Filmkritik: Bohemian Rhapsody

Also eins vorab: Ja, ich habe das mit dem Upload vom Review zu „Halloween“ (2018) irgendwie vermasselt. Eigentlich sollte es pünktlich am 31.10. kommen, aber menschliches Versagen hat leider die Formatierung und einige Teile des Textes zerschossen. Meine Meinung wird dann Teil meines alljährlichen Kinorückblicks werden, der ja in einem guten Monat ohnehin ansteht. Heute geht es mir aber erstmal um einen anderen Film, den ich nun doch noch im Kino gesehen habe. Der Dank dafür gebührt meiner Mutter, die mir die Eintrittskarte zum Geburtstag schenkte. Für meine Eltern war es übrigens der erste Kinobesuch seit ziemlich langer Zeit.

Zur Einleitung ein paar Worte von mir über Queen. Sie sind eine meiner absoluten Lieblingsbands, die ich locker in meine persönliche Top 5, wenn nicht gar Top 3 packen würde. Ein Film über Freddie Mercurys Leben klang für mich also nach absolutem Pflichtprogramm. Skeptisch war ich nur, weil ich an sich nicht der größte Fan von Biopics bin, starke Werke wie „Walk The Line“ natürlich ausgenommen. Und dennoch hatte ich eigentlich gar nicht vor, mir „Bohemian Rhapsody“ im Kino anzusehen. Woran das lag? An meiner Liebe zu QUEEN!

 

hjbrvlywbj-1526393017

Rami Malek sah leider immer nur aus wie jemand, der sich als Freddie verkleidet. (© 20th Century Fox)

 

BOHEMIAN RHAPSODY IST MISSLUNGEN

So wie es bei einer Buchumsetzung immer Kritik bei fehlenden Elementen aus der Vorlage gibt, so stört mich bei Biopics oft die vielzitierte „künstlerische Freiheit“ für den „dramatischen Effekt“. Und da leistet sich „Bohemian Rhapsody“ leider mehrere kleine und große Schnitzer. Es fängt unwichtigen Details wie Freddies Augenfarbe an und endet bei etwas, was man mit bösem Willen als Geschichtsverfälschung bezeichnen könnte. Wenn man die Geschichte Queen nicht kennt, werden diese Veränderungen natürlich nicht auffallen. Als großer Fan habe ich aber schon mehrmals schlucken müssen, um nicht einen verächtlichen Kommentar in den Saal zu rufen. Ich habe euch mal fünf grobe Fehler aus dem Film aufgelistet.

  • Live Aid: Um ein dramatisches Finale zu kreieren, wird der legendäre Auftritt als Comeback aufgebaut. In Wahrheit waren Queen zu diesem Zeitpunkt schon monatelang auf Tour, um ihr neues Album „The Works“ zu promoten.
  • Die HIV Diagnose: Wie alle Punkte auf dieser Liste, ist auch dieser Fehler dem Aufbau der Dramaturgie eines Filmes geschuldet. Mercury hat von seiner Infektion aber erst 1987 und damit zwei Jahre nach „Live Aid“ erfahren. Seinen Bandkollegen offenbarte er sich noch einmal etwas später und ein offizielles Statement bezüglich seiner HIV Diagnose gab er sogar erst einen Tag vor seinem Tod ab.
  • John Reid: In Mittelteil von „Bohemian Rhapsody“ feuert Freddie den Bandmanager John Reid aufgrund des schlechten Einflusses von Paul Brentner (der in Realität übrigens später auch aus einem vollkommen anderen Grund als im Film gefeuert wurde). In Wahrheit hatten die Band und Reid sich aber in aller Freundschaft getrennt, als der Arbeitsvertrag von letzterem ausgelaufen war. Es gab aber Probleme mit seinem Vorgänger Norman Sheffield, dem Mercury den bitterbösen Song „Death On Two Legs“ widmete.
  • Die Timeline: Es werden stets Ereignisse und Songs in die völlig falschen Jahre gepackt. „We Will Rock You“ entstand in den 70ern (im offiziellen Videoclip erkennbar an Freddys fehlendem Schnurrbart, den er erst in den 80ern trug), die Musiker kannten sich schon in den 60ern, „Another One Bites The Dust“ wird im Film zwei Jahre nach hinten verlegt und „Fat Bottomed Girls“ wiederum vier Jahre nach vorn.
  • Der Bandsplit: Im Film zerbrechen Queen aufgrund von Freddies Solo-Ambitionen und finden erst kurz vor dem Finale wieder zusammen. Das ist auf mehreren Ebenen komplett falsch. Nicht nur, dass sie während ihrer angeblichen Trennung ihr Album „The Works“ komponierten und aufnahmen, auch Freddies (tatsächlich 1985 erschienene) Soloplatte „Mr. Bad Guy“ war zu keinem Zeitpunkt ein Problem in der Band. Brian May hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon ein Soloalbum veröffentlicht, Roger Taylor sogar bereits zwei.

 

BOHEMIAN RHAPSODY

Aber die Mimik und die Bewegungen hat er perfekt drauf.  (© 20th Century Fox)

 

 

BOHEMIAN RHAPSODY IST GROßARTIG

„Worauf will mein liebster Blogschreiber nun hinaus?“, fragt ihr euch vollkommen zurecht. „Bohemian Rhapsody“ hat etliche Fehler und damit meine ich nicht nur die historischen Fakten. Im großen Finale ist die CGI teilweise ziemlich verwaschen, die Greenscreens sind deutlich erkennbar und den gesamten Film plagen etliche Längen. Und dennoch kam ich mit einem Lächeln aus dem Kino, was einzig und allein am furiosen Finale liegt. (Zuerst einmal: BUH, denn damals wurde auch „Crazy Little Thing Called Love“ und „We Will Rock You“ gespielt.) Aber was die Macher hier hinbekommen haben, war einfach nur gelungen. Die vielen dramaturgischen Freiheiten haben hier komplett funktioniert, Rami Malek hat den Freddy komplett verinnerlicht und die musikalische Performance ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. (Hier die Originalaufnahmen)

Dieses Finale hat mich den Film nochmal überdenken lassen und ihn als genau das zu sehen: Als Film! Plötzlich wusste ich Szenen wie die herrliche Montage zur Entstehung des Songs „Bohemian Rhapsody“ mehr zu schätzen. Ich konnte über den Mike Myers Cameoauftritt schmunzeln und sogar die unfassbar offensichtliche „Wayne’s World“ Referenz feiern. Und vor allem immer wieder darüber staunen, dass Brian May entweder einen Sohn oder sich selbst verjüngt hat. Wirklich, es ist unfassbar, wie ähnlich Gwilym Lee dem echten Queen Gitarristen sieht. Ein großes Lob gibt es auch für das Verwenden der Originalsongs. Das Neueinspielen hat bei „Walk The Line“ erstaunlich gut funktioniert, aber mit allem Respekt vor Johnny Cash: Einen Freddy Mercury kann man nicht kopieren!

Fazit: Als Geschichtsunterricht ist dieser Film vollkommen misslungen, das möchte ich hiermit nochmal ausdrücklich betonen. Aber zu Unterhaltungszwecken und zum Zelebrieren der Musik einer einzigartigen Band funktioniert „Bohemian Rhapsody“ auf ganzer Linie.

 

 

queen3

Für immer unerreicht: Das Original!

 

NACHSCHLAG: MUSIK!

Der OST des Films hat zwanzig Tracks. Da das bei einer so großartigen Band nicht ausreicht, bekommt ihr hier nochmal zwanzig weitere Lieder aus allen Schaffensperioden von Queen! Anhörpflicht für alle, die sie immer noch auf ihre (großartigen) 80er Hits reduzieren. Von denen natürlich auch einige in dieser Liste vertreten sind.

 

The March Of The Black Queen, The Fairy Feller’s Master Stroke, Seven Seas Of Rhye von „Queen II“ (1974)

Stone Cold Crazy, Flick Of The Wrist von „Sheer Heart Attack“ (1974)

’39, The Prophet’s Song, Death On Two Legs von „A Day At The Opera“ (1975)

Good Old Fashioned Lover Boy von „A Day At The Races“ (1976)

Save Me von „The Game“ (1980)

Flash von „Flash Gordon OST“ (1980)

It’s A Hard Life von „The Works“ (1984)

A Kind Of Magic, Princes Of The Universe, One Vision, Friends Will Be Friends von „A Kind Of Magic“ (1986)

I Want It All, The Miracle, Breakthru von „The Miracle“ (1989)

Innuendo von „Innuendo“ (1991)

 

4 Gedanken zu “Filmkritik: Bohemian Rhapsody

  1. Zu den Fehlern muss man vielleicht auch sagen, dass die mitunter sicherlich sehr bewusst eingebaut wurden, um den Flow des Films zu halten und vor allem, direkt klar zu machen, dass man sich hier nicht komplett an die Chronologie halten wird. Das baut man ganz gut mit den von dir angesprochenen Songs auf, die in den falschen Zeiten spielen. Dadurch kann man dann aber eben auch alles andere etwas vor- und zurückverlegen. Der Grund dürfte sein, dass man eben mit Live Aid enden wollte, um so einen Höhepunkt zum Schluss zu haben. Und das kann ich eigentlich nur begrüßen, denn dann noch eine halbe Stunde zuzschauen, wie Freddie langsam vor sich hinvegetiert und sich zu seinem Tod Quält, brauche ich nun wirklich nicht. Ich komme dann bei sowas doch viel lieber mit einem guten Gefühl aus dem Kino.

    Liken

      1. Jap, ich wollte das nur nochmal herausstellen, weil du in der Einleitung ja sagst, dass du „dramatische Veränderungen“ nicht magst. Hier war der Grund in meinen Augen aber eben auch noch ein anderer und durchaus sinnvoller.

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s