Ich betrete erstmals die TARDIS – „Nine“ wird meine Nr.1 (Doctor Who Rückblick Teil 1)

Die Engländer sind schon ein komisches Volk! Essen sehr seltsames Zeug, trinken schales Bier, halten sich im Fußball immer für einen der Topfavoriten und eines ihrer Nationalheiligtümer ist ein Alien namens „The Doctor“ (!) was sich mittels einer Telefonzelle (!!) durch Raum und Zeit bewegt (!!!). Aber irgendwas muss doch dran sein, sonst gäbe es Doctor Who nicht schon seit über 50 Jahren, nicht wahr? Großbritannien hat es uns nämlich auch gute Dinge wie Monty Python, Iron Maiden und die gesamte NWoBHM, Simon Pegg, James Bond und einen herrlich bitterbösen Humor geschenkt. Trotzdem habe ich Doctor Who lange vor mir hergeschoben, obwohl Sci-Fi, Zeitreisen und britischer Humor eigentlich genau mein Ding sind.

Aber wo fängt man an? Ich mache es kurz: Ich bin beim Comeback von 2005 eingestiegen mit Christopher Eccleston in der Rolle der Titelfigur und mit kaum Vorwissen meinerseits. Dieses beschränkte sich auf: „Der Doktor verändert von Zeit zu Zeit seine Gestalt.“, „It’s bigger on the Inside!“, Zeitreisen und die Daleks mit ihrer Catchphrase „EXTERMINATE!“ Reicht das aus, um einen Einstieg in eines der ältesten „Nerd Universen“ zu finden oder gibt man irgendwann entnervt auf?

 

Gedanken zur Staffel

Nach der ersten Staffel (inklusive Weihnachtsfolge) kann ich sagen, dass der Einstieg leichter fällt als gedacht und vielleicht auch befürchtet. Die Serie macht es in der Hinsicht sehr geschickt, indem sie die erste Folge aus der Sicht von Rose, der neuen Begleiterin des Doktors, erzählt, die genau wie ich und andere potentielle neue Zuschauer erst mal keinen blassen Schimmer von Timelords, TARDIS und Sonic Screwdriver hat. Und indem ihr all das erklärt wird, wird es auch uns erklärt. Ein alter Trick, der sich bewährt hat. Ebenso clever ist die zweite Folge, die gleich mal zeigt, wie schräg das Ganze werden kann. Es geht weit in die Zukunft bis zum Zeitpunkt des Untergangs der Erde. Auf einer Raumstation tummeln sich diverse Zuschauer, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Auf mich wirkt es, als wollte man hier knallhart aussortieren. Du hast Probleme mit humanoiden Bäumen, einem gigantischen Gesicht und dem letzten Menschen, der bzw. die nur noch als großer Hautlappen mit Gesicht existiert? Gut, da ist die Tür, geh doch Stargate gucken! Mich aber schaffst du so leicht nicht, mein lieber Doktor. Ich habe Captain Janeway und Tom Paris zu Echsen mutieren und Kinder zeugen sehen und ich habe trotzdem weitergeguckt! Ich kann was ertragen!

Im Gegensatz zu Star Trek (DS9 ab Staffel 3 ausgenommen) wird hier aber weniger auf die klassischen „Monster of the Week“ Folgen gesetzt, auch wenn es oft so scheint. Stets werden Details aus vorherigen Folgen nochmal wichtig, was heutigen Sehgewohnheiten natürlich entgegen kommt. Exemplarisch sei hier einfach nur „Bad Wolf“ genannt, was sich die gesamte Staffel über aufbaut.

Kritik kann und muss ich aber dennoch üben, auch wenn ich es eigentlich nicht mag, oberflächlich über die Optik zu stänkern. Aber die Staffel ist von 2005 und sah, Hand aufs Herz, schon damals nicht umwerfend aus. Im Jahr 2017 können gerade die digitalen Kreaturen und die Greenscreens leicht die Immersion zerstören und von den an sich toll geschriebenen Geschichten ablenken. Trotzdem Respekt an die Macher, dass sie das so durchziehen. Ich finde z.B. das Design der Daleks immer noch ziemlich bekloppt, aber sie sehen immer noch aus wie früher. Das lässt Fanherzen höher schlagen und alle anderen gewöhnen sich dran, sogar ich. Nein, durch die Optik können die Abenteuer des neunten Doktors heute nicht mehr überzeugen. Das tut aber z.B. Babylon 5 heute auch nicht mehr und ich lege die Serie dennoch jedem Science Fiction Fan ans Herz!

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(© BBC)

Wenn mich überhaupt irgendwas gestört hat, dann der Charakter Mickey. Vielleicht bessert er sich ja noch (wie gesagt, ich kenne bisher nur die Eccleston Staffel), aber seine Szenen beschränken sich gefühlt auf „Rose hinterherlaufen, Doktor grimmig angucken, Slapstick artige Mimik bei Gefahr aufsetzen sowie dann DIESMAL WIRKLICH über Rose hinweg sein !!!“ und dann wieder von vorne. Da können auch seine heroischen Momente nicht mehr viel retten.

 

High- und Lowlights

Eins vorweg – wirklich schlecht fand ich keine Folge. Am wenigsten haben mir wohl die Folgen mit den Slitheen gefallen, auch wenn der Gag mit dem Nachnamen und das Essen mit dem Doktor echt herrlich waren. Aber den „Aliens übernehmen Regierungsbeamte“ Plot hat man dann doch schon öfters gesehen.

Starke Folgen gab es da schon einige mehr. „Dalek“ bringt einem Newbie wie mir die Rasse näher und ebenso ein wenig Licht in das Mysterium des „Time War“, der immer wieder erwähnt wird und mit der Vernichtung der Daleks und der Timelords endete. Und wenn man am Ende Mitleid mit einem laserbewehrten Verkehrshütchen hat, haben die Schreiber irgendwas richtig gemacht.

Die Folge „Father’s Day“ erinnert stark an die Episode „The City on the Edge of Forever“ bzw. “Griff in die Geschichte“ aus der originalen Star Trek Serie. Natürlich ist es nicht schwer, den Twist am Ende von „Father’s Day“ vorherzusehen, aber das ist nicht der Punkt. Am Ende hat jede der Hauptfiguren eine neue Facette bekommen und ihre Schauspieler durften ein wenig glänzen. Da verzeiht man auch gerne die Reaver, die wirklich furchtbar aussehen. Glücklicherweise sind sie nicht mehr als Mittel zum Zweck, um der Geschichte von Rose und ihrem Vater mehr Dramatik zu verleihen.

Und das Finale ist so, wie ein Staffelfinale sein muss. Der Anfang mit dem Gameshows ist ein wenig seltsam, aber spätestens zum Ende der vorletzten Folge nimmt die Geschichte Fahrt auf. Die Auflösung von „Bad Wolf“, der heroische Akt des Doktors und die Regeneration… das bleibt im Kopf. Und ich muss sagen: Ich werde Eccleston vermissen! Zuerst wirkte er mir zu locker und über allem stehend, aber das war genauso gewollt. Die ernsten Momente haben der Figur richtig gut getan und sie dreidimensional gemacht. Zu David Tennant kann ich nach dem Weihnachtsspecial „Christmas Invasion“ noch nicht viel sagen, ich weiß aber wie beliebt „sein“ Doktor ist. Eccleston hat seine Aufgabe, der erste neue Doktor zu sein, jedenfalls „Fantastic!“ gemeistert.

fan

Das war nun mehr oder weniger einfach so dahingeschrieben, ohne große Strukturierung oder Plan dahinter. Vielleicht werde ich das auch zu den folgenden Staffeln oder Doktoren machen, je nachdem wie ich Lust habe. Doctor Who 2005 taugt auf jeden Fall auch heute noch zum Quereinstieg in ein sehr eigenes Fandom. Die Serie ist nicht perfekt, aber einzigartig und irgendwie faszinierend. Und das ist doch allemal mehr wert als glattpolierte HD-Action von der Stange oder die x-te Sitcom, die Pro 7 kaputt senden kann.

Ach ja, guckt Doctor Who NICHT auf deutsch! Guckt ohnehin viel mehr im O-Ton!

Zu Teil 2 geht es hier lang!

5 Gedanken zu “Ich betrete erstmals die TARDIS – „Nine“ wird meine Nr.1 (Doctor Who Rückblick Teil 1)

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