John Sinclair – „Mal die Erzengel nicht an die Wand!“ (Teil 2)

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18. Juni 2017 von TheGunslinger82

Ach John, alte Düse! So lange begleitest du mich schon (siehe Teil 1) und irgendwie werde ich deiner niemals überdrüssig. Und das obwohl deine Abenteuer, mal Hand aufs Herz, zu heftigen Selbstzitaten neigen und sich wild bei sämtlichen Mythologien bedienen. Aber wahrscheinlich ist das auch gerade der Reiz, wenn John mit seinem von Hesekiel geschaffenen Kreuz auf Thor und den Götterwolf trifft und einige Tage später ein heißes Duell mit den Dämonen von Atlantis ausfechtet. Alles weitere steht im anderen Text, hier nun noch ein paar Hörspiele, die auf ihre Art besonders sind.

 

 

DER ANFANG (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Eigentlich erstaunlich, dass ich diese Folge nicht schon besprochen habe. Markierte sie doch nicht nur den Start der neuen Hörspielreihe, sondern inhaltlich auch Johns ersten Kontakt mit dem Übernatürlichen. Ich bin mir übrigens durchaus bewusst, dass es noch einen später veröffentlichen Roman gibt, der an sich früher spielt. Aber Jason Dark vergisst ja gerne mal Details aus seiner selbst erschaffenen Kontinuität.

Der Anfang“ ist eine atmosphärisch wahnsinnig dichte Folge, die sich Zeit für einen langsamen Aufbau nimmt. Der große Unterschied zu allen anderen Fällen des Geisterjägers ist, dass John Sinclair hier noch keine Ahnung von seinen Gegnern hat, geschweige denn wie man sie bekämpft. Das spielt seinem Gegenspieler Ivan „Der Hexer“ Orgow natürlich in die Karten, der durch seine Experimente eine Armee von Wiedergängern auf den kleinen Ort Middlesbury loslassen will. Der erste Angriff erfolgt durch die reanimierte Mary, die erst kurz zuvor jung gestorben war. Wie sie ihre Familie anfällt, sollte man unbedingt gehört haben. Eine schaurige Stimmung, wie sie die Edition 2000 leider nur selten zu bieten hat.

Ein dickes Lob geht natürlich wieder an die Sprecher. Frank Glaubrecht liefert ein großartiges Debüt als angehender „Sohn des Lichts“ ab, Joachim Kerzel als Erzähler ebenso. Heimlicher Star ist für mich Nana Spier (u.a. Sarah Michelle Gellar oder Drew Berrymore) als Reporterin Ann Baxter. Und Tilo Schmitz ist in seiner Rolle als Hexer wieder mal so herrlich böse, dass er sicher nicht ganz zufällig später die Rolle des Doktor Tod übernehmen sollte.

 

DER UNHEIMLICHE BOGENSCHÜTZE (TONSTUDIO BRAUN)

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

Wo ein Edgar Wallace mäßiger Titel draufsteht, ist auch eine Edgar Wallace mäßige Geschichte drin! Wir befinden uns in den 80ern bei Tonstudio Braun und ihr wisst, was das bedeutet: Die Orgel ist wieder zurück und erfreut uns mit ihrer Dauerpräsenz. Die Sprecher sind vielleicht technisch nicht die Besten, aber verdammt nochmal, was sind sie motiviert! Und John ist ohnehin wieder der geilste Hecht, dem die Herzen der Frauen zufliegen. Diesmal heißt die Gute Madlein Custor und hat einen furchtbar aufgesetzten französischen Akzent im Gepäck. Gut, und einen unsymphatischen, grobschlächtigen Ehemann, aber da hilft ja zum Glück schnell der Bogenschütze aus. Bahn frei für unseren Helden also!

Die Folge hat alles: Ein Spukschloss, einen durch die Gänge schleichenden Mörder, Geheimgänge, Klischee-Gangster und dann fällt auch noch (Unerwartete Wendung!) der Strom aus!!!

 

DÄMONEN IM RAKETENCAMP (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Ich wiederhole: DÄMONEN IM RAKETENCAMP! Muss ich noch mehr sagen?! Na gut, ein bisschen was. Denn in der Folge passiert eine ganze Menge und effektmäßig hatte WortArt hier nochmal ein höheres Niveau erreicht. Alleine die Stimme des Goldenen Samurai klingt wuchtig und macht mächtig Eindruck.

Der Plot ist zwar ein wenig konfus (der Umweg über das Space Shuttle wirkt schon ein wenig sinnlos), aber die Folge lässt kaum Zeit zum Durchatmen. Man fühlt mit, wie John und Suko sich abhetzen, um dann an der Schlacht im Tempel doch keine Rolle zu spielen. Eine der raren Niederlagen des Geisterjägers und auch deshalb etwas Besonderes.

 

DIE RÜCKKEHR DES SCHWARZEN TODS (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Das erste und bis heute einzige Hörbuch mit den bekannten Sprechern. Vertont wird hier eine Geschichte, die (auch nach heutigen Stand noch) lange nach den Ereignissen der Edition 2000 spielt. Jason Dark ließ sich erweichen und brachte einen der beliebtesten Gegner wieder zurück – Den Schwarzen Tod, den Zerstörer von Atlantis! Das 4 CDs umfassende Hörbuch beschreibt, wie der Dämon Namtar Johns alten Erzfeind zu neuem Leben verhelfen will. Der Titel könnte natürlich Aufschluss darüber geben, ob er es schafft.

Zurückgekehrt bekommt das riesige Skelett direkt Probleme mit einem weiteren mächtigen Gegner des Sinclair-Teams – Dracula II! Und hier muss ich eine Spoilerwarnung aussprechen, denn die Figur ist in anderer Rolle auch schon in den aktuellen Hörspielfolgen der Edition 2000 zu finden. „Die Rückkehr des Schwarzen Tods“ verrät natürlich, wer der Erbe des bekannten Vampirs wird bzw. es zu diesem Zeitpunkt schon längst geworden ist. Die Folge „Satans Knochenuhr“ bot diesbezüglich schon einen kleinen Ausblick, einfach nochmal das Ende hören!

Sollte man sich diese Geschichte zulegen? Meiner Meinung nach schon, aber ich mag auch Hörbücher. Man muss sich bewusst sein, dass man „nur“ Joachim Kerzel und Frank Glaubrecht sowie sehr dezente Einsätze von Musik zu hören bekommt. Mir persönlich gefallen Hörspiele zwar auch besser, aber gegen ein Hörbuch dieser Güteklasse hätte ich in Zukunft sicher auch nichts. Wenn Frank Glaubrecht die alte Lady Sarah Goldwyn spricht, klingt das aber schon ein wenig lustig.

 

DER VULKANTEUFEL VON HAWAII (TONSTUDIO BRAUN)

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

Damals, vor dem Internet, war ein Cover die halbe Miete. Videospiele, Filme und Hörspiele – im Gegensatz zum sprichwörtlichen Buch wurde hier auch stets der Einband beurteilt. Und wie könnte der damals ca. 11jährige Ben hier widerstehen?!

Leute, ich tue euch einen Gefallen! Ihr habt nun das beste an diesem von einem Gastautor geschriebenen Roman gesehen. Geschrieben oder als Hörspiel – diese Geschichte ist von vorne bis hinten furchtbar und sollte sich nur im Schrank vom Komplettisten wiederfinden. Alle anderen wissen gar nicht, wo sie zuerst weghören möchten. Das Herumgealbere der Hauptpersonen ist gerade in den höheren Nummern der Tonstudio Braun Reihe ein stetiger Kritikpunkt. Der „Vulkanteufel“ wandelt aber jenseits der Grenze des Ertragbaren! Genauso dumm sind die Namen der Nebenfiguren – Mort Agamemnon, Zarambo und die als wunderschöne Frau maskierte Schlangendämonin Isabell Snake (!). Die Kirsche auf der Torte des Wahnsinns ist aber Johns Plan, mit dem er den Dämon bezwingen kann. Mit einer weißmagischen Kugel auf einen Zeppelin zu schießen, damit dem Dämon eine darin mitgeführte Wanne mit Weihwasser auf den Schädel fällt – darauf muss man erst mal kommen!

 

DR. TODS HORROR-INSEL (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Die Mordliga übernimmt die Kontrolle über eine kurz vor der Ausmusterung stehende Bohrinsel, um einen mächtigen Vampir aus unter dem Meer liegenden Gestein zu befreien. Klar, dass unser Freund davon Wind bekommt und seinen Widersachern dazwischenfunken will. Allerdings steht er diesmal alleine gegen die vollzählig vertretene Gruppierung, wie sein Freund und Kollege Suko später vollkommen richtig feststellt.

Sir James: „Er wollte alleine auf diese Mission! Um sie zu schützen!“

Suko: „Und wer schützt IHN?“

In dieser Folge hat mir besonders das Setting sehr gut gefallen. Auf einer Bohrinsel kann man nicht weit flüchten, was sich mit einer Horde Dämonen im Nacken natürlich schnell als Problem herausstellen kann. John wird schnell bewusst, dass er sich diesmal vielleicht übernommen hat, wenn er die Mord-Liga aufhalten und den sympathischen Arbeiter Mark Brennon (stark gesprochen von Michael Pan, den man u.a. als Brent „Data“ Spiner kennt) retten will. Dieses unangenehme Gefühl überträgt sich schnell auf den Hörer, dafür sorgt die immer tolle Kombination aus Musik und Effekten. Der peitschende Wind, die an den Streben brechenden Wellen, der Nieselregen, die eiskalte Nordsee… John ist in diesem Abenteuer wirklich nicht zu beneiden.

Nur was zum Henker ist denn damals schief gelaufen, dass man so eine Scheußlichkeit als Cover nimmt?

 

DIE TEUFELSUHR (TONSTUDIO BRAUN)

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

Ein Gruselhörspiel der ganz alten Schule! Produktionstechnisch haben wir es hier mit einer der ersten Arbeiten von TSB zu tun, atmosphärisch spielt diese Folge aber ganz weit vorne mit. Mit ein bisschen Nachsicht kann man „Die Teufelsuhr“ auch heute noch sehr gut hören und sich einer schaurig-schönen Gänsehaut hingeben. Man muss sich aber bewusst sein, was einen erwartet. Große Effekte gibt es keine, selbst die berühmte Orgel wird nur sehr spärlich eingesetzt. Den Großteil der Arbeit übernehmen daher die Sprecher, allen voran Hans-Jürgen Krützfeld in einem seiner wenigen Einsätze als John Sinclair.

Ein Wort noch zur neuen Version aus der Edition 2000: Natürlich ist auch diese absolut hörenswert, gerade in den ersten 10 Minuten. Wie die vier Männer aus dem Dorf den mutmaßlichen Kindermörder Rick Halloway überführen wollen, ist angenehm ruhig und stellenweise sogar unangenehm erzählt.

 

JUDYS SPINNENFLUCH (TONSTUDIO BRAUN)

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

Glücklicherweise bin ich nicht mit Arachnophobie geschlagen, schön finde ich unsere vielbeinigen Freunde aus dem Tierreich aber auch nicht. Das fing schon bei der fiesen Spinne Thekla bei der Biene Maya an und auch diese Folge gruselte meinen damals noch ziemlich jungen Verstand. Und das obwohl man die Riesenspinnen an sich nur selten hört und sie nur durch Beschreibungen der Charaktere und Einsatz der Musik (ja, die allseits beliebte Tonstudio Braun Orgel!) vor dem geistigen Auge entstehen.

Die Story fängt an sich sehr spannend an: John Sinclair wird ins Krankenhaus gerufen, wo er das blinde Mädchen Judy trifft, in deren Augen sich spinnenförmige Umrisse abzeichnen. Sie selbst wirkt nicht dämonisch, will sogar verhindern, dass Menschen ihr Zuhause betreten. Kurz darauf taucht auch schon das erste Monstrum im Krankenhaus auf, attackiert Judys Arzt und verhilft ihr selbst zur Flucht. John weiß natürlich sofort, wo er zu suchen hat: Das Hotel, in dem Judy anscheinend alleine lebt. Wo allerdings, und hier driftet es sehr ins Klischee ab, auch eine Gruppe junger Leute ein bisschen feiern möchte. Denn wo könnte man besser Party machen, als in einem abgeranzten Hotel nahe des TODESMOORES (!)…. klar, das klingt natürlich verlockend. Trotzdem ist ihre Präsenz nicht ganz aus der Luft gegriffen, ist der Anführer der Gang doch der Enkel des Mannes, der mitverantwortlich für Judys Blindheit ist. Diese Geschichte wird auch gut in Rückblicken erzählt.

Ich wollte die Folge in diesem kleinen Rückblick erwähnen, da sie bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Der Grusel früherer Tage will sich bei mir zwar nicht mehr einstellen, aber in „Judys Spinnenfluch“ kann man alles finden, was Tonstudio Braun im positiven wie auch im negativen Sinne ausgezeichnet hat. Die Sprecher von John und Suko sind wie immer toll aufgelegt, „Judy“ ebenfalls, die Musik funktioniert entweder richtig gut oder ist herrlich wahnsinnig (Bowlingbahn!), die Idee von Spinnen mit menschlichen Köpfen finde ich nach wie vor ein bisschen eklig und die Dialoge sind manchmal wieder jenseits von Gut und Böse.

Erst warnt sie uns, dann lockt sie uns rein?!“„Das machen alle Frauen so, Suko!“

 

DIE LEICHENKUTSCHE VON LONDON (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Logan Costello ist ein Mafia-Boss, der schon länger mit Doktor Tod und der Mord-Liga paktiert. In dieser Folge nutzt er diese Kontakte, um unter seinen Konkurrenten um den Thron der Unterwelt mal so richtig aufzuräumen. Zu diesem Zweck entsendet Solo Morasso einen seiner mächtigsten Diener – Xorron, den Herrn der Zombies und Ghouls! Und der fackelt nicht lange, um in seiner titelgebenden Leichenkutsche die Bosse der Unterwelt in Angst und Schrecken zu versetzen. Ein Bandenkrieg droht und Scotland Yard ist natürlich mittendrin.

In einer meiner absoluten Lieblingsfolgen kommt der Hörer kaum zur Ruhe, wenn man mit John und Suko dem scheinbar unaufhaltsamen Xorron hinterherhetzt, der Londons Unterwelt in Blut taucht. Und wie er das macht! Die Beschreibung vom Tod seines ersten Opfers ist wirklich nichts für schwache Mägen. Auflockerung bietet da nur der Gastauftritt von Oliver Kalkofe als völlig verängstigter Gangster. Sehr schade, dass seine immer gelungenen Einsätze in der Serie mit dem Abgang von Regisseur Oliver Döring nach Folge 70 aufhörten.

 

DIE NEUESTE FOLGE:
DIE TOTENMASKE AUS ATLANTIS (TEIL 4 VON 4)

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(© Lübbe Audio)

Die aktuellste Folge ist der Abschluss des ersten Vierteilers in der Geschichte der Hörspielreihe und es war ein sehr gelungener. Es tauchen so ziemlich alle Figuren auf, die derzeit in der Serie eine wichtige Rolle spielen – das Sinclair Team, Jane, Wikka, Myxin, Kara, Arkonada (als Vertreter der Großen Alten), Asmodis… langweilig wird es wahrlich nicht. Seiten werden gewechselt, neue Gegner treten auf, ungewöhnliche Allianzen geschmiedet, zwei wichtige Figuren treten ab und sogar ein anderer Planet wird besucht!

Natürlich ist nicht alles perfekt, denn die Eismeer-Hexe und Mandraka fand ich ziemlich enttäuschend nachdem sie so aufgebaut wurden. Wir bewegen uns nämlich mittlerweile in Bereichen, wo ich die Vorlagen kaum noch kenne und da habe ich mir von diesen Gegnern wohl einfach zuviel versprochen. Gerade der „Schwarzblut-Vampir“ hatte eine Menge Potential, wenn er sogar Asmodis selbst gefährlich werden konnte. Na ja schade drum, dafür darf mit Myxin einer meiner Favoriten endlich wieder aktiver ins Geschehen eingreifen und zeigen, was in ihm steckt. Hier möchte ich nochmal meine Freude darüber ausdrücken, dass Peter Matic (u.a. Ben Kingsley) diese Rolle wie in den Anfangstagen der Serie wieder übernommen hat, nachdem sein Nachfolger Eberhard Prüter im Jahr 2014 ja leider verstorben ist.

Zum Schluss einen herzlichen Glückwunsch an Lübbe Audio! Wenn man alle Sondereditionen und die „Classics“ mitzählt, haben sie ja ohnehin schon wesentlich mehr Hörspiele produziert. Aber mit der übernächsten Folge werden sie Tonstudio Braun auch an regulär nummerierten Folgen überholt haben und das ist aller Ehren wert.

 

Das soll es erst mal gewesen sein, aber ein dritter Teil meines kleinen John Sinclair Rückblicks kommt bestimmt!

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2 Kommentare zu “John Sinclair – „Mal die Erzengel nicht an die Wand!“ (Teil 2)

  1. […] Falls ihr weiter schmökern wollt, werft doch einen Blick auf Teil 2! […]

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  2. […] Text schnappt sich einen Platz auf dem Treppchen, sehr erfreulich. Es gibt übrigens auch einen Nachfolger, falls ihr nicht genug vom Geisterjäger bekommen […]

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