♠ Every Month is MOTÖRMONTH! ♠ – Liebe für einen grandiosen Thread

Mein Motörhead Text vom 24.12.2018 ist mein meistgeklickter Beitrag auf dieser Seite! Zugegebenermaßen hat er nur sehr knapp die Warzen vorn, aber ich finde das schon beeindruckend, wenn man bedenkt, wie kurz der erst online ist. Inspiriert wurde ich dazu von einem Thread namens „♠ Every Month is MOTÖRMONTH! ♠“ aus dem Forum der Deaf Forever Zeitschrift. Eine herrlich liebenswerte Ansammlung von Bekloppten hat sich dort zusammengefunden und über mehrere Monate hinweg sämtliche (!) Veröffentlichungen dieser grandiosen Band besprochen und oft mit teilweise saukomischen, teilweise mit wirklich rührenden Anekdoten versehen. Herausgekommen ist eine Ansammlung an inhaltlich und stilistisch vollkommen unterschiedlichen Reviews, deren Schreiber aber alle eines gemeinsam haben – Lemmy und seine wechselnden Kumpanen haben sie alle irgendwie berührt. Mir war es glücklicherweise ebenfalls vergönnt, kurz vor Schluss noch an diesem Projekt teilzunehmen und sogar den Abschluss davon zu bilden. Nur wie sollte ich den wunderbaren Texten vor mir gerecht werden, vor allem weil ich „nur“ ein Album voller Coverversionen zu besprechen hatte? Aber es war Motörheads letzte Veröffentlichung und verdammt nochmal … irgendwie war ich es diesem verrückten Pfarrerssohn aus England ja auch schuldig. Meine Kritik zu „Under Cöver“ bekommt ihr gleich zu lesen, ich möchte euch aber dringend empfehlen: Wenn ihr nur einen Funken Rock’n’Roll im Leib habt, sucht dieses Forum auf und lest diesen Thread im „Angel City“ Forum.

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Einfach nur so: Lemmy, der über meine Film- und Musiksammlung wacht

 

Falls ihr das nun lest, meine lieben Mitwirkenden: Es ist zwar „nur“ ein doofer Internet-Thread, aber da wurde etwas ganz Großes auf die Beine gestellt. Ich danke euch allen für die tolle Arbeit und die Arbeit am Projekt schreitet gut voran.

Falls ihr das nun lest, meine lieben mich persönlich kennenden Menschen: Ich habe in dieses Review auch ein bisschen Persönliches eingebaut, einfach weil es mir passend erschien. Die meisten von euch dürften mittlerweile Bescheid wissen, dass ich zwischendurch ein paar doofe Jahre hatte. Allen anderen kann ich das gerne mal ausführlich erzählen, ich bin da mittlerweile ein offenes Buch. Coole Rock’n’Roll-Knast & Drogen – Geschichten kann ich aber leider nicht bieten.

 

 

 

 

Mein Beitrag zu

„♠ Every Month is MOTÖRMONTH! ♠“

 

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UNDER CÖVER (2017)

Das ist nun also das Ende – die letzte Motörhead-Veröffentlichung und das letzte Review in diesem wunderbaren Thread. Natürlich brauchen wir uns nichts vormachen, denn auch in Zukunft wird immer wieder jemand einige alte Rechte nutzen und die nächste halbgare Motörhead Best-Of auf den Markt werfen. Aber dennoch gilt „Under Cöver“ nicht nur bei mir als Abschluss der langen Geschichte einer der besten Bands aller Zeiten. Einer Band, die meiner bescheidenen Meinung nach niemals ein schlechtes Album veröffentlicht hat! Metallica, Maiden, Priest, Sabbath, Helloween, Slayer und wie sie alle heißen mögen – nahezu jeder ist in seiner Karriere zumindest kurz mal ins Straucheln geraten. Lemmy und Co. ist das tatsächlich nie passiert, auch wenn natürlich mal etwas schwächere Platten wie „Snake Bite Love“ oder „Hammered“ dabei waren. Denn sie zeichnete etwas aus, was Unwürdige immer gerne als „Die haben eh nur einen Song geschrieben!“ wegzuwischen versuchen – Beständigkeit und Ehrlichkeit. Von dem etwas extravaganten Brian Robertson abgesehen wirkte jedes Bandmitglied immer so, als könnte man sich auch mal locker bei einem Bierchen in der Kneipe treffen. Gerade Lemmy ist mit seiner Mischung aus Kumpeltyp, Straßenschläue und beißendem schwarzen Humor ironischerweise zu einer der größten Ikonen der Rockgeschichte geworden. Ich habe ihn leider nie persönlich getroffen, aber ich kann mir gut seine Antwort vorstellen, wenn man ihn direkt so bezeichnet hätte. So war er, unser Lemmy!

 

War noch was? Ach ja, eigentlich geht es hier ja um „Under Cöver“. Als die ersten Ankündigungen kamen, fand ich die Idee ganz charmant. Motörhead waren einer gepflegten Coverversion ja nie abgeneigt und man hätte mit denen locker ein Doppelalbum füllen können. Aber darauf komme ich später noch zu sprechen. Zuerst geht es mir um den Release der Platte, der in eine oder vielleicht sogar DIE Umbruchsphase meines Lebens fiel. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen (vielleicht mal bei einem Bier und guter Musik *zaunpfahl* ): Ich hatte gerade Münster verlassen und musste dringend zur Ruhe kommen. Ich zog mit 34 wieder zu meinen Eltern, blieb dort für ein knappes Jahr und verdiente mein Geld durch Jobs, die mich nicht gerade herausforderten. Der erste davon war im Hauptlager von EMP, welches einigermaßen in der Nähe meines Heimatortes Bad Bentheim liegt. Anfang September 2017 kamen sie dann, Kisten voller „Under Cöver“-Alben nebst dem entsprechenden Merchandise. Von überall blickte mich Lemmys Gesicht an, als ich Ware verpackte, sortierte und in langen Touren aus den Tiefen des Lagers holte. Es klingt kitschig, aber ich dachte dabei ständig an seine Biographie, als er beschrieb, wie auch er an einem Scheideweg stand. Sinngemäß stand dort: „Ich saß an einem Strand und aß mit einem Kamm kalte Bohnen aus der Dose. Und da wusste ich, dass es da noch mehr im Leben geben muss. Also stand ich auf, ließ alles hinter mir und ging nach London.“ Und ja, das habe ich auch getan. Nicht nach London, aber immer nach vorne. Und um euch nicht mit meiner gesamten Lebensgeschichte zu langweilen, hier die Kurzfassung: es geht mir nun seit Monaten absolut fantastisch. Cooler Job und tolle Wohnung, nur die Plauze kann gerne noch etwas kleiner werden. Hauptsächlich habe ich das natürlich meinen Eltern zu verdanken, aber Lemmys (für mich) mahnender Blick von einem simplen Albumcover darf wirklich nicht unterschätzt werden.

Kommen wir nun also endlich zur Musik, die bei „Under Cöver“ natürlich anders zu bewerten ist als bei all den vorangegangenen Reviews. Wenn ich mal den ganz nüchternen Musikkritiker raushängen lassen möchte, dürfte ich „Under Cöver“ nur als nette Zusammenstellung betrachten. Motörhead-Fans hatten die bis zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten Songs ohnehin schon im Schrank und unvollständig ist die Platte auch noch. Wo sind die Cover von Lemmys alter Band Hawkwind? Wo sind „Beer Drinkers And Hell Raisers“ (ZZ TOP), „Hoochie Coochie Man” (Muddy Waters) oder Lemmys Version von “Tie Your Mother Down“ (Queen)? Die Kollaboration mit Girlschool „Please Don’t Touch“ (The Bachelors) hätte sicher ebenso gut auf das Album gepasst wie auch Fast Eddies „Favorit“ namens „Stand By Your Man“, welches ja sogar noch eine bandhistorische Bewandtnis hatte. Erwähnen möchte ich auch noch „Enter Sandman“ (Metallica), für dessen gesprochenen Mittelteil die Band sogar den Jungen von damals wieder aufgetrieben hat. Schönes kleines Detail!
Ja, all das könnte ich anführen, aber das tue ich nicht. „Under Cöver“ ist nichts weiter als ein kleines Abschiedsgeschenk an uns Fans und vereint trotz der genannten Mängel doch noch ein paar schöne Versionen bekannter Klassiker. „Whiplash“ (Metallica) ballert immer noch ordentlich und gefällt durch leichte Textänderungen, „Breaking The Law“ (Judas Priest) ist immer ein verdammter Ohrwurm, Lemmy darf beim besseren der beiden Rolling Stones-Cover „Jumpin‘ Jack Flash“ seine Rock’n’Roll Seite ausleben und das Rainbow-Cover „Starstruck“ vom sehr guten DIO Tribute „This Is Your Life“ gefällt mir immer noch so gut wie damals. Nette Idee, den Song mit Saxons Biff aufzunehmen.

Aber einen Song MUSS ich natürlich gesondert hervorheben! Ein Song, der auch hier schon mehrfach und vollkommen zurecht als Motörheads Abschied bezeichnet wurde, obwohl er doch „nur“ gecovert ist. Ehrlich gesagt war ich skeptisch! Nichts gegen Lemmy, aber sich an David Bowie zu versuchen und dann noch in seinem geschwächten Zustand während der „Bad Magic“ Sessions? Das hätte ziemlich peinlich werden können. Wie wir nun alle wissen, hat Lemmy mir da einfach den Stinkefinger gezeigt und aus der Not eine Tugend gemacht. Er arbeitet einfach um seine Limitierungen herum und singt „Heroes“ sehr gefühlvoll, fast schon zerbrechlich. Auch die instrumentale Arbeit legt sehr viel Wert auf Melodie und Atmosphäre, klingt aber dennoch unverkennbar nach Motörhead. In Kombination mit dem toll zusammengeschnittenen Videoclip ist diese Version von „Heroes“ ein wunderbarer, dreifacher Abgesang – auf Lemmy, auf David Bowie und auf Motörhead selbst!

Und so endet meine kleine Nachbetrachtung und ich möchte mich noch mal bedanken, dass ich quasi den Schlusspunkt bilden und ein paar Gedanken zu einer meiner Lieblingsbands loswerden durfte. Wenn ich mal aus einem Text von meiner Homepage zitieren darf: „Bei Freddie Mercury war ich noch zu jung, Kurt Cobain war mir egal (sorry), Michael Jackson tat mir schon leid, aber Gary Moore war der erste Musikertod, der mich wirklich tief betroffen gemacht hat.“ DIO war natürlich auch sehr traurig, aber Lemmys Tod war der nächste brutale Nackenschlag für mich. Eigentlich war der Kerl doch unsterblich, oder nicht? Aber ich verrate euch mal was: Das ist er auch! Ich habe Motörhead gehört, als ich wilde Partys gefeiert habe. Ich habe Motörhead gehört, als eine gute Freundin sich das Leben nahm. Ich habe Motörhead gehört, als ich der festen Überzeugung gewesen bin, mein eigenes versaut zu haben. Ich habe Motörhead gehört, als ich erkannte, was für ein Schwachsinn dieser Gedanke war. Und ich höre Motörhead gerade eben beim Schreiben dieses Textes und gleich beim Training, denn es ist mal wieder Zeit für einen Durchlauf von „Orgasmatron“. Und so wird es immer weitergehen, bis ich all die Chaoten im Walhalla des Rock wiedertreffe und ein gewisser Warzenträger mich wahrscheinlich knallhart unter den Tisch trinkt! Ich schließe mit einem weiteren Zitat, diesmal aus meinem Text vom 24.12.2018:

 

Lemmy, Phil, Mikkey, Philthy, Pete, Fast Eddie, Lucas, Larry, Brian und Würzel … Danke für alles!

 

 

3 Gedanken zu “♠ Every Month is MOTÖRMONTH! ♠ – Liebe für einen grandiosen Thread

  1. Sehr schön geschrieben 🙂 Und toll, dass unsere geniale Aktion auch noch an einer anderen Stelle im WWW Beachtung findet.
    Grüße von Damage Case

    Gefällt 1 Person

  2. ♠ Every Month is MOTÖRMONTH! ♠ ist mir von allen der liebste Thread gewesen. Von daher sehr schön, dass er hier nochmals gewürdigt wird. Alle Schreiber haben viel Herzblut in die Sache gesteckt, dementsprechend ist die ganze Sache in dieser Form wohl einmalig. Toll ein Teil davon gewesen zu sein. ♠
    Grüße vom Sandman

    Gefällt 1 Person

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