(Eine viel zu späte) Filmkritik: Star Wars – The Last Jedi

Bevor es ans Eingemachte geht, sollen noch einige Dinge gesagt sein. Erstens hatte ich bis heute Episode VIII wirklich nicht gesehen (siehe den Kinorückblick 2017), da ich nicht mehr in Münster wohne und leider kein Kino mit O-Ton Vorstellungen in der Nähe habe. (Ja, was das angeht bin ich recht eigen.) Zweitens ging ich natürlich dennoch nicht ganz unwissend an den Film heran, denn gewisse Plotelemente bekommt man einfach mit, selbst wenn man nicht danach sucht. Aus diesem Grund ist mir natürlich auch bewusst, wie zwiespältig Episode VIII aufgenommen wurde. Es war mir klar, dass „The Last Jedi“ wesentlich mehr Risiken wagte als der Vorgänger. Zu dem ich vielleicht auch noch kurz etwas sagen sollte…

Ich mag „The Force Awakens“! Der Film wiederholt viele altbekannte Storyelemente, nicht alle neuen Figuren funktionieren und der OST ist (von den altbekannten Melodien mal abgesehen und dem schönen „Rey’s Theme“) leider eines der schwächeren Werke von Großmeister John Williams. Alles korrekt, aber am Ende des Tages kam ich damals aus dem Kino und hatte das Gefühl 135 Minuten in der Welt von Star Wars gewesen zu sein und das reicht mir am Ende des Tages völlig aus. Rey und Kylo finde ich klasse, den schockierenden Tod von Han stark in Szene gesetzt und die Lichtschwerter wirkten so, als täten sie richtig weh. Ich muss aber zugeben, dass ich danach noch nicht wieder den Impuls hatte VII nochmal in den Player zu schmeißen. „Rogue One“ fand ich übrigens super, das nur am Rande.

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Kämpfe kann die neue Trilogie! © Walt Disney Pictures/ Lucasfilms

Und nun, der Main Event: „The Last Jedi“ ist….. okay. Regisseur Rian Johnson hat dem Mittelstück der dritten Star Wars Trilogie unverkennbar eine eigene Note aufgedrückt. Fast wirkt es so, als wollte er sich vom Vorgänger distanzieren und bewusst Fanerwartungen unterlaufen.

„Oh mein Gott, wer ist Snoke? Ist er gar Darth Plagueis?“ Nö, er ist ein generischer Bösewicht, der in seiner zweiten großen Szene direkt getötet wird.

„Wer sind Reys Eltern? Ist sie eventuell mit Obi Wan verwandt?“ Mitnichten, sie ist einfach ein Niemand.

„Aber Captain Phasma wird doch nun endlich richtig aufräumen, oder?“ MUHAHAHA!

„Wird Luke Rey ausbilden und damit sein Training bei Yoda spiegeln?“ Nein, er ist ein griesgrämiger alter Eremit und säuft blaue Milch aus den Zitzen eines Seekuh…wal…dings.

Gut, Snoke wirkte immer recht austauschbar und warum sollte nicht mal ein Niemand die große Heldin werden? Das waren mutige Entscheidungen und so ganz abgeschlossen dürfte das Kapitel um Reys Herkunft wohl auch noch nicht sein. Trotzdem wirkt Episode VIII kaum wie ein Star Wars Film, sondern wie der Versuch sich möglichst weit von der Mythologie der Reihe zu entfernen. Und das ist stellenweise hochinteressant, wie die gemeinsamen Szenen von Rey und Kylo Ren zeigen. Wird der ewige „Licht gegen Dunkel“ Zyklus gebrochen und eine neue Ordnung etabliert? Kurz gesagt: Nein, am Ende heißt es wieder Gut gegen Böse und mit Luke lässt man das nächste Gesicht der Reihe (scheinbar) über die Klinge springen. Aus dem vorhandenen Potential wird leider nur sehr wenig gemacht, vor allem weil Abrahms für Episode IX wieder Regie führen wird.

„The Last Jedi“ macht es einem nicht leicht und die wahnsinnig enttäuschten Fans sind durchaus zu verstehen. Trotzdem sieht der Film wieder toll aus, der Kampf in Snokes Thronsaal ist grandios, Mark Hamill liefert (abseits der furchtbaren Comedysequenzen, die das gesamte Script plagen) eine der besten Leistungen seiner Karriere ab und Poe Dameron ist zwar Han Solo light, aber immerhin macht er das gut. Des weiteren kann man jeden Star Wars Fan der Lüge bezichtigen, der beim Treffen von Luke und Leia angeblich KEINEN Kloß im Hals hatte. Da verzeiht man auch mal die Szene, in der sie wie Mary Poppins durchs All fliegt.

luke leia

Eine wunderbare Szene aus dem „Making Of“

Das hier ist schon wieder länger geworden, als es sollte. Daher nur ein paar abschließende Worte: VIII ist kein Supergau, sondern solide gemachtes Blockbuster Kino mit kleinem Star Wars Bonus. Mir persönlich ist das am Ende des Tages doch zu wenig und daher wird „The Last Jedi“ wohl ebenfalls nicht mehr oft den Weg in ein Abspielgerät meiner Wahl finden. Schade drum, im Endeffekt ist die gefürchtete „Verfranchisung“ durch Disney wohl doch eingetreten. Eine Serie, eine neue Trilogie, „Solo“, weitere Anthology Filme…. die Kuh muss gemolken werden!

Wie sagten die hochgeschätzten Kritiker von „Red Letter Media“ so passend:

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Ein Gedanke zu “(Eine viel zu späte) Filmkritik: Star Wars – The Last Jedi

  1. Ich bin ja einer aus der Fraktion „das ist jetzt mein drittliebster Star Wars“ Film aber der Idee, dass Star Wars nix besonderes mehr ist muss ich wohl zustimmen. Es wird immer weniger „besonders“ werden, je länger wir einen jährlichen Film und dazugehörige Fernsehserien bekommen. Ich frage mich wie lange Disney das durchziehen will aber zumindest drei weitere Trilogien sind ja schonmal geplant… Die (See-)Kuh muss gemolken werde, wie Du sagst.

    PS: Die Szene war trotzdem gut, Luke wollte Rey halt genug anwidern, dass sie sich wieder verzieht. Und das Seekuh-Dings hilft indem es ihr direkt ins Gesicht schaut… 😉

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