Besondere Momente…bei Stephen King

Nach einem langen Umzug bin ich nun endlich wieder in der Lage, meine kleine Seite zu füttern. Ich habe einige Texte in Vorbereitung, starten möchte ich aber aus aktuellem Anlass mit einem über Stephen King, den ich durchaus als meinen Lieblingsautor bezeichnen würde. Und bevor ihr euch wundert: Nein, den unheimlich erfolgreichen „IT“ habe ich noch nicht sehen können. Sobald ich das geschafft habe, werde ich sicher etwas dazu schreiben. Falls sich jemand für meine Meinung zur alten Verfilmung interessiert, klickt er einfach mal hier.

Was ist heute das Thema? Eine Auflistung meiner Lieblingsbücher erschien mir zur simpel. Dann dachte ich an meine Lieblingscharaktere, aber auch die Idee habe ich schnell wieder verworfen. Schließlich habe ich mir die Frage gestellt, warum mich Kings Werke so faszinieren. Und plötzlich war es mir klar: Mir fielen unheimlich viele Momente aus diversen Büchern ein, die seinen Geschichten Leben gaben. Daher folgen nun, ohne Reihenfolge, die Momente und Storystränge, die Stephen Kings Lebenswerk aus meiner Sicht definiert haben. Ich wünsche viel Spaß und würde mich über eure Favoriten in den Kommentaren auch sehr freuen. Gerne auch von anderen Autoren!
Eine kleine Warnung vorweg: Spoiler werden sich nicht vermeiden lassen, ich werde sie aber möglichst gering halten.

 

THE MAN IN BLACK FLED ACROSS THE DESERT, AND THE GUNSLINGER FOLLOWED (SCHWARZ)

Das erste Buch des grandiosen „Der Dunkle Turm“ Zyklus ist von diversen Problemen gezeichnet. Aber diese Zeile, diese eine Zeile leitet eine großartige Reise ein und versetzt mich jedes Mal wieder direkt in Roland Deschains Welt. Ich spüre die Hitze der Wüste, die Kälte unter dem Felsmassiv und Rolands Seelenleben beim Massaker von Tull.

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(Zum Film habe ich mich hier ja schon genug ausgelassen.)

 

PATRICK HOCKSTETTER UND DER KÜHLSCHRANK (ES)

Jeder von uns hatte doch dieses eine seltsame Kind im Bekanntenkreis, als er noch klein war. Dieses Kind, was man nie so richtig einordnen konnte und das einem irgendwie Angst machte. Dieses Kind ist Patrick Hockstetter, ein Junge mit einer tiefsitzenden Psychose. Er hält sich für den einzigen, realen Menschen und ermordet seinen Bruder im Kindbett, als er ihn als Gefahr für seine Welt wahrnimmt. In der Schule beginnt er Tiere zu quälen und lässt sie in einem Kühlschrank auf einem Schrottplatz langsam verenden. Bis hierhin fand ich den Kerl schon wirklich widerlich, aber was ihm widerfährt, als er Pennywise in die Hände fällt, kurbelt mein Kopfkino immer wieder auf ekelhafteste Weise an.

 

JAKE UND SADIE (DER ANSCHLAG)

In einem Roman voller Zeitreisen, einer sich wehrenden Vergangenheit, etwas Postapokalypse und Männern mit gelben Karten am Hut gefällt mir eine einfache Romanze tatsächlich am besten. Stephen King hat sich stets viel Zeit genommen, um uns seine Hauptfiguren näherzubringen. Und das ist ihm mit diesen beiden wirklich vortrefflich gelungen. Sogar so gut, dass mich ihr Schicksal am Ende tatsächlich am meisten interessiert hat. „Pfeif auf die Welt, geht es Jack und Sadie gut?“ An dieser Stelle ein dickes Lob an James Franco. Die Serie zu diesem Roman fand ich ja leider eher schwach, den Jake Epping hat er aber toll rübergebracht.

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Sarah Gadon und James Franco als Sadie und Jake

 

LELAND GAUNTS PLAN GEHT AUF (IN EINER KLEINEN STADT)

Ich mag einfach Bösewichte, die eher aus dem Hintergrund arbeiten. Und der bösartige Strippenzieher Leland Gaunt ist ein wahrer Meister auf diesem Gebiet. In seinem Laden findet jeder Einwohner von Castle Rock etwas, was er begehrt. Gaunt verlangt nur ein kleines Entgelt und einen „Dienst“, den er gerne als kleinen Scherz und Streich an anderen tarnt. Was soll daran schon schlimm sein? Was könnte denn passieren, wenn man seine Mitmenschen nur ein wenig ärgert? Genau darauf baut Leland Gaunt und als sein Plan deutlich wird, hat er die Stadt bereits in der Hand!

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Max von Sydow als Leland Gaunt

 

SUNLIGHT GARDENERS BIBELHEIM FÜR GESTRAUCHELTE JUNGS (DER TALISMAN)

Der Stephen und ich, wir haben ja dann doch was gemeinsam – unsere Abneigung gegenüber Religionen, vor allem wenn unter ihrem Deckmantel unfassbare Grausamkeiten passieren, zum Beispiel. Den strenggläubigen Christen, dessen „Barmherzigkeit“ eigentlich das genaue Gegenteil ist, kennt man ja aus diversen Geschichten des Meisters. Sunlight Gardener ist aber mit Sicherheit eine der schlimmsten Gestalten und genau in sein „Besserungsheim“ verschlägt es unsere Helden Jack und Wolf, wo besonders dem simplen und sensiblen Wolf unheimlich zugesetzt wird. Alle Kapitel in dieser Hölle waren für mich unfassbar schwer zu lesen, weil King mich genauso hilflos machte, wie die Figuren in seiner Geschichte.

 

ROLAND DESCHAIN ENTSCHEIDET SICH (GLAS)

Ein ganzes Buch lang erzählt Roland uns von seiner Jugend und von Susan Delgado. In einer wirklich wunderbaren Geschichte voll Verrat, Gewalt, Hexen, Weissagungen, aber auch einer großen jungen Liebe wird der Grundstein für Rolands wahrscheinlich wichtigsten Charakterzug gelegt – der Besessenheit vom dunklen Turm! In einem wahrhaft intensiven Finale trifft er eine Entscheidung, die er sein Leben lang hinterfragen wird. Und sie in „Schwarz“ dennoch nochmal treffen wird, einfach weil er den Turm finden MUSS!

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CHARLES JACOBS LEBENSWERK (REVIVAL)

Keine Angst, ich werde das Ende nicht spoilern! Aber mein Gott, was hat mich das kalt erwischt! Nach einem wirklich langen, ausführlichen Roman schmeißt King kurz vor Schluss einfach nochmal ein vollkommen neues Stilelement hinein, was sich vorher nur sehr leicht angedeutet hatte. H.P. Lovecraft hätte seinem Fan aus Maine sicherlich wohlwollend auf die Schulter geklopft.

 

DAS BILD (DER STRAßENVIRUS ZIEHT NACH NORDEN)

„Was für ein schönes Bild ich doch auf dem Trödelmarkt erstanden habe, dieser Wagen ist echt schick. Aber hey… verändert es sich nicht? … Kann es sein, dass dieser Wagen…. mir folgt?!“ Eine klassische Prämisse, gekonnt in einer Kurzgeschichte umgesetzt.

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„ES DAUERT LÄNGER, ALS DU DENKST. VIEL LÄNGER!“ (DER JAUNT)

Noch eine Kurzgeschichte und was für eine! In einer Gesellschaft in der das Beamen erfunden wurde, ist eine Versetzung auf den Mars für den Familienvater Mark Oates wirklich kein Problem. Um seiner Familie die Angst vor ihrer ersten Teleportation zu nehmen, erzählt er ihnen von ihrem Erfinder und welche Schwierigkeiten er hatte. Mittlerweile ist diese Reisemethode vollkommen sicher, wenn… ja, wenn man einen wichtigen Sicherheitshinweis nicht missachtet!

BILL HODGES GIBT NICHT AUF (MR.MERCEDES)

Auf der Jagd nach dem „Mercedes-Killer“ muss der pensionierte Polizist Hodges einige Rückschläge einstecken. Den schlimmsten sicherlich nach ungefähr zwei Dritteln des Buches, aber anstatt zu zerbrechen versucht er nur noch entschlossener, seinen Widersacher zu stellen. Für mich ist Hodges eine von Kings besten Figuren und er wurde in der mir bisher gut gefallenden Serie perfekt mit Brendan Gleeson besetzt. Es freut mich wirklich sehr, dass wir noch zwei weitere Abenteuer mit ihm erleben durften.

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Brendan Gleeson als Bill Hodges

JACK TORRANCE FINDET ERLÖSUNG (DOCTOR SLEEP)

Über „Shining“ muss man nichts mehr sagen, aber auch die Fortsetzung „Doctor Sleep“ hat mir gut gefallen. Wir erleben, wie der kleine Dan Torrance als Erwachsener dasselbe Suchtproblem wie sein Vater entwickelt, weil er sein „Shining“ nur so zum Schweigen bringen kann. Nur mühsam kämpft er sich aus diesem Sumpf heraus und muss schließlich dem jungen Mädchen Abra beistehen. Auf dem Grund des abgebrannten Overlook Hotels erhält Dan schließlich Unterstützung von unerwarteter Seite…

„BIG JIM“ BEKOMMT DIE RECHNUNG (DIE ARENA)

Stephen King hat es einfach drauf, hassenswerte Charaktere zu erschaffen. Glücklicherweise weiß man aber, dass sie es auch oft ziemlich übel abkriegen, wenn ihr Ende naht. „Big Jim“ ist in seiner dunklen Kammer, in der er von Halluzinationen geplagt wird, wahrlich nicht zu beneiden. Hat er aber auch verdient, der Sack!

DAS ENDE DER WELT? (THE STAND)

Ich habe einfach eine Schwäche für apokalyptische Szenarien und halte daher das erste Drittel von „The Stand“ für das stärkste. Mitzuerleben, wie unsere Gesellschaft zusammenbricht finde ich immer wieder faszinierend. Es gibt keine Zombies, die Natur wendet sich nicht gegen uns; es ist „nur“ eine tödliche Grippe, die ca. 90% der Menschheit ausrottet. Und dennoch bricht alles zusammen, was wir gekannt und geliebt haben. Besonders intensiv: Larry Underwoods Weg durch den stockdunklen Tunnel!

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Eines der unzähligen Opfer von „Captain Trips“

DIE MACHT DER BILDER (WAHN)

Keine Ahnung, wer sich diese deutschen Titel ausdenkt.

Nach einem schweren Unfall und dem Scheitern seiner Ehe zieht sich der Bauunternehmer Edgar Freemantle auf die Insel Duma Key zurück. Hier entdeckt er sein nahezu übernatürliches Maltalent sowie auf das Geheimnis, was die Insel umgibt. Und irgendwann bemerkt er, wie er mit seinen Bildern die Realität verändern kann und anscheinend eine wichtigere Rolle zu spielen hat, als es ihm selbst lieb sein dürfte.

„Wahn“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher von Stephen King, alleine aufgrund des Settings und der immer etwas unwirklichen Atmosphäre. Spätestens wenn Freemantle scheinbar nur mit seinem Gemälde einen Kindermörder richtet, weiß man nicht mehr, was noch real ist.

DER WORTSCHMIED TRIFFT DEN REVOLVERMANN (DER TURM)

Ja, King hat sich selbst in den letzten Band seines Magnum Opus hineingeschrieben. Das kann man doof finden, mir hat es sehr gut gefallen. Zum einen zeigt es, wie sehr ihm die Reihe am Herzen liegt und zum anderen unterstreicht es nochmal, dass im Prinzip alle King Geschichten irgendwie zusammenhängen. Quasi das, was Marvel seit Jahren im Kino macht. Außerdem hat er so sicher auch seinen schweren Unfall aus dem Jahre 1999 verarbeiten können.

Und so ganz nebenbei: Wer bei den Geschehnissen nach dieser Stelle keinen Kloß im Hals hatte, hat kein Herz!

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Ganz ehrlich? Ich könnte noch ewig so weitermachen, aber irgendwann muss es auch mal gut gewesen sein. Ich bedanke mich fürs Lesen und der nächste Text wird sicher nicht so lange auf sich warten lassen.

 

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8 Gedanken zu “Besondere Momente…bei Stephen King

  1. Ein schöner Text! Dann bist Du ja genau der Richtige, um mir zu sagen, welches Stephen-King-Buch ich als erstes lesen sollte?! Hab nämlich bisher zu meiner Schande noch nichts von ihm gelesen. Hab jetzt aber gerade nichts zu lesen und gerade sehr große Lust, mich daran zu versuchen. ^^ Spontan hätte ich nach Deiner Beschreibung ein Auge auf „Wahn“ geworfen,und weil Du sagst, es ist eines Deiner liebsten Bücher von ihm. Was meinst Du? 🙂

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    1. Puh, da fragst du was.

      „Wahn“ ist tatsächlich einer meiner Favoriten, aber das beste erste Buch… gut, da wird dir eh jeder was anderes sagen. Mein erstes war „The Shining“, was ja wirklich eine Horrorgeschichte ist.

      Ich sage es mal so: Kaum eins seiner Bücher ist purer Horror, sondern er legt auch viel Wert auf die Welt und die Charaktere. Für die klassische King Geschichte, würde ich „ES“ empfehlen, für ein Abenteuergeschichte „Der Talisman“, für eine Krimigeschichte „Mr.Mercedes“ und für mehr Mystery tatsächlich „Wahn“.

      Und auch wenn ich den dunklen Turm liebe: Fang bloß nicht damit an! 😉 Und wenn du es irgendwann mal tust, dann besorg dir die überarbeitete Version vom ersten Band. Beim Original merkt man sehr deutlich, dass King damals noch keinen Schimmer hatte, wohin die ganze Reise gehen soll. 😉

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  2. Toller Beitrag! Ich hab mir zwar nur die „Schnipsel“ über die Bücher durchgelesen, die ich aich gelesen habe, weil ich mich nicht spoilern wollte. Ich muss mir das Hörbuch zu „Die Arena“ wirklich wieder ins Auto mitnehmen. Und du hast es geschafft, einige meiner Lieblingsstellen aufzugreifen. Ich persönlich habe Rotz und Wasser bei Jakes Tod geheult. Und der Anfang von „The Stand“ ist einfach absolut grandios. Ich konnte ja mit „Shining“ nicht viel anfangen, aber irgendwie würde mich Dr. Sleep schon interessieren. Würdest du die beiden Teile als ähnlich beschreiben? Also noch einmal: ein wirklich toller Beitrag!

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    1. Danke, danke.

      Hmm, Doctor Sleep ist schon mehr “typisch King“, wenn man die Höhen und Tiefen der Hauptfigur und die Beschreibung der übernatürlichen Elemente bedenkt. Es hat auch wesentlich mehr Handlungsorte als “Shining“. 😉

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