Gedanken zu GoT 8×03 „The Long Night“

Durch die Freuden, auch mal von daheim arbeiten zu können, kann ich noch schnell diesen Text in die Tasten hacken, bevor es wieder ans Werk geht. Nach einem holprigen Start und einer sehr ruhigen Folge war es klar, dass Game of Thrones in der dritten Episode der achten Season Vollgas geben wird. Ich habe „The Long Night“ am gestrigen Abend geguckt und wollte alles danach erstmal ein wenig sacken lassen, bevor ich meinen zahlreichen (* hust *) Lesern meine Meinung kundtue.

 

 

FEAR OF THE DARK

Mit dem Titel eines auf jeder Metalparty vollkommen überstrapazierten Iron Maiden Songs – wirklich Leute, die haben noch so viele andere großartige Lieder – möchte ich zunächst auf einen der Hauptkritikpunkte von „The Long Night“ eingehen. Das Nachtsetting war stimmungsvoll und hat tolle Lichtstimmungen ermöglicht, war aber zuweilen der Übersicht nicht wirklich zuträglich. In den Szenen, wo die Totenarmee die Menschen einfach überrennt, passte es durchaus, da man so das Chaos einer Schlacht gut verdeutlichte. Wo es wirklich problematisch wurde, waren die Szenen auf den Burgmauern (Welcher der Hauptcharaktere wird da gerade nochmal angegriffen?) und vor allem die Szenen mit mehreren Drachen gleichzeitig. Da die in der Dunkelheit alle auf den ersten Blick recht gleich aussehen, musste man schon genau hingucken, wer gerade auf dem Rücken sitzt. Das war stets nur eine Sache von ein, zwei Sekunden, aber das genügt meist schon, um den Zuschauer kurz rauszureißen.

Kurz gesagt: Mich hat die Dunkelheit erstaunlicherweise fast gar nicht gestört und ich bin da normalerweise echt pingelig. Viele solide bis sehr gut in Szene gesetzte Momente (Ritt der Dothraki, Flug über den Wolken, Longshots mit Jon durch das fast zerstörte Winterfell) haben es für mich wett gemacht. Ich kann aber jeden verstehen, der sich massiv daran gestört hat. Leute mit illegalen, schlecht gerippten Streams sind von der Diskussion übrigens direkt disqualifiziert.

 

 

DER „HELDENSCHILD“

Es ist mittlerweile ein Stilmittel von Game of Thrones, Hauptfiguren sterben zu lassen. Auch wenn es seit Staffel Sieben wahrlich nicht mehr so extrem ist und der „Heldenschild“ (Danke an den GoT-Recap der Sexy Cripples) seitdem im Dauereinsatz zu sein scheint. Ich fand es an sich auch nicht schlimm, dass in „The Long Night“ nicht im Minutentakt das Taschentuch zum Trocknen der Tränen gezückt werden musste. Das hatten ja viele, inklusive mir, so erwartet. Es fällt aber schon auf, dass die Macher sich zu oft darauf verlassen, Charaktere in letzter Sekunde noch zu retten und nur die B+-Player zu dezimieren. Jorahs Abgang fand ich aber sehr passend und als „B+“ möchte ich ihn auch nicht unbedingt bezeichnen. Aber bei Tormund, Brienne und Jaime wurde es gerade zum Ende schon lächerlich, wie sie da gefühlt zu dritt eine Armee in Schach halten, während Sam immer wieder Zeit findet, sich traurig umzugucken. Schade, da war mehr drin. Wahrscheinlich brauchen die Schreiber sie noch für ein „total spannendes“ Liebesdreieck. Zu Jon inmitten einer Armee von Toten, die in der nächsten Szene in seinem Rücken schon wieder fast verschwunden ist, sage ich erst gar nichts. Ach ja, Lyanna ist auch tot, aber die barg ohnehin großes Nervpotential. Da ist so eine Sterbeszene, die zugegeben sehr „badass“ war, schon passender. Und ist Ghost tatsächlich off-screen gestorben?

An sich, und das möchte ich ausdrücklich betonen, hat mir die Schlacht um Winterfell aber durchaus gefallen. Es war nur eben mehr drin!

 

 

DER SCHLUSS, EINFACH NUR DER SCHLUSS

Puh, was soll man dazu sagen? Vor ein paar Jahren hätte ich noch vermutet, dass es das noch nicht mit dem Night King war. Einfach, weil ich GoT es damals zugetraut habe, mich eiskalt zu überraschen. Dieses Gefühl habe ich heute nicht mehr und das finde ich sehr schade. Und das verdeutlicht sich bei keiner Figur mehr, als bei Arya. Ja, ich weiß, die Platte wird langsam langweilig, aber was soll ich machen? Dass sie den Hound rettet und er deswegen später für sie aus seiner Angststarre erwacht – geschenkt, das passt schon. Dass sie dann im Alleingang etliche Wights zerfetzt und nachher sogar über sie drüber rutscht wie Legolas auf seinem Schild in Helms Klamm – augenrollend albern, aber zu erwarten. Aber dann sitzt sie in Winterfells Bibliothek und fürchtet sich plötzlich vor Gegnern, die sie vorher reihenweise niedergemäht hat. An sich war die Szene spannend umgesetzt und hätte z.B. mit Gilly, Ser Davos oder von mir aus auch der Arya bis ca. Staffel 4 auch funktioniert. Aber so kommt es einfach unrund rüber und anscheinend ist sie nicht nur bei den Faceless Men, sondern auch bei einem gewissen Milliardär aus Gotham City in die Leere gegangen.

Es klingt wirklich so, als wollte ich nur meckern. Bitte versteht es nicht so, ich habe immer noch Freude an GoT. Es tut mir nur in der Seele weh, dass die Serie so vorhersehbar geworden ist. Okay, mit Melisandre habe ich nicht gerechnet, aber bei ihrem Verweis auf das letzte Treffen mit Arya, habe ich die letzten Minuten leider genauso erwartet. Die Mauern fallen, alle Figuren sind kurz vorm Ableben, Theon stirbt seinen Heldentod und Sneaky-Arya erledigt den Night King, bevor er den wie immer äußerst hilfreichen Bran erreicht. Die größte Bedrohung der Serie stirbt, bevor sie irgendeine Form von Charaktertiefe bekommen hat. Der Night King wollte halt alle töten, weil er alle töten wollte (und nein, der kurze Rückblick aus Staffel Sechs reicht mir da nicht). Nun hat es ihn zerlegt und seine Armee gleich mit. Für immer? Ich befürchte schon und das ist nach dem Aufbau echt schade.

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Ja, den Gag hab ich geklaut von Wolf Speer. (© Columbia Pictures)

 

Wie gesagt: Ich mochte die Folge, aber es war … ach, ich hör auf.

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