God Of War (2018) – Mit Axt, Bart und einem Sohne

„BOY… there will be spoilers!“

In aller Munde ist sie derzeit, die heiß erwartete Rückkehr der „God Of War“ Reihe! Was 2005 mit dem ersten Teil begann, hat sich mittlerweile zu einer Franchise entwickelt und aus dem Titelhelden Kratos eine DER Figuren der jüngeren Videospielgeschichte gemacht. Mit seiner epochalen Inszenierung, abwechslungsreichen Action und sicherlich auch der extremen Brutalität wurde Kratos Rachefeldzug gegen den gesamten Pantheon Griechenlands zu einem Riesenhit für Sony. Dennoch wurde es nach „God Of War III“ (2010) still um den „Ghost Of Sparta“, dessen Geschichte nur noch mit ein paar Prequels angereichert wurde. Storytechnisch hatten die Spieler mit der Reihe abgeschlossen. Wo sollte es nach dem Tod des Zeus, dem Untergang des Olymps und der (scheinbaren) Selbstopferung von Kratos schließlich noch hingehen? Die Antwort gab die E3 im Jahr 2016

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Ein Wort zum Spieler

Ich begleite die Reihe von Anfang an und gehöre zu denen, die 2005 von der brachialen Gewalt des Spiels förmlich überrollt wurden. Jeden Teil der Hauptreihe habe ich gespielt und geliebt, die PSP Ableger habe ich mangels der nötigen Hardware aber ausgelassen. Ebenso das Prequel „Ascension“, da sich mittlerweile deutliche Abnutzungserscheinungen am Spielprinzip abzeichneten. Nach allem was man so hört, soll der Titel auch der schwächste Ableger der Reihe sein. Wohl auch ein Grund, warum das neue „God Of War“ so eine radikale Abkehr von vielen Merkmalen des Franchise darstellt. Stört mich das? Keinesfalls, aber dazu kommen wir später.

Ich mag die Bezeichnung „Gamer“ nicht, aber Videospiele spiele ich schon seit meinem 7. Lebensjahr (Jahrgang 1982). Deshalb bin ich mit einigen Titeln der jüngeren Vergangenheit nicht so ganz vertraut, schon alleine weil ich sie aus zeitlichen Gründen nicht alle gezockt haben KANN. Zu SNES und PSX Zeiten hatte man eben einfach mehr Zeit, auch wenn ich sie mir heute immer noch gerne nehme. Mein Lieblingsgenre, die Rollenspiele, verlangt diese ja ohnehin immer in rauen Mengen. Verzeiht mir daher also, wenn ich GoW nicht auf jedes Detail abklopfe, was eventuell schon mal irgendwie in ähnlicher Form in anderen Titeln der jüngeren Vergangenheit vorgekommen ist. Ebenso wie eventuelle technische Macken, denn sie sind mir meistens einfach egal. Wenn ein Polygon nicht ganz scharf ist, kriege ich keinen Tobsuchtsanfall. Plötzlich auftauchende Objekte lassen mich eher schmunzeln. Und ein leichter Einbruch der Framerate ist für mich halb so wild, denn ich habe NES Spiele durchgespielt, deren Slow Downs locker zum Kochen eines Kaffees (oder damals noch Kakaos) reichten.

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Das Erforschen macht Spaß, aber weniger „Hake Dinge ab“ Quests wären schöner gewesen

Was man kritisieren kann(!)

Das neue „God Of War“ ist der „bodenständigste“ Teil der Reihe! Es mangelt keinesfalls an epischen Szenen (der Drache, das Finale!), aber gerade im Vergleich zum totalen Overkill von „God Of War III“ wirkt der neue Teil schon fast dezent. Einigen Spielern dürfte dieses Element abgehen, sie sollten aber bedenken, dass wir hier gerade mal den Start einer neuen Reihe gesehen haben. Wahrscheinlich ist deshalb auch der Soundtrack weniger bombastisch als früher ausgefallen und erinnert eher an das großartige „The Witcher III“.

Was sich neben dem Gameplay aber am meisten verändert hat, ist die Hauptfigur Kratos selbst! Noch immer geht er äußerst rabiat zur Sache, aber er ist nicht mehr die uns bekannte hasserfüllte Figur. Erkennbar wird dies auch durch seinen neuen Synchronsprecher, der die Rage der Figur wesentlich subtiler rüberbringt. Zugegebenermaßen muss er Kratos Zeilen aber auch nicht mehr zu gefühlt 75% laut herausschreien.

Das sind aber alles keine wirklich schlimmen Aspekte eines großartigen Titels, man muss sich nur an sie gewöhnen. Lediglich mit dem Sammelquests hat man es leider wirklich übertrieben, aber das Problem hat GoW ja beileibe nicht exklusiv. Und ein paar mehr Gegnertypen wären auch ganz schön gewesen…

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Drei Dinge, die „God Of War“ absolut richtig macht

Als erstes sei das offensichtlichste genannt: Die Präsentation! Die Reise von Kratos und seinem Sohn erleben wir von Anfang bis Ende hautnah mit und erreicht wird das mit einem simplen, wie effektiven Detail: Die Kamera bleibt stets nah an den Helden! Natürlich wird alles durch geschickte Fahrten und Zooms cineastisch eingefangen, aber im Prinzip erforschen wir die Spielwelt komplett durch die Augen unserer Figuren. Wenn man dann noch eine wirklich hervorragende Grafik präsentieren kann, erschafft man eine fantastische Immersion.

Ein Spiel steht und fällt aber mit dem Gameplay und hier macht es einem „God Of War“ in den ersten zwei Stunden nicht unbedingt leicht. Schon auf „Normal“ können die Kämpfe zuweilen knackig werden und den ein oder anderen Bildschirmtod sollte man schon einplanen. (Ja ja, ihr coolen Hardcore-Gamer, ihr seid alle viel besser und habt es direkt mit verbundenen Augen durchgespielt, ich weiß!) Was das Kampfsystem aber so großartig macht, ist seine Tiefe. Man muss es erlernen, sich auf die Gefahren einstellen und mit den Fähigkeiten beider Figuren arbeiten. Und wenn das erstmal so richtig „flutscht“, stellt sich die tiefe Befriedigung ein, wenn man seine Axt schleudert, Gegner zerteilt und mit den Runen flächendeckende Effekte auslöst. Denn auch wenn Kratos nicht mehr so ganz bestialisch brutal wie früher ist (fragt mal Helios und Poseidon!), zimperlich ist der ehemalige Kriegsgott keinesfalls geworden.

Und nun „muss“ ich wieder in eine sehr subjektive Sichtweise wechseln, denn es gibt einen Aspekt, den ich an „God Of War“ am meisten liebe: Zum ersten, zum wirklich allerersten Mal ist mir Kratos sympathisch geworden! Ja, ich liebe die alten Teile und habe sie auch dementsprechend abgefeiert. Kratos selber fand ich aber stets nur wegen seinen Fähigkeiten cool, nie wegen seiner Motivation. Seinen Hass auf Ares im ersten Teil kann ich noch nachvollziehen, auch wenn er es sich immer etwas einfach gemacht hat. Ja, Ares hat seine Familie dort platziert, aber im Blutrausch niedergemetzelt hat der gute Spartaner sie immer noch selber. Von seinem Abschlachten der restlichen Götter und dem damit verbunden Untergang Griechenlands will ich gar nicht erst anfangen. (Spaß hat es ja dennoch gemacht, Zeus den faltigen Götterhintern zu versohlen!)

2018 sehen wir Kratos als in sich gekehrten Mann, der gerade abermals eine Frau verloren hat und sich nun um seinen Sohn kümmern muss. Das Kind als essentielle Nebenfigur, sehr oft ein Stolperstein in verschiedenen Medien, funktioniert hier erstaunlich gut. Atreus gibt sein Bestes, um seinem strengen Vater zu imponieren, was ihm nach langen Spielstunden auch endlich gelingt. Parallel dazu taut auch der grummelige Kratos immer mehr auf, wird aber natürlich nie zu großen Scherzen aufgelegt sein. Vielleicht liegt es daran, dass auch ich älter geworden bin, aber mir gefällt diese Charakterzeichnung sehr gut. Unbezahlbares Highlight: Kratos offenbart seinem Sohn endlich seine Herkunft und das sie beide Götter sind. Ablehnung erwartend bekommt er einen herrlichen „WTF?“ Gesichtsausdruck, als Atreus ihn (ganz kindlich) fragt, ob das bedeutet, dass er sich in ein Tier verwandeln könne. Am Ende der langen Reise sind Vater und Sohn übrigens endlich ein richtiges Team…. ein verdammt gefährliches Team, wie der Rest der nordischen Götter sicher herausfinden wird, wenn sie ständig Kratos Haus einreißen. (R.I.P. Thor!)

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„Ich offenbare mein größtes Geheimnis und du willst WAS wissen?!?“

Oh, und der ultimative „FUCK YEAH!“ Moment ist natürlich der, als Kratos sich die gottverdammten BLADES OF CHAOS (!!!!) wieder umschnallt und sie dann auch noch im neuen Kampfsystem so wunderbar funktionieren. Und nun entschuldigt mich, ich muss  den restlichen Valkyries die Flügel ausreißen!

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MÄNNLICH!!!

3 Gedanken zu “God Of War (2018) – Mit Axt, Bart und einem Sohne

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