Gedanken zu GoT 8×01 „Winterfell“

Moin Leute!

Ja, ich bin spät dran. Meine Rückblicke zur letzten Season gingen ja immer spätestens zwei Tage nach US-Ausstrahlung online, aber was soll ich sagen … ich habe eben viel um die Ohren. Ich versuche aber, es nächste Woche schneller zu schaffen. Seht das hier einfach als Überbrückung zur 8×02, die ja bald schon ansteht. Und für alle, die noch nicht dabei waren, ein paar kleine Anmerkungen. Ich erhebe hiermit keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar auf das komplette Nacherzählen sämtlicher Szenen. Es geht hier nur darum, relativ schnell ein paar Eindrücke zu der aktuellen Game of Thrones-Folge aufzuschreiben. Des Weiteren schaue ich die Serie, wie alles andere auch, auf Englisch und werde auch dementsprechende Namen und Bezeichnungen verwenden. Nebenbei bemerkt ist die deutsche Synchro ohnehin zum Kotzen und NEIN … davon bringst du mich nicht ab.

Zwei Jahre ist es her, seit die Wall gefallen ist und GoT in die lange Pause ging. Season 7 war damals die erste Staffel, die mich ein wenig enttäuscht hat. Das Herunterdampfen auf sieben Folgen hat der Serie nicht gut getan und gipfelte teilweise in gigantischen Logiklöchern, allen voran das Musterbeispiel Episode 7×06 („Beyond The Wall“). Dazu kam der deutliche qualitative Abbau der Dialoge, seitdem die Macher keine Buchvorlage mehr haben. Ich hatte tatsächlich lange vorgehabt, diese Reihe gar nicht weiterzuführen und die Serie nur „für mich“ zu beenden. Aber wenn ich ehrlich bin, hat mir auch Season 7 durchaus gefallen. Sie ist nur eben lange nicht mehr auf dem Standard früherer GoT Staffeln, was sicher auch daran liegt, dass viele meiner Lieblingsfiguren entweder tot sind (Eddard, Tywin, Stannis) oder Richtungen eingeschlagen habe, die mir gar nicht gefallen (Tyrion, Arya). Widmen wir uns also nach viel zu langer Vorrede Folge 8×01 „Winterfell“, die mit einem tollen neuen Intro startet.

 

 

Reminiszenzen und Wiedersehen

Die meisten dürften es erkannt haben, aber der Beginn der Folge hat sehr schön den Anfang der gesamten Serie gespiegelt. Genau wie damals klettert ein Junge auf höhere Positionen, um den eintreffenden König besser sehen zu können. Passend dazu wird eine Variation des Stücks „The King’s Arrival“ aus dem Soundtrack der ersten Staffel gespielt. Ein sehr schöner Beginn, der auch gleich das gesteigerte Budget zeigt. Jon Snow und Daenerys ziehen mit einer gewaltigen Armee gen Winterfell, stets beobachtet von der wachsamen Arya, die in dieser Folge gleich mehrere Wiedersehen feiern darf, die mir alle mehr oder minder gut gefallen haben. Mein Problem liegt eher darin, dass mir die jüngste Stark Tochter in ihrer super-coolen Oberbadass Rolle einfach nicht gefallen will. Und dass Gendry ihr nun scheinbar eine voll krasse Mega-Waffe schmiedet, stimmt mich noch nachdenklicher. Trotzdem gefällt sie mir immer noch wesentlich besser als Bran, den ich als Figur einfach kritisch sehe. Ein derart übermächtiges Wesen wirft in jeder Narrative Fragen auf, die man nur mit der windigen „Das Schicksal will es so“ Erklärung beantworten kann. Ich hoffe wirklich, dass da noch was kommt. Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass er Jaime besonders nachtragend ist, auch wenn der verständlicherweise schön geschockt guckt, als er Bran erblickt.

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Klares Highlight war für mich übrigens Sansas Begrüßung von Daenerys. Seit sie die „Lady of Winterfell“ ist, gefällt sie mir immer besser. Ihren Storystrang in Season 5 hasse ich aber immer noch. Lieber Schreiber dieser Welt: Wenn ihr einen Frauencharakter brechen und daran wachsen lassen wollt, gibt es auch andere Möglichkeiten als Vergewaltigung. (Sorry für den kleinen Exkurs!)

Ach ja, das Lowlight: Tyrions erste Sätze! Was ist nur aus dieser Figur geworden? Früher der wortgewandteste Mann von Westeros und heute (wie seit Season 6 immer wieder) ein Lieferant billiger Schwanzwitze. Gähn …

 

 

King’s Landing und die Elefanten

Auf die muss Cersei wohl verzichten und so richtig beeindruckend fand ich die Golden Company bisher auch noch nicht. Um zumindest Euron bei Laune zu halten, steigt sie mit ihm in die Kiste, was aber auch vollkommen ihrem Charakter entspricht. In den Büchern wird es noch deutlicher, aber um ihre Ziele zu erreichen, hat Cersei immer alle Mittel eingesetzt, die ihr zur Verfügung standen. Leider ist Euron schon gefährlich nahe an der Grenze zum eindimensionalen Bösewicht und wird vermutlich bald auch endgültig fallen. Hoffentlich durch Cerseis Hand, bevor es sie selbst erwischt. Denn wirklich durchdacht ist ihr Plan immer noch nicht, wie Jaime ihr in 7×07 ja auch richtigerweise gesagt hat. Jaime, den sie dann hat einfach wegreiten lassen … Egal, clever verhält sich die Gute ja schon lange nicht mehr und das macht sie auch so gefährlich. Ob sie wirklich glaubt, dass Bronn ihrem Wunsch entspricht und seine vielleicht einzigen Freunde in Westeros umbringt?

Wie billig Theon seine Schwester rettet, fand ich nach dem Aufbau in der letzten Season übrigens eine Frechheit. Da hätte man sich das auch gleich schenken können. Ist für mich fast auf einer Stufe mit Jorah Mormonts Greyscale Heilung … streicht das, das war noch wesentlich schlimmer.

 

 

Stress in Winterfell

Die Nordmänner misstrauen der neuen Königin und verstehen nicht, warum ihr „King in the North“ seine Krone direkt wieder abgibt. Na, wer hätte das denn vorrausehen können? Ach ja, jeder! Versteht mich nicht falsch, ich finde den Konflikt Sansa/Jon/ Daenerys gut geschrieben, weil alle Figuren komplett ihren Charakterzügen entsprechend handeln und somit für einiges an Zündstoff sorgen. Da würde ich auch FAST den „Drachenzähmen leicht gemacht“ Ausflug verzeihen. Eigentlich sind ruhigere Szenen ja auch mal ganz schön, bei der noch geringeren Folgenzahl hört man aber leider immer die Uhr im Hintergrund ticken.

Jon

 

Das wahre Konfliktpotential offenbart sich aber am Ende der Folge und hier muss ich ausdrücklich einen Mann loben: John Bradley-West, was für eine Performance! Wie er Sam Tarlys Achterbahnfahrt der Gefühle rüberbringt, zählt zu den besten schauspielerischen Momenten der gesamten Serie. Erst gewohnt liebenswert-tapsig, dann geschockt und schließlich tief traurig, als er vom Tod seines Bruders erfährt. Und dennoch wahrt er irgendwie den Anstand, den man einer Königin gegenüber haben muss, nur um seine Wut dann später Jon gegenüber freien Lauf zu lassen. Bevor er natürlich DIE Bombe platzen lässt und seinem Freund von seiner wahren Herkunft erzählt. Aus der Frage „Du hast für das Land auf deine Krone verzichtet, aber würde sie dasselbe tun?“ könnte man ganze Folgen stricken. Aber tja, die liebe Zeit …

 

 

War noch was? Ach ja, die White Walker

Leute, ich liebe Tormund Giantsbane wie jeder von euch auch und Berric Dondarrion ist sogar eine meiner Lieblingsfiguren „aus der zweiten Reihe“. Aber die beiden müssten nach der Inszenierung aus der letzten Staffel tot sein. Direkt vor ihnen bricht der Boden weg und dann sehen wir die gesamte Wall einstürzen. Na ja, Schwamm drüber, ist ja nicht so, als hätte ich nicht damit gerechnet. Dieser „Helden-Schild“ nervt aber dennoch seit letzter Staffel. Immerhin durften wir Dolorous Edd wiedersehen, was mich sehr freut. Auch wenn es ihn wohl bald erwischen wird.

Ich fand es etwas enttäuschend, dass wir gar kein Bild der Armee der Untoten bekommen haben, aber die Szene mit dem jungen Umber war richtig schön gruselig. Was es mit diesem Zeichen auf sich hat, was uns nun schon seit Season 1 begleitet? Sieht es nicht irgendwie wie das Targaryen Wappen aus? Warten wirs ab.

Fazit: „Winterfell“ ist ein holpriger, aber dennoch neugierig machender Start in die letzte Staffel. Sämtliche Figuren wurden in Stellung gebracht und vermutlich dürften in der nächsten Folge die ersten Kracher passieren. Ich freu mich drauf.

 

Euch allen frohe Feiertage!

(All pictures Credit HBO)

2 Gedanken zu “Gedanken zu GoT 8×01 „Winterfell“

  1. Tyrion und die Greyjoys sind mehr oder weniger das Vorzeigebeispiel dafür, dass die Writer auch nur die üblichen Hollywoodnulpen sind. Zu Tyrions ehemaliger Wortgewandheit muss man nix mehr sagen und die Greyjoys sind so dermaßen uninteressant seit mindestens 2 Staffeln, dass man diesen Handlungsstrang besser lange beendet oder komplett weggelassen hätte. Genau wie Mormonts Erkrankung und alles mit Dorn. Denn das wirklich schlimme daran: Es war alles halbgar oder einfach richtig schlecht UND hat zu absolut gar nix geführt. Nur Zeitvertreib für die Charaktere, damit die was zu tun haben. Und bei Theon erwarte ich da auch nicht mehr viel, außer eventuell sowas wie eine Selbstopferung, um dann einen der Starks (Jon oder Sansa) vor dem sicheren Tod zu retten und sich so quasi endgültig zu rehabilitieren. Kann man machen, bringt nur nach 2 Jahren lahmen Hickhacks auch nix mehr und man könnte die Zeit besser für was anderes nutzen. Aber Zeit ist in Westeros ja ohnehin sehr relativ mittlerweile …

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