefen gegenseitigen Respekt. Ich kann sogar damit leben, dass man nach dem vermeintlichen sicheren Tod in Feierlaune den Gefühlen mal nachgibt. Aber hier kommen sie in einer Folge zusammen, beziehen gemeinsam ein Zimmer, erhalten Glückwünsche von Jaimes Bruder und trennen sich direkt wieder, weil Cersei eben Cersei ist. Auch hier hätte der tränenreiche Abschied wesentlich mehr wehgetan, wenn man den beiden mehr Zeit zusammen gegönnt hätte. Aber weißt du was, Jaime? Brienne weinend im Schnee stehen lassen war tatsächlich nur der zweitgrößte Arschloch-Move der Woche. Jon Snow hat dich da locker ausgestochen. Mal ganz ehrlich, liebe Showrunner: Ihr habt beide keinen Hund, oder? Der arme Ghost steht da blutig und zerschlagen, aber Jon krault ihm zum Abschied nicht einmal hinter seinem verbliebenen Ohr? Uncool, Herr Snow, uncool! Vielleicht sollte der Wolf mal schnell zu Brienne laufen und sie mitnehmen. Tormund behandelt euch beide mit Sicherheit besser.

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Ebenfalls etwas, was man mit mehr Zeit hätte lösen können: Alles um Arya. Vielleicht erfährt man ja noch, wie die Stark Schwestern auf die Enthüllung ihres Bruders bzw. Cousins reagiert haben. Aus jetziger Sicht wirkt der Übergang von „Wir sind eine Familie und müssen zusammenhalten“ zu „Hey Sandor, alte Düse. Bock nach King’s Landing zu reiten? Nö, ich will auch nicht wieder zurückkommen.“ sehr abrupt. Warum es dem Hound auf einmal doch so wichtig ist, seinen Bruder zu erledigen, frage ich erst gar nicht mehr. Meine Vermutung: Cleganebowl (seufz), der Hound stirbt nach seinem Sieg, Arya tötet Cersei (doppel-seufz) und danach geht sie zurück zu den Faceless Men. Zu einem Orden, von dem sie zwar jeden Grundsatz gebrochen hat, aber wird da schon so kleinlich sein?!

 

 

Vor den Toren von King’s Landing

Ich verstehe Daenerys, das tue ich wirklich. Hier passt es auch sehr gut, dass die Ereignisse so schnell hintereinander passiert sind. Sie hat jetzt innerhalb kürzester Zeit ein weiteres Kind, ihren engsten Vertrauten und diejenige verloren, die einer besten Freundin noch am nächsten kommt. Noch dazu ist der Tod ihres ersten Drachen auch noch nicht so lange her, und all das geschah direkt vor ihren Augen. Da kann man schonmal alle Vorsicht in den Wind schießen und in der nächsten Woche die Hauptstadt von Westeros mit Feuer überziehen. Für eine „mad queen“ halte ich sie deswegen übrigens noch nicht, aber alle anderen werden das tun. Das ist ein interessanter Ansatz, von dem ich jedoch keine befriedigende Auflösung erwarte. Dafür hat die Qualität von Game of Thrones dann doch zu sehr nachgelassen, auch wenn (ich wiederhole mich) ich die Serie immer noch mag. Sonst würde ich diese Texte nicht schreiben.

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Aber um mal einen Schritt zurückzugehen: Wie kann sich denn bitte eine ganze Flotte an einen anschleichen, wenn man selbst kilometerhoch über dem Meer fliegt? Da wurde wieder mal die Logik dem coolen Effekt geopfert, wenn Rheagal aus dem Nichts abgeschossen wird. Beeindruckende Maschinengewehre hat Qyburn da zusammengebaut. Dass Euron irgendwie Missandei gefangen hat, stört mich übrigens nicht. Sie sollte ja in ein Rettungsboot flüchten und die wird er vermutlich einfach abgepasst haben. Das Gespräch der Lannister Geschwister wusste zu gefallen, Lena Headey und Peter Dinklage sind einfach immer gut zusammen. Gerade Headeys Mimik war wieder mal grandios; man kann in Cerseis Gesicht genau erkennen, an welchem Punkt sie sich entschließt, alle mit in den Abgrund zu reißen. Von daher freue ich mich dann doch auf die nächste Folge, die zwar sicher wieder etliche Logiklücken haben, aber dafür immerhin ordentlich Schauwerte bieten wird. Auch wenn es mir weh tut, dass mir das bei Game of Thrones aufgrund mangelnder Erwartungen schon ausreicht.

 

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Letzte Szene: Emilia Clarke channelt ihren inneren John Cena (© WWE)

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