Die TARDIS gerät ins Schlingern – Eleven hält den Kurs (Doctor Who Rückblick Teil 3)

Teil 1 und 2 gelesen? Dann viel Spaß!

Reißerischer Titel, nicht wahr? Aber er beschreibt wie ich die neue Ära der Serie wahrgenommen habe und damit beziehe ich mich nicht nur auf das neue, sehr coole, Intro! Ich erzähle wahren Fans natürlich nichts neues, wenn ich sage, dass sich Doctor Who ab Series 5 wie eine andere Serie anfühlt. Thematisch verwandt, aber eben doch anders! Die Darsteller, der Showrunner und sogar die Bildsprache unterschieden sich auf einmal deutlich von Series 1 – 4 (+ „Specials“). Mittlerweile bin ich auch gut genug mit der Doctor Who Fankultur und der Kritik am neuen Showrunner Steven Moffat vertraut. Ich wollte dem Mann aber eine faire Chance geben und habe mit einem drastischen Einschnitt gerechnet. Das war mir schon mit den letzten Folgen von David Tennant klar, als alle Charaktere aus seiner (und Ecclestons) Zeit einen Abschluss in ihrer Geschichte erfahren haben und konsequenterweise auch bis heute nicht mehr vorgekommen sind. Es wirkt wirklich so, als wollte Moffat der Serie mit aller Macht einen eigenen Stempel aufdrücken. Nun, ich sage erst mal ganz wertfrei: Das ist ihm gelungen! Und so wie er es mit Doctor Who tat, so werde auch ich vom bisher gewohnten Format abweichen.

 

 

DIE ERZÄHLSTRUKTUR

Die Abenteuer des Doktors wurden bisher mehr im „Monster of the Week“ Stil erzählt d.h. die Geschichte war meist nach einer Folgenlänge abgehandelt und spielte in der nächsten Woche, wenn überhaupt, nur noch eine marginale Rolle. Vergleichbar ist dies bspw. mit „Star Trek – The Next Generation“, einer meiner Lieblingsserien! Steven Moffat wirft diese Struktur zwar nicht komplett über den Haufen, legt den Fokus jedoch sehr viel stärker auf die Hauptfigur selbst. Der Doktor und seine Beziehung zu seiner neuen Begleiterin Amy sind einer DER Fixpunkte von Series 5-7, weswegen die Rothaarige sicher auch zu den beliebtesten „Companions“ gehört. Ebenso wichtig ist natürlich einer der wenigen Charaktere, der aus den vorherigen Staffeln zurückkehrt – River Song, überraschenderweise von Steven Moffat selbst in „Silence In The Library“ eingeführt. Ihr Story Arc ist so simpel wie genial – wie der Doktor springt sie durch die Zeiten. Dementsprechend treffen die beiden sich stets zu unterschiedlichen Zeitpunkten in ihrem Leben, was unheimlich spannende Möglichkeiten bietet. Das wird schon mit ihrem ersten Auftritt in der Serie deutlich, wo sie sich für den Doktor (damals noch in seiner zehnten Inkarnation) opfert und er tragischerweise noch keine Ahnung hat, wer sie überhaupt ist.

bbcamerikca

 

 

AMY UND RORY

Ich mache es kurz: Ich bin mit den beiden nie so recht warm geworden! „Was für ein herzloses Monster ist dieser Typ eigentlich?!“ denkt ihr jetzt, ich weiß! „Amy ist unheimlich liebenswert, charismatisch und hat eine großartige Chemie mit dem Doktor. Ihren Verlobter und dann auch Ehemann Rory mit seinem „Geprügelter Hund“ Blick kann man doch eigentlich auch nur lieb haben, oder? Mein Gott, ist es nicht unendlich romantisch, wenn er über sich hinauswächst und seine geliebte Amy über mehrere Jahrtausende lang bewacht, damit ihre Verletzungen heilen können und ihr dabei nichts geschieht? Was zum Henker ist eigentlich dein Problem?“

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Auf dem Papier ist das Gespann perfekt. Ihre Einführung in der ersten Folge ist großartig, sie ist nicht als „love interest“ für den Doktor da und Karen Gillian ist eine tolle Schauspielerin. Er funktioniert super als Ruhepool zwischen den extremeren Charakteren in der TARDIS und hat dankenswerter mehr zu tun als Mickey, der fast nur „comedic relief“ sein durfte. Und trotzdem war ich emotional nie so recht involviert, wenn es um das Ehepaar Pond ging. Ihr tragischer Abschied in „The Angels Take Manhattan“ ging mir aber dennoch nahe, aus Stein bin ich ja nicht. Denn ein bisschen am Herz hingen sie mir ja doch, im Gegensatz zu…

 

RIVER SONG

Hasst mich, auch sie hat bei mir nicht gezündet. Und das liegt wirklich nicht an ihrer Darstellerin Alex Kingston, die ich sehr schätze! Ihre Story habe ich gelobt und das meine ich absolut ernst. Ich kann vollkommen verstehen, warum sie so beliebt ist. Sie ist einfach nur die Versinnbildlichung von Moffats liebsten Stilmittel: „Tell, don’t show!“ Ständig wird mir nur gesagt, sie hätte so eine tolle Chemie mit dem Doktor, gesehen habe ich davon nichts. Man muss mir nicht alles aufs Brot schmieren, aber in einem visuellen Medium sollte man dieses auch nutzen. So sehe ich nur eine River Song, die ihre Catchphrases runterrattert, immer alles besser weiß und sich auch ansonsten fast nicht aus der Ruhe bringen lässt. Wenn diese Fassade dann doch mal bricht, gefällt sie mir übrigens auf einmal viel besser (z. B. „The Wedding of River Song“ und das herrliche Weihnachtsspecial „The Husbands of River Song“ mit Peter Capaldi als Doktor).

Ach übrigens, ein weiteres Beispiel für „Tell, don’t show!“abseits von River: Amy wacht nach 2000 Jahren auf und erfährt per Video, dass ihr geliebter Rory sie fast die ganze Zeit bewacht hat und sich gar eine Legende um den Zenturio vor ihrem Gefängnis bildete. Eine hochemotionale Szene, vor allem weil Rory in den Wirren des zweiten Weltkriegs verloren ging. Und wer kommt keine fünf Minuten später ins Bild gelaufen? Rory, und er sieht bis auf seine Klamotten nicht einmal anders aus! Ich weiß, er altert nicht, aber kommt schon… mir kann keiner weiß machen, dass man diese Zeitspanne nicht auch optisch schön hätte sichtbar machen können. Ein abgekämpfter Eindruck, eine Narbe oder auch nur eine andere Frisur sind doch echt nicht zuviel verlangt, oder? So verpuffte für mich viel von dem Opfer, was er für seine geliebte Amy gebracht hat.

 

DER DOKTOR

Klingt ja alles bisher eher negativ, oder? Gibt es dann gar nichts, an dem ich nicht herummeckern kann? Oh ja, das gibt es – Den Doktor selbst! Matt Smith als „Eleven“ ist so unfassbar grandios, er könnte sogar mein Favorit sein. Er hat mir ja schon in „The End of Time“ sehr gefallen, als er die tieftraurige Stimmung nach David Tennants Abschied innerhalb von Sekunden herumriss. Von da an hat er nie aufgehört, mich zu begeistern. Smith hat viel zu tun und spielt seinen Doktor in allen erdenklichen Lebenslagen und Gemütszuständen als wäre es das einfachste auf der Welt.

Im Gegensatz zu „Ten“ wirkt er auch viel mehr, als wäre er nicht von dieser Welt. Scheinbar simple Dinge faszinieren ihn, weil er sie nicht versteht. Seine Körpersprache ist immer ein wenig seltsam (achtet mal darauf, wie er mit fortschreitendem Alter seiner Figur die Schultern immer weiter hochzieht). Er ist emphatisch seinen engsten Vertrauten gegenüber. Wenn nötig, legt er innerhalb von Sekunden seine schrullige Art ab und wirkt ernst und bedrohlich. Und trotz seines Aussehens kann Matt Smith auch den uralten, weisen Timelord glaubwürdig verkörpern. Egal was er rüberbringen will, ich kaufe es ihm ab. Lieblingsszene? Klar, die gibt es hier zu sehen!

Vielleicht noch ein, zwei Worte zu seinem Abschied, nachdem der von „Ten“ ja schon ein kleines Politikum unter den Whovians zu sein scheint. Ich finde ihn grandios und dem Charakter völlig angemessen. „Eleven“ hat ein langes Leben hinter sich und hatte sich mit seinem Tod abgefunden. Seinem neuen Leben blickt er dann mit Würde entgegen, auch wenn er sicherlich gerne in seinem aktuellen Körper geblieben wäre. Peter Capaldi hat mich übrigens genauso wie Smith vor ihm in seinen ersten Sekunden zum Lachen gebracht.

Merke: „I will always remember when the Doctor was me!“ ist das bessere „I don’t wanna go!“

bbc

Hut ab, Matt Smith! Dein Mitwirken am furchtbaren „Terminator: Genisys“ ist dir hiermit verziehen. Und nein, ich habe mich beim Titel dieses Machwerks nicht verschrieben, der IST so bescheuert!

HIGH-UND LOWLIGHTS

Ich denke, ich muss nicht mehr weiter ausführen, was mich an Doctor Who ab Series 5 gestört hat. Daher seien mir an dieser Stelle zwei Anmerkungen gestattet:

  • Wie in „Über den Schreiberling“ ausgeführt, bedeutet es nicht, dass ich Leute kacke finde, die diese Ära des Doktors als ihre liebste bezeichnen! Wir sind hier im Internet und ich weiß, wie schnell man sich sowas zu Herzen nimmt. Daher erwähne ich es nochmal.
  • Ich betreibe hier das berühmte Meckern auf hohem Niveau! Auf sehr hohem! Schon wieder!! Denn ich bin ja auch weiterhin an Bord der TARDIS geblieben und wollte immer wissen, wie es weitergeht. Und nur weil mir nicht mehr alles gefällt, haben die Macher ja immer noch mehr als genug Anreize geliefert der Serie weiter zu folgen. Ich habe nämlich kein Problem damit, Dinge abzubrechen wenn ich das Gefühl habe, ich würde schon länger meine Zeit verschwenden.

Dazu ist es aber nie gekommen, denn einerseits gefiel mir der Doktor selbst so unfassbar gut und andererseits wussten die Geheimnisse um den seltsamen Riss oder „The Silence“ zu fesseln. Hinzu kamen dann immer wieder großartige Einzelfolgen, die aber leider nicht mehr in derselben Anzahl wie früher kamen. Aber wenn sie gut waren, dann waren sie verdammt (!) gut.

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„The Girl Who Waited“ zeigt bspw. ein Alptaumszenario, was ich seit Anfang der Serie erwartet habe. Was passiert, wenn einer der Begleiter des Doktors verloren geht, im schlimmsten Fall sogar in einer völlig fremden Welt? Großes Lob an Karen Gillan, die hier in einer Doppelrolle zu überzeugen weiß. An guten Schauspielern hat es Doctor Who wahrlich nie gemangelt. Anderes Beispiel gefällig? Tony Curran als Vincent van Gough in „Vincent And The Doctor“! Über diese Folge möchte ich nicht viel sagen, wer sie kennt, weiß was ich meine. Für alle anderen sei gesagt, dass sie zusammen mit „Blink“ aus Series 3 einen guten Einblick in die Art und Weise gibt, wie Doctor Who funktioniert. Was die Serie auch auszeichnet ist aus, nüchtern betrachtet, albernen Prämissen interessante und vor allem glaubhafte Geschichten zu stricken. Oder klingt „Die TARDIS wird eine Frau“ spontan nach einer Folge vom Kaliber „The Doctor’s Wife“? Eben!

 

UND DANN WAR DA NOCH

„The Day Of The Doctor“ – das Special für 50 (!) Jahre Doctor Who! Dazu auch von mir einen sehr verspäteten Glückwunsch, das ist eine einzigartige Leistung. Ich habe schon oft gelesen, dass diese Folge nicht ganz ohne Kritik über die Ziellinie kommt. Mir persönlich hat sie sehr gut gefallen und die Einführung des „War Doctor“ (Ruhe in Frieden, John Hurt!) schließt in der Tat einige Lücken in der Story. Musste man dafür David Tennant zurückbringen? Wahrscheinlich nicht, aber mein Gott, was bin ich froh, dass sie es getan haben! Vom Fleck weg haben Matt Smith und er eine großartige Chemie miteinander, die auch vom grummeligen John Hurt nicht gestört wird. Nein, er bereichert sie sogar! Von seine Rolle war ich ohnehin am meisten überrascht, da ich nach dem Quasi-Prolog „The Night Of The Doctor“ einen hartgesottenen Krieger erwartet habe, der alle Emotionen im Kampf gegen die Daleks verloren hat. Zu Beginn ist er das auch, aber unter der Schale liegt das ursprüngliche Wesen des Doktors.

Der Nebenplot mit den Zygons sagt mir nicht besonders zu, aber spätestens ab der Hälfte geht es nur noch um das Zelebrieren der Doctor Who Historie. Etwas, was ich bei so einem Jubiläum auch völlig okay finde. Gallifrey, Tom Baker, Billie Piper, Peter Capaldi in seinem ersten Auftritt als Doktor und etliche Referenzen von denen ich wahrscheinlich nicht mal die Hälfte verstanden habe…zu meckern habe ich eigentlich gar nichts! Ein Wermutstropfen bleibt für mich aber die Abwesenheit von Christopher Eccleston. Ich weiß, er wollte nicht, aber ich kann ihn ja dennoch vermissen, nicht wahr?

bbcamerica

 

UND DANN WAR DA AUCH NOCH

Clara „The impossible girl“ Oswald! Ich habe sie nicht vergessen, keine Angst. Auf sie werde ich im nächsten Teil genauer zu sprechen kommen. Fürs erste möchte ich nur sagen, dass ich sie mag. Nicht mehr und auch nicht weniger! Musste man sie quasi in der gesamten Geschichte des Doktors verteilen? Nun, wahrscheinlich nicht. Ich finde es aber nicht weiter schlimm, langjährige Fans sehen das sicherlich anders. Bin ich eigentlich der einzige, dem „Victorian Age Clara“ am besten gefallen hat?

5 Gedanken zu “Die TARDIS gerät ins Schlingern – Eleven hält den Kurs (Doctor Who Rückblick Teil 3)

  1. Ich melde mich mal hier als eine von denen, die diese Ära als ihre Lieblings-Ära bezeichnen ;D

    Ich liebe den elften Doktor und seine Companions, fand RIver immer klasse und komme auch mit Moffat (meistens) gut zurecht. Muss allerdings auch dazu sagen, dass ich Doctor Who erst ab der fünften Staffel angefangen habe, und dann später erst die anderen Staffeln nachgeholt habe und Eleven daher mein erster Doktor ist. Der Erste hat ja sowieso immer einen besonderen Platz im Herzen 😉
    Ich fand es sehr erfrischend, dass mit River mal jemand vorbeikommt, der oft mehr weiß als der Doktor selbst und ihm war das offensichtlich immer sehr unangenehm.
    Und weil ich Amy LIEBTE, mochte ich Clara erstmal nicht wirklich. Jedenfalls nicht zusammen mit Eleven. Zu perfekt, die Gute. Aber ich bin gespannt, was Du zu ihr noch zu sagen hast! 😀

    Ja, „Vincent und der Doktor“ ist eine meiner Lieblingsfolgen und der Moment am Ende, als Bill Nighhys Figur erklärt, wieso Van Gogh seiner Meinung nach der größte Künstler der Welt ist. Und Van Gogh steht daneben. Es flossen Tränen bei mir! 😛

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    1. Wie gesagt, ich kann ja total verstehen, warum man diese Ära des Doktors liebt. 🙂

      Für Tränen muss man sich nicht schämen. Spricht aus meiner Sicht einfach für das Medium und das es irgendwas richtig gemacht hat, wenn es einen in irgendeiner Form emotional erreicht.

      Gefällt 1 Person

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