Unforgotten: Platten aus der zweiten Reihe

Bisher ist die Musik auf meiner Seite eindeutig zu kurz gekommen, was bei ihrer Bedeutung in meinem Leben schon verwunderlich ist. Zumal meine ersten im Internet veröffentlichten Texte für Online-Magazine geschrieben wurden und sich, zugegeben, heute eher gruselig lesen. Inspiriert durch das wirklich starke Musikjahr 2017 fing das alte Jucken in den Fingern dann aber doch wieder an und ich überlegte, wie ich es gut in das lose Konzept meiner Seite einarbeiten konnte. Reviews von aktuellen Platten zu schreiben schied von vornherein aus, denn dafür gibt es bereits unzählige Seiten, die von professionelleren Leuten als mir betrieben werden und wirklich tolle Arbeit abliefern. Ich möchte euch daher Platten aus meiner Sammlung vorstellen, die vielleicht ein wenig unter dem Radar fliegen. Wahren Kennern werde ich wohl nichts Neues erzählen, aber das ist auch nicht mein Anspruch. Ich möchte Alben ein wenig ins Rampenlicht stellen, die es meiner Meinung nach verdient haben und die mir persönlich viel Freude bereitet haben. Dabei kenne ich keine Genregrenzen und scheue mich auch nicht vor verhassten Platten großer Bands. Ein Beispiel: Ich höre fast jedes Album von Metallica sehr gerne, gerade „Load“/“Re-Load“ sind wesentlich besser als ihr Ruf. Belehrend soll dieser Text aber nicht werden; wenn ich euer Interesse wecke, reicht mir das vollkommen. Und über Tipps von eurer Seite freue ich mich natürlich!

 

ashbury

Ashbury – Endless Skies (1983) Stil: Progressive Hard Rock

Erstmals gehört habe ich dieses Album beim seit 2002 existierenden Metallstammtisch in meinem ehemaligen Wohnort Münster und trotz der stets fröhlichen Gespräche (geht hin, wenn ihr in der Nähe seid – jeden Donnerstag im Buddenturm) hat mich die Musik direkt fasziniert. Eine ganz eigene Mischung aus Southern Rock, klassischem Hard Rock und leichten progressiven Einflüssen haben Ashbury damals zusammengebastelt und es mit einem Sänger gekrönt, der unheimlich nach Ian Anderson (Jethro Tull) klingt. Kein Wunder, dass die Platte heute bei Kennern Kultstatus genießt. Anspieltipps: Der Opener „The Warning“ und die sich langsam steigernde Ohrwurmgarantie „Madman“.

 

genesis

Genesis – Calling All Stations (1997) Stil: Hard Rock

Nein, Genesis haben es sich mit diesem Album nicht leicht gemacht. „Calling All Stations“ wird auch wohl das letzte Album der Prog-Legende bleiben, die mit Phil Collins als Sänger sehr in die (gute) Pop-Schiene gerieten. Nachdem Collins die Band verlassen hatte, stellte man den Schotten Ray Wilson vors Mikro, der mit seiner alten Band Stilskin immerhin den Singlehit „Inside“ vorweisen konnte. Herausgekommen ist am Ende ein für Genesis-Verhältnisse recht melancholisches, zuweilen gar leicht düsteres Album, was Wilsons rauer Stimme natürlich perfekt entgegen kommt. Es ist nicht alles gelungen, „Calling All Stations“ hat einige Aussetzer wie das furchtbar kitschige „Shipwrecked“ zu bieten. Aber eben auch Ohrwürmer wie „Congo“, das 9 Minuten lange „One Man’s Fool“ und vor allem den alles überragenden Titeltrack, den ich mindestens in die Top 100 meiner Lieblingssongs packen würde.

 

dark forest

Dark Forest – Beyond The Veil (2016) Stil: Heavy Metal

Ich hoffe, ihr merkt dass ich mich gegen allzu verworrene Genrebezeichnungen sperre. Dark Forest aus England sind ein Musterbeispiel dafür, wie weitgefächert der Heavy Metal sein kann. Ihre Musik ist hochmelodisch, aber keinesfalls kitschig. Sie ist unheimlich facettenreich, aber nicht sperrig. Und wenn man nicht aufpasst, reißt sie einen aus der Welt hinaus. Dark Forest haben in dieser Hinsicht viel von den ebenfalls großartigen Atlantean Kodex und verlangen Aufmerksamkeit vom Hörer, will man in ihre folkig angehauchte Metalwelt abtauchen. Es ist eine Reise, die sich lohnt; mein Album des Jahres 2016 landet euch heute noch regelmäßig im Player oder in der Playlist. Ein wunderbares Meisterwerk, was am besten im Gesamtkontext funktioniert. Wer aber einen kurzen Eindruck braucht, gönnt sich „Where The Arrow Falls“ und freut sich auf das überlange Epos „The Lore Of The Land“!

 

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Black Sabbath – Born Again (1983) Stil: Hard Rock

Auf dem Papier klingt die Mischung in den 80ern nach einer Gelddruckmaschine: Deep Purple Frontmann Ian Gillan singt bei Black Sabbath! Aufgenommen wurde „Born Again“ dann aber eher zwiespältig, was sicher auch am potentiell abgrundtief hässlichsten Cover der Rockgeschichte liegt. Was war denn da bitte los, Jungs? Egal, die Musik überzeugt dafür umso mehr. Der energische Opener „Thrashed“ und das rockige „Digital Bitch“ zeugen vom Spaß, der damals in der Band herrschte. Gillan bezeichnete seine Zeit mit Iommi und Co. später als „die wildesten zwei Jahre meines Lebens, an die ich mich kaum erinnere.“ Den groovigen Ohrwurm „Zero The Hero“ haben sich Jahre später übrigens mal Cannibal Corpse vorgenommen und das gar nicht mal so übel. Wenn das nicht für Massenkompatibilität steht?!

 

Übrigens: Genauso, wenn nicht sogar noch unterbewerteter ist die gesamte Zeit der Band mit Tony Martin am Mikro. Wer da mal mehr als „Headless Cross“ hören möchte, sei das Album TYR wärmstens ans Herz gelegt.

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Fiddler’s Green – King Shepherd (1995) Stil: Folk Rock

Die Erlanger sind heute immer noch eine genauso tolle und sympathische Band wie damals! Im Laufe der Jahre bekamen die Gitarren in ihrem Sound eine immer stärkere Bedeutung, was auf ihren ersten Alben noch nahezu gar nicht der Fall war. Als Beispiel dafür habe ich mir ihr drittes Werk „King Shepherd“ ausgeguckt, eine Platte voller Ohrwürmer und bis heute einer meiner Favoriten der Band! „Lanigan’s Ball“, „Hip Hurray“, „Market Day“, „Stay By My Side“, „Tribal Dance“, „The Mermaid“, „Worker’s Song“ und natürlich „Little Beggarman“ funktionieren heute eben noch genauso wie vor 23 Jahren und würden auch heute noch jeden Saal zum kochen bringen. Also neben den ganzen anderen großartigen Songs der Band, natürlich. Hört niemals auf, Jungs!

 

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I – Between Two Worlds (2003) Stil: Heavy Metal

Genug getanzt, schwingt die Haare! Das selten dämlich betitelte Soloprojekt des damaligen Immortal Frontmanns Abbath steckt sein kürzlich erschienenes Soloalbum immer noch locker in die Tasche. Und wenn ich fies sein darf: Auch viele Alben seiner ehemaligen Hauptband! Abbath hat aus seiner Liebe für Motörhead nie einen Hehl gemacht und hier lebt er sie mal so richtig aus. Wie in seiner Coverband knarzt er sich wie sein Vorbild durch die Songs, ohne seinen charakteristischen Klang zu verlieren. Zwischen all den klassischen Heavy Metal Riffs haben Demonaz und er es aber dennoch geschafft, ein wenig von der nordischen Kälte ihrer Heimat zu verstecken und werden dem Albumtitel so mehr als gerecht. Quasi so, als hätte Lemmy sich mal in einem norwegischen Wald verirrt…

 

Anspieltipps? Das ganze verdammte Album, aber startet mal mit „Warriors“ und „The Storm I Ride“!

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John Carpenter – Anthology (2017) Stil: Soundtrack

John Carpenters letzter großer Film mag schon eine Weile zurückliegen, aber dennoch ist er einer der größten Filmemacher unserer Zeit. Ich gedenke, ihn zu seinem kürzlichen 70. Geburtstag mit einer kleinen Retrospektive zu würdigen. Auflegen werde ich dazu höchstwahrscheinlich dieses wunderbare Album, das vielleicht nicht ganz in das Thema dieses Textes passt, ich aber unbedingt erwähnen wollte. Carpenters Filme zeichneten sich stets auch durch ihre Musik aus, die meistens vom Meister selbst komponiert wurde. Jeder kennt das Theme von „Halloween“ und auch „The Fog“ oder „Christine“ dürften die meisten Leute noch im Ohr haben. Und da Carpenter seit kurzem mit seiner Band durch die Lande zieht und seine Musik auf die Bühne bringt, war dieses Album wohl nur eine Frage der Zeit. Wie es in der Natur der Sache liegt, funktionieren natürlich nicht alle Neueinspielungen. „The Thing“ verliert bspw. viel der bedrohlichen Kälte des Originals von Enio Morricone, der damals unverständliche Weise eine goldene Himbeere für dieses Meisterwerk bekam. Dafür verleiht die Band „The Fog“, „In The Mouth Of Madness“ und sogar dem ikonischen „Halloween“ Theme neue Aspekte, die den Liedern ganz und gar nicht schlecht zu Gesicht stehen.

 

Albumhighlights: „Assault On Precinct 13“ und das mit einem sehr stylischen Videoclip versehene „Christine“

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Mithotyn – Gathered Around The Oaken Table (1999) Stil: Viking Metal

Nichts gegen Amon Amarth, das sind sympathische Kerle mit einigen starken Songs. Aber die Könige des Viking Metal bleiben für mich die viel zu früh von uns gegangenen Mithotyn um Gitarrist Stefan Weinerhall. Deren drittes Album „Gathered Around The Oaken Table“ sollte nämlich leider auch das letzte bleiben, was man von diesem speziellen Drachenboot hören sollten. Eine Schande, denn das war klar ihr bestes Werk! Nachdem auf den beiden Vorgängern noch nahezu durchgängig Vollgas gegeben wurde, entdeckte man hier das Midtempo und cleane Chöre für sich. Das Endresultat kann man sich so vorstellen, als hätten Running Wild plötzlich Bock auf tiefer gestimmte Gitarren und Wikinger bekommen. Hart, abwechslungsreich, eingängig und mit ganz dezenten Folk Einflüssen – beim Hören von „Gathered….“ hat man direkt den Geschmack von Met im Hals. Am besten gleich mal mit „Guided By History“ und „In The Clash Of Arms“ ausprobieren, um dann bei der Ballade (!) „The Old Rover“ in den Gedanken an siegreiche Schlachten zu schwelgen!

 

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Falconer – Falconer (2001) Stil: Power Metal

Und nochmal Stefan Weinerhall, der nach dem Ende von Mithotyn schnell eine neue Band am Start hatte. Power Metal sollte es werden und mit Mathias Blad sang dort ein Mitglied der schwedischen Staatsoper. Mit Metal hatte dieser nach eigener Aussage rein gar nichts am Hut, aber die Zweifel der Fans sang er einfach weg. Sein klarer, ausdrucksstarker Gesang passte perfekt zu Weinerhalls neuen Kompositionen, die im Endeffekt gar nicht so weit vom Material der Vorgängerband entfernt waren. Das macht „Falconer“ zu einer einzigartigen Platte, die die Band auch nie wieder toppen sollte. Ist mit Songs wie „Mindtraveller“, „Upon The Grave Of Guilt“ oder „The Quest For The Crown“ wahrscheinlich auch schlicht unmöglich…

 

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