Der alte Mann und die TARDIS – Eine Liebeserklärung an Peter Capaldi (Doctor Who Rückblick Teil 4)

Wie ich im vorletzten Teil dieser Reihe ankündigte, erfolgt erst nach der Ausstrahlung des Weihnachtsspecials ihr (vorläufiger?) Abschluss. Um genau zu sein, ist es gerade mal 15 Minuten her seit ich das erste Mal den 13. Doktor auf dem Bildschirm gesehen habe. Daher stehe ich noch unter ziemlich frischen Eindrücken dieser wirklich großartigen Folge und sollte eigentlich auch dringend ins Bett. Aber wofür sind die Feiertage denn da, wenn man die freie Zeit nicht ein wenig nutzt? 

Ach ja, damit das leidige Thema direkt aus dem Weg ist: Schockschwerenot, ein weiblicher Doktor. So erledigt, bewertet wird Jodie Whitaker dann nur noch aufgrund ihrer Leistung und der Qualität der Drehbücher und nicht ob der Doktor ein y-Chromosom hat oder nicht.

thriteen

Willkommen an Bord! (©BBC)

 

 

Gedanken zum zwölften Doktor

Ich startete mit Christopher Eccleston und fand ihn grandios. Schnell musste ich ihn gehen lassen, aber David Tennant hatte mich innerhalb kürzester Zeit mit seiner herrlichen Art auf seine Seite gezogen. Matt Smith ragte dann wie ein Leuchtfeuer aus den für mich häufig eher mittelmäßigen Geschichten heraus und auch das kurze Gastspiel von John Hurt wusste zu überzeugen, weil es eben verdammt nochmal John Hurt war! Und nachdem ich mich gerade von Twelve verabschieden musste, kann ich mit Fug und Recht sagen: Ich könnte niemals DEN Doktor wählen! Capaldi reiht sich nicht nur nahtlos in die Riege denkwürdiger Darsteller ein; er ist quasi ein „Best Of“ mit großer eigener Note. Enthusiastisch wie Tennant, variantenreich wie Smith und zuweilen sarkastisch wie Eccleston hat Capaldi seinem Doktor eine stellenweise sehr zynische Note verliehen. Das macht Twelve für mich als Charakter auch zum interessantesten seit Nine. Dieser trug das Trauma des Überlebenden mit sich herum und wurde durch Rose erst langsam zugänglicher. Gleiches gilt für Capaldis Doktor, dessen zentrale Frage zu Beginn „Am I a good man?“ lautete. Das Helfen ist zwar weiterhin seine Motivation und sein Antrieb, aber der Doktor war kühl und berechnend geworden. Nur durch Claras Hilfe begann er sich zu öffnen, was durch ihren Tod beinahe zunichte gemacht wurde. Aber am Ende des Tages ist der Doktor natürlich immer noch der Doktor! Und in seiner (offiziell) zwölften Inkarnation auch noch verdammt schick angezogen…

nintchdbpict000197824805

Vielleicht mein liebstes Doctor/Companion Gespann (©BBC)

Gedanken zu Series 8-10

Im Nachhinein betrachtet war  Capaldis erste eine wirklich gute Staffel, mit starkem Start und Abschluss. In der Mitte zog sie sich ein wenig, was für mich vor allem am eher langweiligen Charakter Danny Pink und an Claras ständigem Hadern lag, ob sie den Doktor weiter begleiten will. Dafür gefiel mir der rote Faden der Staffel mit dem Fokus auf Missy und ihrer ungeklärten Identität außerordentlich gut. Viel dazu beigetragen hat natürlich Michelle Gomez, die in dieser Rolle vollkommen aufgeht und eine fantastische Chemie mit Capaldi hat. Den Plan mit den Cybermen fand ich an sich auch ziemlich clever, nur werden sie, überspitzt ausgedrückt, schon wieder mit der Kraft der Liebe besiegt. Schade drum, aber immerhin sind wir Danny Pink schnell wieder losgeworden. Über dieses seltsame Weihnachtsspecial mit Nick Frost sage ich mal besser nichts, denn da sollten ja noch weit bessere Folgen.

Series 9 sollte die letzte Staffel von Clara werden, was ich sehr bedauerte. So wie ich mitbekommen habe, ist sie bei der Fanbase teilweise äußerst verhasst. Ich aber mochte ihre Art dem Doktor auch mal contra zu geben sehr, weil sie mich sehr an Donna und Rose in Series 1 erinnert hat. Also Clara: Du zählst mit den beiden genannten zu meinen liebsten Begleitern und es war sehr schön, dass wir dich im letzten Abenteuer von Twelve nochmal gesehen haben.

Die Staffel selber hatte weniger einen roten Faden als die vorherige. Es gab so gesehen kein Mastermind im Hintergrund oder eine große Bedrohung, die gestoppt werden musste. Der Fokus lag mehr denn je auf der Entwicklung der Titelfigur und bescherte uns zum Beispiel den grandiosen Zweiteiler zu Beginn, wo wir ein Wiedersehen mit Davros genießen durften. Kulminieren tut alles für mich in der vorletzten Folge „Heaven Sent“, in welcher der Doktor durch pure Entschlossenheit eine unfassbare Zeitspanne überdauert, schlicht für die wage Chance Clara vielleicht doch noch zu retten. Nur um sie dann zu vergessen…

9658299-low-1

Eine von Capaldis besten Leistungen – die Folge „Heaven Sent“ (©BBC)

Ich tue Series 10 wahrscheinlich unrecht, aber ihr müsst bedenken, unter welchen Umständen ich sie gesehen habe: Am Ende eines intensiven Doctor Who Marathons! An sich macht sie nämlich nicht viel falsch und dennoch blieb sie mir kaum im Kopf. Es gibt spannende neue Feinde, Bill und Nardole sind ein witziges Companion Team und Capaldi macht wie immer auch aus schwachen Skripts noch das Optimum. Das größte Manko von Series 10 war aber das Marketing! Warum zum Henker verrät man die Rückkehr von John Simm im Vorfeld? Was wäre das für ein Schocker gewesen! Trotzdem ist das Zusammenspiel von Master und Missy natürlich das absolute Highlight dieser Staffel und ihr Ende mit dem Auftauchen des ersten Doktors natürlich ein toller Cliffhanger.

masters

I waited for…. yooooouuuuuuuu! (©BBC)

High- und Lowlights

Trotz der starken Ansprache von Clara: Die Folge „Kill The Moon“ ist von der Prämisse her selbst für dieses Universum total bescheuert. Gleiches gilt für die Roboter, die sich mit Emoticons verständigen. Sorry, die haben mir gar nicht gefallen. Ebenso die „sonic sunglasses“, deren Unterhaltsamkeit sich leider sehr schnell abgenutzt hatte. Claras Beziehungsprobleme in Series 8 hatte ich ja bereits erwähnt. Eine weitere Enttäuschung war der Charakter Ashildr, der eine gute erste Folge hatte und dann schnell zu nerven begann. Das lag auch an Maisie Williams, so leid es mir tut.

Auf der Habenseite gibt es glücklicherweise wesentlich mehr zu vermelden. Alle Momente, in denen Capaldi alles auf dem Bildschirm lassen kann sind ohne Ausnahme Highlights! Er hat dann ein wenig was von William Shatner, nur eben mit… ihr wisst schon… Talent. Als Beispiel seien sein Gespräch mit Davros und seine Rede während der Zygon Invasion genannt. Oder der Moment, als er erkannt wie er zu seinem Gesicht kam. Oder wie er Clara ihren Verrat verzeiht. Oder klar stellt, dass er „the man who stops the monsters“ ist. Oder eben auch mal witzig sein kann, wie bei bei seinem Duell mit Robin Hood, als Hausmeister oder im fantastischen Weihnachtsspecial „The Husbands Of River Song“. Oder… oder…. oder…..

flatline

Einfach nur, weil ich diese Szene aus „Flatline“ liebe! (©BBC)

Womit wir ja eigentlich wieder beim Anfang wären…

Twice Upon A Time“ ist tatsächlich auf einem Level mit „The Husbands…“, was ja auf meiner Liste der Lieblingssfolgen ganz weit oben landete. Ich bin mit der Lore des ersten Doktors überhaupt nicht vertraut und kann daher nicht beurteilen, wie gut David Bradley ihn getroffen hat. Ich liebe aber, wie immer wieder mit den…. nennen wir es „anderen gesellschaftlichen Konventionen“ der damaligen Zeit gespielt wurde und wie geschockt Twelve jedesmal reagiert. Außerdem habe ich meinen Wunsch bekommen und Rusty wiedergesehen. Mit ihm als flüchtigem Dalek hat man für die Zukunft eine interessante Figur geschaffen, die hoffentlich nochmal aufgegriffen wird. Und zur Regeneration muss man zwar ohnehin nicht mehr viele Worte verlieren, ich tue es trotzdem. Wie die gesamte Episode hindurch, hat man hier massiv die Musik aus vergangenen Tagen eingesetzt. „All The Strange, Strange Creatures“ hörte man zu Beginn, während Capaldis wunderbarer letzter Rede lief nicht sein heroisches „A Good Man?“ Theme, sondern das aus dem Finale der „Heaven Sent“ Folge. Und um das Ganze abzurunden, sehen wir Jodie Whitakers Thirteen zum ersten Mal zum Theme von Nine bzw. dem des „Bad Wolf“ – meisterhaft gemacht. Nur die Tardis ist schon ein gemeines Miststück. Eleven hatte sie z.B. immerhin auf dem Boden herausgeworfen, um sich zu redekorieren, Thirteen hat da weniger Glück.

Persönlicher Rückblick auf die Zeit mit dem Doktor

Mein Jahr 2017 war in popkultureller Sicht ziemlich von Doctor Who geprägt. Wer mich kennt, weiß wie schwer ich mich tue mit Serien anzufangen. Dem Timelord mit seiner Telefonbox wollte ich aber immer eine Chance geben und ich bin froh, dass ich es getan habe. Es ist eine wahnsinnig toll geschriebene Serie mit vielen wunderbaren Darstellern, die es immer wieder schafft sich neu zu erfinden und dennoch in ihrem Kern treu zu bleiben. Und das ist über einen Zeitraum von über 50 Jahren mehr als beeindruckend. Bin ich nun ein Whovian? Keine Ahnung, aber ich bezeichne mich auch nichts als Trekkie/Trekker, obwohl ich diesem Universum schon nahezu mein ganzes Leben verbunden bin. Aber wahrscheinlich bin ich es, die Serie steht schon teilweise in meinem Regal und mein Hirn ist voll von Trivialwissen. Und wie dieses Fundstück beweist, bin ich ja eigentlich schon seit 2008 Fan!

whomoonsault

Aus dem Moonsault Forum

Ich hoffe alle Leser hatten ein schönes Weihnachtsfest und rutschen gut ins neue Jahr, um den neuen Doktor würdig zu begrüßen. Ich werde es tun!

3 Gedanken zu “Der alte Mann und die TARDIS – Eine Liebeserklärung an Peter Capaldi (Doctor Who Rückblick Teil 4)

  1. Woah, das nenne ich eine umfassende Rückschau 😀
    Dass sie den vorherigen Auftritt Capaldis aufgreifen und so gut in die Serie integrieren war definitiv einer der richtig guten Momente der Staffel.
    Ich muss aber gestehen, dass ich mich manchmal etwas schwer mit Capaldis Doctor getan habe. Zumindest in der 10. Season war mir seine Entwicklung zu seicht und stand für mein Empfinden zu sehr hinten an, obwohl ich ihn weitaus mehr geschätzt habe als Matt Smith. Obwohl er ein großer Favorit der Fanbase war, war er für mich nie so richtig der Doctor. Mir fehlte so ein Hauch Weisheit, er wirkte immer etwas zu planlos für meinen Geschmack. Ecclestons Doctor hatte dagegen eine viel zu kurze Dienstzeit …

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s