John Sinclair – „Da guckst du dumm aus der Badehose, Zombie!“ (Teil 1)

Mit John Sinclair verbindet mich seit der Kindheit eine besondere Liebe. Hörspiele haben mich stets packen können, aber den Drei ??? und TKKG zum Trotz hat mich erst der Geisterjäger aus London so richtig begeistert (Ausnahme sind natürlich die auch heute noch gut gemachten He-Man Hörspiele aus dem Hause Europa). Monster, Skelette, Magie – all dieses Zeug hat mich schon als Kind fasziniert. Und dann sehe ich mit ca. 10 Jahren DIESES Cover!

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

Wenn ich mich jemals tätowieren lasse, dann muss das Motiv irgendwie eingebaut werden. Die Kassetten habe ich damals nur in einem anderen Ort gefunden, weswegen das Taschengeld nun neben Super Nintendo Spielen auch für John Sinclair Folgen zurückgelegt werden musste. Und dann mussten die Eltern natürlich bequatscht werden, dorthin zu fahren. Ich schweife ab…

Ich rede hier wohlgemerkt von den alten Folgen aus den 80ern aus dem Hause Tonstudio Braun! Die Edition 2000 war seinerzeit noch weit entfernt und TSB produzierte auch schon lange nicht mehr. Trotzdem hatten es mir diese giftgrünen Kassetten einfach angetan. Und meine Güte, was feiere ich es, dass sie nun neu aufgelegt werden!

Als die Edition 2000 rauskam, war ich skeptisch. Machen Neuauflagen nicht irgendwie die alten Erinnerungen kaputt? Heute weiß ich, sie tun es nicht und zwar egal wie furchtbar die neuen Versionen sind (*hust*Ghostbusters *hust* Total Recall *hust* Robocop…). Was WortArt aber gerade mit den Folgen unter der Regie von Oliver Döring abgliefert haben, ist eigentlich nicht zu toppen. Grandiose Effekte, viele bekannte Sprecher und die wirklich punktgenau richtige Prise Humor, mit der man an diese Geschichten herangehen muss. Bis Folge 70 „Die Hexeninsel“ ist die Edition 2000 wohl die beste Hörspielreihe, die ich je gehört habe. Nach Dörings Abgang ging der Faden leider verloren und die Serie brauchte einige Zeit, um sich wieder zu berappeln. Die alte Klasse finden sie wohl nie mehr wieder, aber gerade seit dem Sprecherwechsel von großartigen Frank Glaubrecht (u.a. Pierce Brosnan) zu Dietmar Wunder (u.a. Daniel Craig) gefallen mir die Folgen fast durchgängig gut.

Ursprünglich wollte ich (inspiriert von dieser sehr lesenswerten Liste) eine Art „Worst of John Sinclair“ machen, aber beim Schreiben kommen einem eben oft andere Ideen. Nach dieser Einleitung kann ich nicht einfach nur auf John Sinclair herumhacken. Dafür bedeutet mir dieses ganze Universum zuviel. Ich kann allerdings Folgen aus allen drei Serien (Tonstudio Braun, Edition 2000 und die „Classics“) vorstellen, die… sagen wir mal jede auf ihre Art „besonders“ sind. Zumal ich keine zehn wirklich schlechten Folgen finden konnte!

DIE DROHUNG/ EIN FRIEDHOF AM ENDE DER WELT/ DAS LETZTE DUELL (TONSTUDIO BRAUN)

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

„Die Drohung“ war meine allererste Folge und bildet mit „Ein Friedhof am Ende der Welt“ und dieser Folge einen Dreiteiler. Die Tonstudio Braun Version gefällt mir natürlich nicht zuletzt aus Nostalgie besser, da bin ich ehrlich. Aber Johns letzter Kampf gegen seinen Erzfeind, den „Schwarzen Tod“, ist in beiden Fassungen einfach nur gut. Die 80er Version hält sich natürlich mehr an die Vorlage, während in der Edition 2000 auf lustige Art auf den nun fehlenden Tunnel in den Osten Deutschlands angespielt wird. Dieser Dreiteiler hat alles: abwechslungsreiche Schauplätze, einen übermächtig wirkenden Gegenspieler, Dramatik und verdammt nochmal, er hat auch DINOSAURIER!

ANGST ÜBER LONDON (TONSTUDIO BRAUN)

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

Oh, wie grandios diese Folge hätte werden können. Die Prämisse ist fantastisch: John wird plötzlich von niemandem mehr erkannt, nach und nach sterben seine Freunde und dann bricht das Chaos erst so richtig über London herein. Leider hat Tonstudio Braun hier wohl einen besonders „lustigen“ Tag gehabt. Der Anfang ist ja wirklich noch sehr gelungen, aber mit der Apokalypse stürzt auch die Qualität ins Bodenlose. Die Sprecherin der Miriam klingt wie Mesut Özil bei Interviews, der Mensch an der Orgel kleistert wirklich alles zu und was TSB geritten hat, ihre Zombies ständig sprechen zu lassen werde ich wohl niemals verstehen.
„Komm her, mein Jüngelchen. Ich mach‘ einen Zombie aus dir!“

Nennen wir das Ganze mal „trashig-charmant“!

DIE HORROR-REITER (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Die erste Edition 2000 Folge, die ich gehört habe. Und verdammt, was hat die mich umgehauen! Der Anfang mit dem entstellten Mönch wirft bei mir auch heute noch das Kopfkino auf ekelhafteste Weise an und spätestens ab dem Angriff von einem der Reiter auf das spanische Dorf gibt die Folge eigentlich nur noch Vollgas. Abgesehen von einigen lustigen Einlagen natürlich (Suko und der Esel – ich liebe es!). Das hohe Erzähltempo war ohnehin die Stärke der Edition 2000, deren Gruselfaktor merklich zurückgefahren wurde. Bei den aus heutiger Sicht leicht trashigen Romanvorlagen sicherlich keine schlechte Idee!

DER MANN, DER NICHT STERBEN KONNTE (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Erste Folge nach Döring und die einzige, die ich nicht besitze. Ich will sie nicht haben! Nachfolgend meine Amazon Rezension, die ich direkt nach dem Erscheinen schrieb.

„Die Veränderung im Produzententeam waren mir gar nicht bewusst, weswegen mich dieser Neustart völlig aus dem Nichts erwischt hat. Leider sind die Änderungen doch zu gravierend ausgefallen und stoßen (wie man an den vielen Bewertungen hier sieht) einen Teil der Fans zu sehr vor den Kopf.

So geht es mir auch, auch wenn ich zuerst zumindest interessiert war, wie sich der neue „neue“ John Sinclair zu präsentiert. Herausgekommen ist ein Hörspiel, welches mich leider völlig kalt gelassen hat. Die Sprecherleistungen gehen größtenteils in Ordnung mit einigen Ausreißern nach unten (Lady Goldwyn !), die Musik plätschert nur so daher und warum es gerade DIESER Roman als Vorlage sein musste, bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis. Natürlich hat die „Edition 2000“ schon vorher aus eher schwachen Vorlagen richtig gute Hörspiele herausgeholt (als Beispiele seien „Die Eisvampire“ genannt), aber hier passt sich auch die Geschichte der unterdurchschnittlichen Qualität an.

Ich werte die Folge mal als Generalprobe und sage die Serie noch nicht tot. Dazu liegt sie mir zu sehr am Herzen. Aber ich kann mich auch nicht mehr so sehr auf neue Folgen freuen, wie vorher.“

DER SCHWARZE HENKER (TONSTUDIO BRAUN)

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

Die beste Einzelfolge aus Tonstudio Braun Zeiten! Ich liebe jede einzelne Sekunde, aber die Discoszene ist in ihrem Wahnsinn einfach nicht zu toppen. Selbstbewusste Halbstarke, ein heldenhafter John, eine von den Sprechern selbst beschriebene Prügelei („Ich trete dir das Bein weg!“) und herrlich-bekloppte Discomusik – ein Meisterwerk der 80er Hörspielkunst! „Der schwarze Henker“ ist aber mitnichten purer Trash. Der Rest ist sehr atmosphärisch und den Anfang fand ich als Kind sogar ziemlich bedrohlich.

Wenn mein Cousin das gerade liest: Lieben Gruß und die nächste, nur aus Zitaten bestehende Whatsapp Konversationen kommt bestimmt!

DAS UNGEHEUER VON LOCH MORAR/ DIE ZOMBIES (TONSTUDIO BRAUN)

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(© Lübbe Audio/ Tonstudio Braun)

Mit dem zweiten Teil „Die Zombies“ nach wie vor mein Favorit unter den „So schlecht, schon wieder gut“ Folgen. Ein Seemonster mit dem unheimlich scharfen Namen OGUR, der Orgelheinz ist anscheinend nun völlig dem Wahnsinn verfallen, die Zombies labern wie eh und je und was die Dialoge angeht..

„Ha Ha, da guckst du dumm aus der Badehose, Zombie!“

oder auch

„Ihr seid ja klatschnass!“

„Das ist nicht vom Wasser, Jane!“

„Nicht vom Wasser?“

„Nein, wir haben beim Schwimmen so geschwitzt!“

*allgemeines Gelächter *

ICH STIEß DAS TOR ZUR HÖLLE AUF/ IM ZENTRUM DES SCHRECKENS/ BRING MIR DEN KOPF VON ASMODINA (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Der „Schwarze Tod“ war immer mein Lieblingsgegner von John, aber Asmodina und die Mordliga sind objektiv betrachtet sicher seine besten. Sie hatten mehr Zeit um sich zu entfalten und der Konflikt zwischen diesen beiden Parteien machte alles noch interessanter. „Ich stieß das Tor zur Hölle auf“, „Im Zentrum des Schreckens“ und gerade „Bring mir den Kopf von Asmodina“ sind Kino für die Ohren. Ich beziehe mich auf die Edition 2000, aber auch Tonstudio Braun haben damals mit diesem Dreiteiler gute Arbeit abgeliefert. Aber spätestens die alles entscheidende Schlacht im dritten Teil wischt mit anderen Hörspielen einfach nur den Boden auf.

Hier entlädt sich alles, was sich in etlichen Folgen vorher aufgebaut hat. Das Kreuz geht verloren, die Allianzen unter den Dämonen verändern sich, John selbst stürzt in die tatsächliche Hölle und der Teufel höchstpersönlich gibt sich erstmals die Ehre. Grandios gesprochen von Bernd Rumpf (u.a. Liam Neeson), nebenbei bemerkt.

DR. SATANOS (SINCLAIR CLASSICS)

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(© Lübbe Audio)

Die „Classics“ sind Umsetzungen der alten Sinclair Geschichten aus der Reihe „Gespenster-Krimi“, bevor der Geisterjäger eine eigene Serie bekam. Und so richtig begeistern konnten sie mich leider nie. Die Folge hier ist meiner Meinung nach mit „Sakuro, der Dämon“ die Beste. Den „Doktor“ sehe ich leicht vorne, weil Jürgen Thorman die Titelfigur so herrlich böse spricht. Andererseits bietet „Sakuro…“ einen bestens aufgelegten Oliver Kalkofe, der auch in den letzten Folgen der Hauptserie unter Oliver Döring einige Nebenrollen spricht.

Weitere empfehlenswerte „Classics“: „Die teuflischen Schädel“, „In Satans Diensten“ und „Horrorfest am Galgenhügel“ Hey, ich höre euch dahinten kichern!

DAS ENDE (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Folge 100, die vorher alleine durch den Titel Spekulationen auslöste. Im Endeffekt ist es aber „nur“ das Ende von Frank Glaubrecht als John Sinclair und er verabschiedet sich mit einem Knall. Die Effektgewitter der alten Folgen sind hier schon lange Vergangenheit, das Finale verlässt sich auf die Vorstellungskraft des Zuhörers. Umso mächtiger wirkt dann die letzte Aktion von Glaubrecht als John – das erstmalige Ausrufen der Formel zur Aktivierung des Kreuzes (in der Gegenwart)!

Der Wechsel zu Dietmar Wunder wird danach humoristisch und sehr geschickt thematisiert. Und was dann nach dem Ende der eigentlichen Geschichte passiert, ist einfach nur ein herrlicher Gruß an die alten Fans. Frank Glaubrecht auf einen der Tonstudio Braun Sinclairs treffen zu „sehen“ war einfach nur schön. Und sein Abschiedsgruß sowieso! Vielen Dank für 15 tolle Jahre!

GHOUL-PARASITEN (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Ein wenig Liebe für Dietmar Wunder, der nach Folge 9 der Classics nun nach Folge 100 auch die Hauptserie übernommen hat. Sein John wirkt jünger und (noch) lockerer, gefällt mir aber immer besser. „Seine“ Folgen sind mal so, mal so, aber niemals wirklich schlecht. „Ghoul Parasiten“ finde ich bisher am besten, auch wenn die Prämisse „Killerblasen lösen Leute auf“ selbst für Sinclair Verhältnisse ziemlich bekloppt ist.

DER TODESNEBEL (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Seien wir mal ehrlich: Jason Dark nennt die Story „inspiriert“, aber das hier IST „John Carpenter’s The Fog“ mit John Sinclair Charakteren. Und das macht die Folge so verdammt gut. Zwar fehlt (logischerweise) das grandiose Titelstück aus dem Film, aber die Atmosphäre kommt genauso gut rüber. Gerade der Beginn mit dem besessenen Jungen und die Fahrt der Männer in den Nebel bieten Grusel, der bei der Edition 2000 nicht selbstverständlich ist. War bis Episode 62 meine Lieblingsfolge von WortArt!

Honorable Mention: DIE COMEDY (EDITION 2000)

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(© Lübbe Audio)

Kürzlich erschien ein zweiter Teil, den ich furchtbar finde. Die erste Comedy wird sicher nicht jedem gefallen, aber wer „Die nackte Kanone“ oder andere Werke des ZAZ Trios liebt, wird auch diesem Hörspiel einiges abgewinnen können. Persönliches Highlight: John stürzt durch ein Zeitloch in die 80er und alles verwandelt sich für eine Weile in ein Hörspiel im Stil von Tonstudio Braun.

Und wisst ihr was: Spontan fallen mir noch 20 Folgen ein, die ich auch noch erwähnen möchte. (Beispiele: „Dämonen im Raketencamp“, „Der unheimliche Bogenschütze“, „Die Teufelsuhr“, „Blutiger Halloween“, „Der Anfang“ oder „Die Leichenstadt“). Aber ich höre hier mal auf, denn das Hörspiel zu Roman Nummer 2000 (!) liegt im Postkasten.

Falls ihr weiter schmökern wollt, werft doch einen Blick auf Teil 2!

3 Gedanken zu “John Sinclair – „Da guckst du dumm aus der Badehose, Zombie!“ (Teil 1)

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